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Krypta mit neun Leichen unter Medici-Grab in Florenz entdecktDPA-Datum: 2004-07-11 11:50:15

Florenz (dpa) - Unter einem fast 300 Jahre alten Grab der Herrscherfamilie Medici in Florenz haben Forscher eine Geheimkammer mit Überresten zahlreicher Leichen entdeckt. In der Krypta unter den berühmten Medici-Kapellen befinde sich der Leichnam des letzten Medici-Herrschers, Großherzog Gian Gastone (1671-1737), sowie die Gebeine von acht weiteren Toten, zumeist von Neugeborenen und Kindern, sagte der Paläopathologe Prof. Gino Fornaciari der dpa. «Es handelt sich um einen spektakulären Fund.»

Florenz (dpa) - Unter einem fast 300 Jahre alten Grab der Herrscherfamilie Medici in Florenz haben Forscher eine Geheimkammer mit Überresten zahlreicher Leichen entdeckt. In der Krypta unter den berühmten Medici-Kapellen befinde sich der Leichnam des letzten Medici-Herrschers, Großherzog Gian Gastone (1671-1737), sowie die Gebeine von acht weiteren Toten, zumeist von Neugeborenen und Kindern, sagte der Paläopathologe Prof. Gino Fornaciari der dpa. «Es handelt sich um einen spektakulären Fund.»

In einer beispiellosen «Operation Medici» wollen italienische und amerikanischer Experten insgesamt 49 Medicigräber öffnen. Zwei Jahre soll die Aktion dauern - geklärt werden sollen Lebensumstände, Krankheiten und die Todesursachen der Angehörigen der legendären Bankiersdynastie, die Florenz drei Jahrhunderte lang beherrschte.

Die unterirdische Geheimkammer liegt unter der sichtbaren Grabstätte Gian Gastones. Acht schmale Stufen führen hinab. Es ist stickig, die Luft ist feucht, es riecht nach Moder und Verwesung. Etwa 30 Quadratmeter ist die Krypta groß und zweieinhalb Meter hoch. Den Wissenschaftlern steht der Schweiß auf der Stirn. «Die Identität der acht weiteren Toten ist noch unklar», meint Fornaciari. Bislang stehe lediglich fest: Es handelt sich um die Leichen dreier Neugeborener sowie zweier Kinder im Alter von ein bis zwei Jahren, außerdem seien die Gebeine zweier älterer Kinder sowie eines etwa 20-jährigen Menschen in der Krypta. «Die mysteriösen Gräber der Medici», titelt die Zeitung «Corriere della Sera».

«Wir vermuten, dass die Toten alle Angehörige der Medici sind», sagt Fornaciari. «Einer der jungen Knaben trägt noch die Überreste einer Krone in der Form eines Blumengebindes». Mehrere Leichen seien in mumifizierten Zustand, bei einigen konnte man das Geschlecht noch nicht feststellen. Scheinwerfer tauchen das Dunkel der Kammer in gleißendes Licht: Penibel versuchen die Forscher, selbst kleinste Knochenteile vom Boden der Krypta zu retten. «Einige Särge wurden bei der großen Überschwemmung 1966 beschädigt.»

Bislang gelang es den Forschern, vier Leichen in den Medici-Kapellen ans Tageslicht zu befördern: Die Gebeine von Großherzog Cosimo I. (1519-1574), seiner Ehefrau Eleonora von Toledo sowie ihrer Kinder Giovanni und Garzia. Erste Überraschung: Die bisherige Annahme der Historiker, dass viele Medici an Gicht gelitten hätten, gerät ins Wanken; einer der großen Herrscher wird sogar bis heute «Piero der Gichtige» genannt.

«Eine erstaunliche Entdeckung ist, dass Cosimo I. entgegen allen bisherigen Behauptungen keine Gicht hatte», meint Fornaciari nach ersten Untersuchungen. Satt an der Stoffwechselerkrankung habe er an einer erblichen Gelenkkrankheit gelitten. Untermauert wurde dagegen die Annahme, dass seine Frau und die beiden Kinder an Malaria starben - Schluss also mit dem Gemunkel über einen Meucheltod.

Italienische Forscher haben so etwas wie ein Faible für spektakuläre Exhumierungen: Unter anderem öffneten sie vor einigen Jahren in Palermo den Sarkophag von Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen (1194-1250). Und erlebten ebenfalls eine Überraschung: In dem Sarg lagen neben Friedrich die Leiche einer Frau und eines weiteren Mannes - angeblich handelt es sich um eine «italienische Adelige» und einen entfernten Verwandten.

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