Kühler Empfang für T-Online-Chef
Telekom-Internet-Tochter rutscht tiefer in die Verlustzone

Die Börse hat dem neuen T-Online-Chef Thomas Holtrop keinen warmen Empfang bereitet: Die Aktie rutschte in der Spitze um fast 7 % in die Tiefe.

hz/tnt FRANKFURT/M. Die Börse hat dem neuen T-Online-Chef Thomas Holtrop keinen warmen Empfang bereitet: Die Aktien der Internet-Tochter reagierten am Donnerstag auf die endgültigen Neun-Monats-Zahlen und die Berufung des 45-Jährigen bisherigen Marketing-Vorstands der Deutschen Bank 24 an die Spitze des Internet-Providers mit drastischen Kursverlusten. Die Aktie rutschte in der Spitze um fast 7 % in die Tiefe.

T-Online-Intraday-Chart

Wie das Handelsblatt vorab berichtete, hatte der Aufsichtsrat von T-Online den Bank-Manager auf seiner Sitzung am Mittwochabend ab dem Jahreswechsel zum neuen Vorstandschef des krisengeschüttelten Internetunternehmens berufen. Telekom-Chef Ron Sommer lobte Holtrop, der die Deutsche Bank Internet-Tochter mitaufgebaut hatte, als "exzellente Führungspersönlichkeit" mit hoher Fachkompetenz. Mit der Berufung ist der T-Online-Vorstand fast wieder komplett. Nur der Posten des Vertriebschefs ist weiterhin vakant.

Analysten sahen die Berufung mit gemischten Gefühlen. Offensichtlich sei niemand verfügbar gewesen, der umfassende Medienerfahrung habe, sagte Holger Bosse vom Helaba Trust. Nils Machemehl von der Vereins und Westbank - sagte, es sei fraglich, wie viel Erfahrung Holtrop im internationalen Geschäft und auf den für T-Online wichtigen Gebieten Internet und Online-Inhalte habe. Frank Rothauge von Sal. Oppenheim, hielt die Berufung immerhin für einen "Schritt in die richtige Richtung".

Holtrop soll den größten Internet-Provider Europas nun in die schwarzen Zahlen führen und das Unternehmen stärker auf Medien und Inhalte ausrichten. Der Internet-Provider rutschte nach den endgültigen Neun-Monats-Zahlen tiefer in die Verlustzone. Den Vorsteuerverlust bezifferte T-Online mit 14,3 Mill. Euro. Darin enthalten waren jedoch einmalige Erträge aus dem Börsengang der Commerzbank-Internet-Tochter Comdirect, an der T-Online rund 20 % hält. Ohne Sondereinflüsse liegt der Verlust sogar bei 53,3 Mill. Euro. Im Vorjahr war noch ein Gewinn vor Steuern und Sondereinflüssen von 14 Mill. Euro verblieben. Allerdings konnte der Online-Konzern beim Umsatz kräftig zulegen. Die Erlöse steigen im Vergleich zum Vorjahrszeitraum um 86,5 % auf 542,6 Mill. Euro. Das Wachstum beruhte allerdings in weiten Teilen auf einer massiven Kundenwerbung durch das Angebot eines unrentablen Pauschaltarifs (Flatrate). Das Zugangsgeschäft, das noch den Großteil der T-Online-Erlöse ausmacht, gilt angesichts des herrschenden Preiskampfes langfristig als unattraktiv.

Als Hauptaufgabe sieht der künftige T-Online-Chef Holtrop daher den Ausbau der Inhalte an. Offen ist derzeit noch, ob er zu einem späteren Zeitpunkt auch in den Telekom-Vorstand aufrücken wird. Dort sollte der T-Online-Chef nach ursprünglichen Vorstellungen von Sommer für das Ressort Multimedia verantwortlich sein.

Neben einer Neuausrichtung des Unternehmens muss der neue Spitzenmann die Telekom-Tochter auch aus einer tiefen Führungskrise ziehen, in die es nach dem Abgang des Ex-Vorstandschefs Wolfgang Keuntje stürzte. Nach Keuntje hatten fast alle Vorstandsmitglieder die Firma verlassen, bei der derzeit gegen vier Top-Manager wegen des Verdachts auf Vorteilnahme interne Untersuchungen laufen.



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