Künast für kommerzielle Walbeobachtung
Streit über Schutz der Wale

Mit einem heftigen Streit über neue Initiativen zum Schutz der bedrohten Wale hat die Internationale Walfang-Kommission (IWC) ihre 55. Jahrestagung in Berlin eröffnet.

HB/dpa BERLIN. Die Walfang-Länder Japan und Norwegen forderten gleich zu Beginn der viertägigen Sitzung am Montag, die so genannte Berliner Initiative zur Einrichtung eines speziellen Ausschusses zum Schutz der Wale von der Tagesordnung zu nehmen. Auch die Forderungen nach neuen Wal-Schutzgebieten und eine Resolution zur touristischen Walbeobachtung hätten nichts auf der Agenda zu suchen, erklärte die japanische Delegation. Deutschland und andere Länder, die gegen den Walfang sind, forderten die Kommission dagegen auf, die umstrittenen Punkte zu behandeln. Bis zum Nachmittag war keine Einigung in Sicht.

Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast (Grüne) forderte Japan und Norwegen auf, sich in Richtung Walschutz zu bewegen. "Die beste Art, Wale zu nutzen, ist nicht die Harpune, sondern die Fotokamera", sagte sie. Trotz des bestehenden Walfangverbots werden jedes Jahr von Japan und Norwegen Wale gejagt. Beschlüsse der IWC werden seit Jahren wegen der unversöhnlichen Positionen der Walfangbefürworter und-gegner blockiert.

Die Berliner Initiative sei ein Hauptanliegen der IWC-Tagung. Die Kommission müsse sich verstärkt zum Schutz der Wale bekennen, forderte Künast in ihrer Eröffnungsrede. Bislang standen Fangquoten für Großwale im Mittelpunkt der IWC-Verhandlungen. Laut Künast müsse jedoch der Schutzgedanke für Groß- und Kleinwale in der Kommission verankert werden.

Deutschland verfolge mehrere Ziele auf der IWC-Tagung: So solle eine Resolution gegen den umstrittenen wissenschaftlichen Walfang eingebracht werden, den Japan betreibt und mit dem auch Island beginnen will. "Wir haben dafür kein Verständnis", sagte Künast. Um herauszufinden, wie Wale sich ernähren, müssten die Tiere nicht in so großer Zahl getötet werden.

Artenschutzorganisationen warfen Island, das 500 Wale innerhalb von zwei Jahren angeblich zu Forschungszwecken fangen will, ein "Täuschungsmanöver" vor. Künast forderte Japan auf, sich im Interesse des Walschutzes von "lieb gewordenen Traditionen" zu verabschieden. Walfleisch gilt in Japan als Delikatesse und wird dort zu hohen Preisen verkauft. Der wissenschaftliche Walfang darf nach Worten Künasts nicht noch durch die Erhöhung von Fangquoten ausgeweitet werden. Walbeobachtung sei eine Alternative zum Walfang. Ganze Familien könnten mit diesem touristischen Zweig Geld verdienen.

Außerdem setzt sich Deutschland zusammen mit anderen Ländern für zwei neue Walschutzgebiete im Südatlantik und Südpazifik ein und will eine Initiative gegen den Beifang in Fischernetzen ergreifen. Allein an Deutschlands Nordseeküste verenden laut Künast jedes Jahr rund 7500 Schweinswale in den Fischernetzen. Mit der symbolischen Befreiung eines Plastikwals aus einem Netz machte die Umweltorganisation WWF vor dem Tagungsgebäude im Beisein von Künast auf den qualvollen Tod von weltweit nach Schätzungen bis zu 300 000 Walen pro Jahr, darunter viele Delfine und Tümmler, aufmerksam. Sie verheddern sich in den Fischernetzen und ertrinken.

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