Kündigungen bei Piloten, Flugbegleitern und Bodenpersonal
Swissair entlässt 9 000 Mitarbeiter

Der Schweizer Luftfahrt-Konzern Swissair entlässt mehrere tausend Mitarbeiter. Wie das Unternehmen in Zürich bekanntgab, wird es 9000 Arbeitsplätzen streichen, davon rund 4400 allein in der Schweiz. Belegschaftsvertreter warnten am Donnerstag, dass konzernweit 15 000 Stellen auf der Kippe stünden.

afp BASEL/ZÜRICH. Zugleich legte die bisherige Swissair-Tochterfirma Crossair finanzielle Einzelheiten des Rettungsplanes «Phoenix Plus» vor, der eine Fusion der beiden Airlines und eine milliardenschwere Geldspritze von Staat und Wirtschaft vorsieht.

Den Unternehmensangaben zufolge sollen bei der Swissair AG in der Schweiz allein 200 Piloten gekündigt werden, dazu tausend Flugbegleiter und 540 Beschäftigte des Bodenpersonals. Die Bordmahlzeiten-Sparte Gate Gourmet entlässt 300 Mitarbeiter, die Technik-Sparte SR Technics 800. Beim Informatik-Dienstleister Atraxis fallen 460 Stellen weg und bei der Flughafen-Betreibergesellschaft Swissport Zürich 250 Arbeitsplätze. Betroffen vom Abbau sind auch Hunderte Mitarbeiter im Fracht- und Leasinggeschäft sowie der zusammengebrochenen Holding SAirGroup.

Bei Swissair selbst, den Fracht- und Leasingfirmen sowie der SAirGroup seien die November-Löhne und die Sozialplanleistungen für die entlassenen Mitarbeiter noch nicht gesichert, betonte die Firmengruppe. Sie suche «intensiv Lösungen, um die Finanzierung dieser Leistungen zu ermöglichen». Entlassene Mitarbeiter der betroffenen Firmen müssten aber voraussichtlich im November Arbeitslosenunterstützung beantragen. Sie hätten zwar einen Anspruch auf Lohnzahlung und Sozialplan; das Geld könne aber «erst nach Abschluss des Liquidationsverfahrens ausbezahlt werden, was voraussichtlich noch mehrere Jahre dauern wird».

Der Plan «Phoenix Plus» sehe die Lohnfortzahlung für Swissair und die Pleite gegangene SAir Group ausdrücklich nicht vor, betonte die Gruppe. Der Insolvenzverwalter wolle zudem auch ein Swissair-Programm zur Frühpensionierung aus dem Jahr 1996 nicht weiter finanzieren. Für alle Betroffenen suche die Swissair Group «intensiv nach Lösungen».

Der Verband VPOD Luftverkehr, die Gruppe Swissair des Kaufmännischen Verbandes und die Personal Union Swissair Group (PUSH) kritisierten, es gebe Milliarden für die «neue Crossair», aber keinen Rappen für die Entlassenen. Der Zusammenbruch der flugverwandten Betriebe, in denen die meisten Beschäftigten der Swissair Group arbeiteten, rücke immer näher.

Crossair kündigte in Basel an, dass dem Unternehmen bis Ende März kommenden Jahres 2,74 Milliarden Franken (3,62 Mrd. DM) über eine Kapitalerhöhung zufließen sollen. Zudem sollen die Aktien vereinheitlicht und später gesplittet werden. Großaktionäre aus öffentlicher Hand und Wirtschaft sollen Anteilsscheine zu je 280 Franken für insgesamt 2,74 Milliarden Franken zeichnen und mindestens ein Jahr lang halten. Am Aktienkapital der «neuen Crossair» will sich der Bund mit 20 Prozent beteiligen, die Kantone des Landes werden 18 Prozent halten. Der Rest von 62 Prozent entfällt auf die Wirtschaft, deren Engagement eine Voraussetzung für die Finanzspritze des Bundes war.

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