Künftig soll das Geld der Anleger außerhalb des Konzerns investiert werden
Göttinger Gruppe stellt den Vertrieb umstrittener Beteiligungen ein

fw DÜSSELDORF. Die Göttinger Gruppe stellt den Vertrieb ihrer umstrittenen stillen Beteiligungen ein. Das geht aus einem Interview hervor, das Konzernchef Jürgen Rinnewitz dem Göttinger Tageblatt gegeben hat - es ist auch auf der Website der Göttinger zu finden. Statt dessen wollen die Göttinger Investmentfonds und KG-Anteile verkaufen. Rinnewitz betonte, künftig werde "nahezu der gesamte Teil der Anlegergelder" gruppenextern investiert, also unabhängig von den Unternehmen des eigenen Konzerns.

Rinnewitz machte Angriffe von Verbraucherschützern und der Presse für den Rückzug verantwortlich. Sie hätten der Gruppe einen zwei- oder möglicherweise dreistelligen Millionenschaden verursacht, beklagt der Konzernchef.

Die Göttinger Gruppe und ihre stillen Beteiligungen stehen seit langem in der Kritik. Der zentrale Vorwurf ist, dass sie das Geld bei diesen Produkten nicht gruppenextern investiert, sondern hauptsächlich in den eigenen Vertrieb. Damit wäre - darauf hat auch das Handelsblatt hingewiesen - die Anlage weitgehend vom Zufluss neuer Kundengelder abhängig und damit nicht wertbeständig.

Frage der Seriosität konnte nicht geklärt werden

Die Gruppe hatte sich gegen die Angriffe in zahlreichen Prozessen zur Wehr gesetzt und bei vielen Verfahren zumindest in den ersten Instanzen Recht bekommen. Dabei zeigte sich aber, wie das Handelsblatt bereits berichtet hat, dass bei vielen dieser Urteile die Kernfrage, nämlich die Seriosität der Geldanlage, letztlich nicht geklärt werden konnte.

Rinnewitz betont in dem Interview, dass er nach wie vor hinter den Produkten stehe, von denen er sich jetzt trennen möchte. Er wird mit der Aussage zitiert: "Wir müssen auf dem Markt, nicht vor Gericht erfolgreich sein." Er will nun den gesamten Konzern umkrempeln.

Offen bleibt zunächst die Frage, wie die bisherigen Anleger der stillen Beteiligungen ausgezahlt werden. Verbraucherschützer werden voraussichtlich auch einen kritischen Blick auf die neuen Produkte der Gruppe werfen, die sich nach Aussage des Konzernchefs schon in der Entwicklung befinden und unter einem neuen "Label" angeboten werden.

Nach der Entscheidung der Gruppe, sich aus dem umstrittenen Geschäft zurückzuziehen, ist zu erwarten, dass zumindest einige der anhängigen Prozesse mehr oder minder im Sande verlaufen werden.

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