Künftiger Chef der Dresdner Bank: Herbert Walter: Messerscharfer Analytiker

Künftiger Chef der Dresdner Bank
Herbert Walter: Messerscharfer Analytiker

Er ist jemand, der Probleme genau beim Namen nennt und dann rigoros für Veränderung sorgt. Da hat Walter bei seinem neuen Arbeitgeber Dresdner Bank reichlich zu tun.

FRANKFURT/M. Künftig wird sein Weg zu den Konzernmeetings deutlich länger. Bisher brauchte Herbert Walter von der Frankfurter Ulmenstraße, dem Sitz der ehemaligen Deutschen Bank 24, nur die Straße zu überqueren, um zu den Zwillingstürmen der Deutschen Bank zu gelangen. Demnächst muss er dann als Dresdner-Bank-Chef nach München reisen, zum Firmensitz der Allianz.

Mit Walter holt sich der Münchener Versicherungskonzern einen der erfahrensten und besten Privatkundenbanker Deutschlands an die Spitze der Dresdner Bank als Nachfolger von Bernd Fahrholz. Das legt Vermutungen nahe, dass die Allianz ihre Bank stärker auf das Privatkundengeschäft ausrichten möchte.

Der meist smart lächelnde Walter führte die Privat- und Geschäftskundensparte der Deutschen Bank zu neuen Ehren. Konzernchef Josef Ackermann sieht in der zweiten Säule inzwischen einen wichtigen Ertragspfeiler für sein Haus. Das war nicht immer so: Noch vor drei Jahren war das Massengeschäft der Deutschen Bank 24 in der geplanten, aber geplatzten Fusion mit der Dresdner Bank nur Spielmasse. Es sollte mit der Investmentfondstochter DWS an die Allianz abgeschoben werden - im Tausch für deren Dresdner-Anteile.

Heute dürfte man froh sein, dass es so weit nicht kam. Im vergangenen Jahr trug die Privat- und Geschäftskundensparte mehr als die Hälfte zum Vorsteuerergebnis des Konzerns bei, was auch an der Schwäche des Investment-Bankings lag. Und die Deutsche Bank 24 schrieb früher als geplant schwarze Zahlen. Ein Verdienst von Walter und seinem Team. Hinter seinem Erfolg steckt viel Systematik und Fleiß, wissen Mitarbeiter. "Kunden- und Marktforschungsstudien liest er wie andere Leute Comics", sagt ein früherer Mitarbeiter. Allerdings nur so schnell, nicht so oberflächlich. Denn das, was er liest, hat er parat und setzt es rigoros um. So hat er die Bank konsequent kundenorientiert weiterentwickelt.

Diese Aufgabe hat der in Prien am Chiemsee geborene Bayer auch bei seinem neuen Arbeitgeber. Und das bedeutet für den neuen Chef der Dresdner Bank viel Arbeit. Er muss vor allem das enorme Potenzial des Versicherungskonzerns und der Dresdner Bank heben. Bislang läuft das Zusammenspiel zwischen Bank und Versicherung eher schleppend. Hier muss und wird Walter ansetzen.

Dabei wird er wie schon bei der Deutschen Bank sowohl auf den stationären als auch auf den virtuellen Vertrieb bauen. Neben Telefon- und Internetbanking wird er auf jeden Fall an den Filialen festhalten. Mit den Versicherungsvertretern und so genannten Financial Planern der Allianz bekommt Walter zudem eine sehr schlagkräftige, mobile Einsatztruppe für die Kundenbetreuung zu Hause oder am Arbeitsplatz. Dabei zählt für Walter vor allem das Ergebnis.

Mit seiner Liebe zum Detail kann der messerscharfe Analytiker seine Mitarbeiter schon mal nerven. Er legt den Finger in die Wunde und ruht nicht eher, bis auch die letzte Ungereimtheit beseitigt ist. "Sicher ist er manchmal anstrengend, aber er findet immer den wunden Punkt", sagt ein ehemaliger Mitarbeiter. Da können kurze, kleine Meetings schon mal zu Mammutsitzungen bis in die Nacht hinein ausarten. Doch genau dies wird für ihn gesprochen haben bei der Suche nach einem neuen Dresdner-Chef. Denn bei der Dresdner Bank gibt es viel aufzuräumen. Das traut man Herbert Walter zu.

Von seinen Mitarbeitern fordert der Perfektionist wie von sich selber sehr viel. Vor allem aber hundertprozentigen Einsatz und Überzeugung für die Sache. "Er will nicht, dass nur abgearbeitet wird, sondern fordert echtes Engagement", weiß ein früherer Mitarbeiter. In einem Interview mit der Mitarbeiterzeitung "Forum" der Deutschen Bank machte Walter seinen Anspruch deutlich: "Ein gemeinsames Selbstverständnis und ein grundsätzlicher Konsens über zentrale Unternehmensziele müssen tief verankert sein in den Herzen und den Köpfen von uns allen", predigte er.

Da geht er mit gutem Beispiel voran. Keine kritische Frage zur abermaligen Umstrukturierung seines Geschäftsbereichs bringt ihn aus der Ruhe, obwohl sie nicht immer von ihm gewollt, sondern häufig von Konzernzielen bestimmt wurde. Eloquent stellt er sich, das Team und sein Wirken als ein Teil des großen Ganzen dar, zum Wohle des Konzerns und vor allem zum Wohle der Kunden. Schwer tut er sich nur, wenn er keine Zahlen und Fakten hat, mit denen er argumentieren kann. Dann passiert es selbst dem promovierten Wirtschaftswissenschaftler, der sonst durch klare Aussagen besticht, dass ihm die schlagkräftigen Argumente ausgehen und er sich in allgemeinen Sprechblasen ergeht.

Nicht nur im Dienst, auch in der Freizeit lautet sein Lebensmotto "Carpe diem". "Er verschwendet keine Zeit, lebt unheimlich bewusst", weiß ein ehemaliger Mitarbeiter von der Deutschen Bank. Zeitverschwendung ist ihm ein Gräuel. Statt beim feudalen Lunch findet man den verheirateten Vater dreier Kinder eher in der Frankfurter "Fressgass". In seiner Freizeit schwingt er sich gerne auf sein Mountain-Bike.

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