Künftiger Vorstandschef Hambrecht nennt Steigerung der Kapitalverzinsung als vorrangiges Ziel
BASF verspricht bessere Rendite

In wenigen Wochen steht bei BASF, dem weltgrößten Chemiekonzern, ein Führungswechsel an: Vorstandsmitglied Jürgen Hambrecht löst Jürgen Strube als Konzernchef ab. Der 56-jährige Schwabe will an der Aufstellung der BASF-Gruppe festhalten, rückt aber die Ziele bei der Kapitalrendite in den Mittelpunkt seines Konzepts.

DÜSSELDORF. Die BASF-Gruppe schaltet nach den hohen Investitionen der vergangenen Jahre einen Gang zurück und will ihr bestehendes Portfolio auf Rendite trimmen. Der künftige Vorstandschef Jürgen Hambrecht hat sich daher für seine Amtszeit zwei Ziele gesetzt: Er will die Kapitalrendite stärken und mit mehr Kundennähe den Konkurrenten Marktanteile abnehmen. Hambrecht übernimmt nach der Hauptversammlung am 6. Mai den BASF-Vorstandsvorsitz von Jürgen Strube, der Aufsichtsratschef werden soll.

"Wir wollen in den nächsten Jahren unsere Kapitalkosten plus eine darüber hinausgehende Prämie verdienen", sagte Hambrecht im Gespräch mit dem Handelsblatt. Als Verzinsungsziel nannte er 11 %. Im vergangenen Jahr hatte BASF bei einem Betriebsgewinn von gut 2,6 Mrd. Euro das eingesetzte Kapital mit 9,4 % verzinst. Zu der Steigerung der Kapitalrendite soll nach dem Konzept Hambrechts auch das Effizienzprogramm beitragen, mit dem der weltgrößte Chemiekonzern bis Ende dieses Jahres rund 1 Mrd. Euro einsparen will.

Bei der Neuausrichtung knöpft sich BASF vor allem die vergleichsweise schwache Rendite im Pflanzenschutz und im Nordamerika-Geschäft vor. "In den USA sind wir noch nicht, wo wir hinwollen", sagte Hambrecht. Neben Kostensenkungen baut er auf neue Pflanzenschutzmittel, die aus der Forschung der Agrosparte kommen. Allein fünf neue Produkte, die derzeit in den Markt eingeführt werden, sollen in der Spitze einen zusätzlichen Umsatz von 900 Mill. Euro bringen.

Eine Verbesserung der Kapitalrendite bewerten auch Analysten als vorrangiges Ziel für die BASF. Investmentbanken wie UBS Warburg haben an der BASF - Strategie und an der Ausrichtung wenig auszusetzen - doch stimmt sie besorgt, dass BASF in den vergangenen sechs Jahren in vielen Bereichen kaum die Kapitalkosten verdienen konnte.

Mit einem Umsatz von 32,2 Mrd. Euro ist BASF vor dem US-Konkurrenten Dow Chemical der weltgrößte Chemieanbieter. Der Ludwigshafener Konzern stellt in fünf Sparten Basis- und Spezialchemikalien her, produziert Kunststoffe und Lacke für Autos und beliefert die Landwirtschaft mit Pflanzenschutzmitteln. Zudem fördert die BASF-Tochter Wintershall Öl und Gas. Hambrecht hält an dieser Aufstellung fest. Zwar will er den Anteil konjunkturrobuster Arbeitsgebiete wie Pflanzenschutz ausbauen. "Ebenso wichtig ist es aber auch, unsere zyklischen Bereiche weiter zu stärken. Da geht es um Kostenführerschaft, um die beste Technologie", sagt Hambrecht. "Wenn das gelingt, kann man auch in diesen Segmenten gutes Geld verdienen." Zu den Sparten mit stark schwankenden Margen gehört etwa das Kunststoffgeschäft.

Angesichts der schwachen Konjunktur fährt BASF nach Angaben Hambrechts weiter auf Sicht: "Das bedeutet, dass wir uns nicht zusätzlich etwas aufladen. Wir wollen vielmehr das, was wir haben, optimal gestalten." Er warnte vor zu viel Optimismus in der Chemieindustrie insgesamt: "2003 wird erneut kein tolles Jahr für unsere Branche." Die Entwicklung des Ölpreises als wichtiger Einflussfaktor sei nicht zu prognostizieren.

BASF hat in den vergangenen Jahren stark in den Ausbau von Anlagen etwa in der Basis-Chemie investiert und ist auch durch große Übernahmen gewachsen. Trotz des künftigen Fokus auf das interne Wachstum und die Renditesteigerung sei BASF durchaus auch an Übernahmen interessiert, sagt Hambrecht. Allerdings schweben ihm keine Großzukäufe vor, sondern punktuelle Verstärkungen. Eine große Verpflichtung sieht der 56-Jährige in einer Tradition der BASF: Die besage, dass "jeder Vorstandsvorsitzende an seinen Nachfolger ein besseres Unternehmen weitergibt".

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