Kugel verletzt französischen Kameramann
Blutige Gefechte in Dschenin

Bei den schwersten Gefechten seit dem israelischen Einmarsch in die autonomen Palästinenserstädte sind in der besetzten Stadt Dschenin nach palästinensischen Angaben hunderte Menschen getötet und verletzt worden.

dpa JERUSALEM/RAMALLAH. Stunden zuvor hatten sich die Israelis unter massivem Druck der US-Regierung aus den vor einer Woche besetzten Städten Tulkarem und Kalkilia zurückgezogen. Zugleich marschierten die Truppen aber in den Ort Dura südlich von Bethlehem ein, am Nachmittag rückten Panzer auch in den Ort Beit Chanun im Gazastreifen ein.

In Dschenin lieferten sich israelische Soldaten und bewaffnete Palästinenser blutige Gefechte. Auch unter der Bevölkerung des umkämpften Flüchtlingslagers der Stadt gab es Berichten zufolge zahlreiche Opfer. Bei den verbissenen Kämpfen wurden nach Angaben des arabischen Nachrichtensender El Dschasira 13 Israelis getötet. Die Armee verhängte über die Ereignisse eine strikte Informationssperre. In Dura sollen drei Palästinenser getötet worden sein. In Tulkarem erlag am Dienstag ein Palästinenser seinen schweren Verletzungen.

Israelische Truppen stehen außer in Dschenin weiterhin auch in den Städten Ramallah, Nablus, Bethlehem und Hebron. Der Sprecher des Weißen Hauses, Ari Fleischer, nannte den Truppenabzug aus Tulkarem und Kalkilia lediglich "einen Anfang".

Gouverneur bezeichnet Rückzug als "Schwindel"

Israels Verteidigungsminister Benjamin Ben-Elieser sagte, die Armee habe in beiden Städten der "terroristischen Infrastruktur" einen kräftigen Schlag versetzen können. Der Gouverneur von Tulkarem, Issedin Scharif, bezeichnete den Rückzug der Armee aus der Stadt als "Schwindel", da die israelischen Panzer in den Außenbezirken neue Positionen bezogen hätten.

Wenige Tage vor dem Besuch von US-Außenminister Colin Powell in Israel traf sich US-Vermittler Anthony Zinni in der Nacht mit Israels Verteidigungsminister Ben-Elieser. Zinni setzte dabei offenbar durch, dass Palästinenserpräsident Jassir Arafat noch am gleichen Tag mit seinen wichtigsten Minister zusammentreffen könne, um über ein von den USA vermitteltes Waffenruhe-Abkommen zu beraten. Für Mittwoch war ein Gespräch Zinnis mit Israels Ministerpräsident Ariel Scharon angesetzt. Arafat war seit der Besetzung Ramallahs am 29. März praktisch wie ein Gefangener Israels behandelt und fast vollständig isoliert worden.

Blutige Haus-zu-Haus Gefechte

In Flüchtlingslager Dschenins im Norden des Westjordanlandes gingen am Dienstag die blutigen Haus-zu-Haus Gefechte zwischen israelischen Soldaten und palästinensischen Extremisten weiter. Sie konzentrierten sich dabei nach Angaben des israelischen Rundfunks auf ein Gebiet von etwa 5 000 Quadratmetern. Israelische Kreise berichteten von ungewöhnlich hartem Vorgehen der Truppen, die etwa hundert Wohnhäuser von Lagebewohnern zerstört hätten. Hunderte von Toten und Verletzten lägen in den Straßen.

Ein General in Dschenin sagte israelischen Journalisten, die Palästinenser hätten sich offensichtlich entschieden, bis zum Ende zu kämpfen und "die Schlacht so blutig wie möglich zu machen". Mehrere Extremisten hätten sich bei Attentaten auf Soldaten mit Sprengstoffgürteln in die Luft gesprengt. Nach israelischen Medienberichten haben Palästinenser mehrere Bomben in dem Flüchtlingslager platziert, in dem 15 000 Menschen wohnen. Die Armee griff das Lager mit Hubschraubern an.

Die israelische Zeitung "Haaretz" zitierte einen israelischen Offizier, der den Truppen vorwarf, "Häuser mit Bulldozern platt zu machen und schreckliche Zerstörung anzurichten". Außenminister Schimon Peres äußerte sich besorgt darüber, dass palästinensische Propaganda das Vorgehen der Soldaten in Dschenin als "Massaker" darstellen könnte.

Kugel verletzt französischen Kameramann

In Nablus wurde ein französischer Kameramann durch eine Kugel in die Schulter schwer verletzt. Israelische Truppen hatten in der Nacht zum Dienstag die Altstadt unter ihre Kontrolle bringen können. Dort kamen bei Gefechten in den vergangenen Tagen nach palästinensischen Angaben mindestens 50 Palästinenser ums Leben. Nach israelischen Angaben ergaben sich Hunderte Männer den Besatzungstruppen.

Der Führer der schiitischen Hisbollah-Rebellen, Scheich Mohammed Hussein Fadlala, drohte, falls Israel den Libanon angreife, werde die Hisbollah Katjuscha-Raketen abschießen, die auch die nordisraelische Hafenstadt Haifa erreichen könnten. Deutschland und mehrere westeuropäische Staaten haben unterdessen nach Meldungen israelischer Medien ihre Rüstungs-Lieferungen an Israel zum Teil eingefroren.

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