Kugelschreiber, Kondome und rote Äpfel
Teure Geschenke mit wenig Wirkung

Ohne Merchandising geht es nicht, da sind sich alle Wahlkämpfer einig. Die "Give aways" dienen als Türöffner für Gespräche, auf den Wählerwillen haben sie aber nur wenig Einfluss.

HB DÜSSELDORF. Beim Wähler beliebt, für Parteien lediglich Mittel zum Zweck: Kugelschreiber, Schlüsselbänder und Einkaufschips sind aus dem Wahlkampf nicht mehr wegzudenken. Kaum ist der Wähler an einem Info-Stand stehen geblieben, wird er mit kleinen Geschenken überschüttet. Das sorgt für gute Laune und erleichtert Gespräche über Politik und Parteiprogramm.

Ohne politisches Merchandising wäre die Werbemittel-Industrie aufgeschmissen. Alle vier Jahre sorgt der Geschenke-Segen für wachsende Umsätze, ist sich die Branche einig. Doch was die Parteien dafür zahlen, sollen die Wähler nicht wissen.

Keine offenen Karten

"Wir möchten nicht, dass unsere politischen Gegner erfahren, wie viel wir für die Werbung ausgeben", sagt CSU-Sprecherin Karola Kraus. Auch die Hamburger Agentur "Image Ident Marketing", die Artikel für die SPD verkauft, will keine Zahlen zum Geschäft mit den Streuartikeln nennen. Kritik an der bedeckten Haltung der Parteien in Sachen Merchandising kommt vom Zentralverbandes der deutschen Werbewirtschaft (ZAW): "Es gibt keine Transparenz darüber, wie viel Geld welche Partei für welche Form der Wahlwerbung einsetzt", so Sprecher Volker Nickel.

Für die Hersteller der parteiischen Mini-Artikel geht die Hauptsaison gerade zu Ende. "Als Sympathie-Träger sind die Streuartikel wichtig", so Nickel. Massenweise verteilen Wahlkämpfer die "Give aways": 600 000 Kugelschreiber hat allein die CDU in diesem Wahlkampf verschenkt, 50 000 rote Äpfel mit Partei-Logo die SPD.

Lediglich zwei kleine Parteien legen bei den Kosten die Karten auf den Tisch: Rund 175 000 Euro haben die Grünen für die "Give aways" ausgegeben. "Grün wirkt" lautet der Wahlkampf-Slogan, auf Wasserbällen, Schweißbändern oder Windrädern. Die PDS hat 200 000 Euro in die Mini-Artikel gesteckt - die Palette reicht von Kondomen ("Proletarier aller Länder, vereinigt Euch") über Klebe-Tattoos bis hin zu Pflaster-Sets, Motto: "Das rote Kreuz hilft".

In blau-gelb kommt die FDP daher. Schuhputzschwämme, Badeschlappen oder Lippenpflegestifte gibt es in den Farben der Partei. Geht es um die Finanzen für das Merchandising, halten es die Liberalen wie die großen Volksparteien: Kein Kommentar zum Umsatz, der mit den 200 verschiedenen Mini-Produkten bei den FDP-Ortsgruppen erzielt wird.

Viele verdienen fast ausschließlich mit Werbe-Artikeln für Parteien

Fest steht aber: Viele der Unternehmen, die die Kleinwerbemittel herstellen, vertreiben und gestalten, verdienen ihr Geld fast ausschließlich mit Werbe-Artikeln für die Parteien. Die Agentur Image bezieht 99 % aller Aufträge von der SPD. Ähnlich läuft das Geschäft mit Wahl-Werbemitteln bei CSU und PDS. Für die Bayern arbeitet die Bavaria GmbH, an der die CSU 100 % der Anteile hält. Die PDS überlässt das Merchandising der Marketing-Agentur Trialon. Bei der CDU übernimmt Medienkonzern Bertelsmann den Vertrieb der kleinen Wahlkampfhelfer. Die FDP hat das Geschäft drei unabhängigen Unternehmen übertragen. Ganz anders die Grünen, die das Verteilen der Werbemittel Partei intern regeln.

Die Mini-Geschenke vor der Wahl sind notwendig. Darin sind sich alle Wahlkämpfer einig. Aber den Wählerwillen beeinflussen Kondome, Badeschlappen und Luftballons wohl nicht. Sie hätten mehr Erinnerungs- als Erklärungswert, meinen die Parteien. "Auf einen Kuli passt schließlich kein Wahlprogramm", so Nickel.

Quelle: Handelsblatt

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