Kujat: "Nicht voll einsatzfähig"
Bundeswehr schützt gefährdete Botschaften im Ausland

Wegen des bevorstehenden Vergeltungsschlages gegen die Verantwortlichen für die Terroranschläge von New York und Washington haben Spezialkräfte der Bundeswehr den Schutz besonders gefährdeter deutscher Botschaften im Ausland übernommen.

ap BERLIN. Das teilte Verteidigungsminister Rudolf Scharping in einem Interview der Zeitung "Bild am Sonntag" mit. Normalerweise werden deutsche Auslandsvertretungen von Beamten des Bundesgrenzschutzes gesichert. Als Beispiel nannte der Minister die deutsche Botschaft in Pakistan. Dort gibt es in weiten Teilen der Bevölkerung Sympathien für die afghanischen Taliban-Milizen und den von ihnen geschützten mutmaßlichen Chef-Terroristen Osama Bin Laden.

Nach Angaben der stellvertretenden Sprecherin des Auswärtigen Amtes, Sabine Sparwasser, gehört zu den Aufgaben des in Zivil arbeitenden "Krisenunterstützungsteams" der Bundeswehr auch der Schutz der in Pakistan lebenden deutschen Staatsbürger. So würden neben der Eigensicherung der Botschaft auch Möglichkeiten zur Evakuierung erkundet und entsprechende Pläne erarbeitet. Scharping widersprach Berichten, nach denen deutsche Soldaten bereits auf dem Weg zu möglichen Einsätzen gegen den Terror sein sollen. "Es steht auch kein unmittelbarer Abmarsch bevor", zitierte "Bild am Sonntag" den Minister. Die Prüfung der deutschen Möglichkeiten für militärischen Beistand sei abgeschlossen. Alle Handlungsoptionen seien geklärt.

Nach Angaben ihres Generalinspekteurs Harald Kujat ist die Bundeswehr derzeit nicht voll einsatzfähig. "In der jetzigen Struktur wären wir nicht in der Lage, unsere internationalen Verpflichtungen zu erfüllen", sagte Kujat am Samstag vor dem Wehrpolitischen Arbeitskreis der CSU in München. Durch die laufenden Einsätze auf dem Balkan und anderswo seien ständig rund 30 000 Soldaten gebunden. Das Potenzial der hierfür einsatzfähigen Kräfte betrage "nur ein Bruchteil dessen, was notwendig wäre". "Dieser Zustand ist nicht hinnehmbar", sagte Kujat. "Aufgaben, Fähigkeiten und Mittel müssen in Einklang gebracht werden." Notwendig seien mehr mobile Truppen, bessere Kommunikationsmittel und die Fähigkeit zur strategischen Aufklärung.

Elite-Einheit auf Kriegsverbrecherjagd auf dem Balkan

Nach Informationen des Hamburger Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" ist das Bundeswehr -"Kommando Spezialkräfte" (KSK), das für Einsätze zur Unterstützung von Anti-Terror-Aktionen der USA im Gespräch ist, bereits vier Mal auf dem Balkan aktiv gewesen, davon drei Mal in Bosnien und ein Mal in Kosovo. Dabei ging es laut "Spiegel" jeweils um geheime Kommandounternehmen zur Festnahme von gesuchten Kriegsverbrechern. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums wollte den Bericht weder bestätigen noch dementieren. Bei einem dieser Einsätze handelte es sich laut "Spiegel" um den gescheiterten Versuch, in der serbischen Stadt Foca am 12. Oktober 2000 den wegen Vergewaltigung angeklagten Janko Janjic festzunehmen. Der frühere Anführer einer paramilitärischen Einheit habe sich bei der Aktion in Foca mit einer Handgranate selbst in die Luft gesprengt. Drei KSK-Soldaten seien dabei schwer verletzt worden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%