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Kultusminister halten an Schreib-Reform fest

dpa HAMBURG. Im Streit um die Rechtschreibreform haben sich die Fronten am Dienstag weiter verhärtet. Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Doris Ahnen, lehnte eine Verlängerung der am 31. Juli 2005 auslaufenden Übergangsfrist für die neue Orthografie ab.

dpa HAMBURG. Im Streit um die Rechtschreibreform haben sich die Fronten am Dienstag weiter verhärtet. Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Doris Ahnen, lehnte eine Verlängerung der am 31. Juli 2005 auslaufenden Übergangsfrist für die neue Orthografie ab.

Ungeachtet aller Einwände setzte der Verlag Axel Springer seine Vorbereitungen für die Rückkehr zur alten Rechtschreibung fort. Dagegen will Österreich an der Reform festhalten. Die deutschen Medienhäuser ARD, ZDF und Verlagsgruppe Handelsblatt wollen das auch.

Die Präsidentin des Goethe-Instituts, Jutta Limbach, verteidigte die neuen Regeln und kritisierte das Verhalten der Verlage als "Widerstand nach Ladenschluss". In den Rat für deutsche Rechtschreibung, der im Herbst seine Arbeit aufnehmen und Schreibweisen eventuell verändern soll, will die KMK auch Reformkritiker aufnehmen.

"Wir haben Anfang Juni einen einstimmigen Beschluss (der KMK) gefasst und gesagt, die Übergangszeit, die für die Fehlerkorrektur in der Schule gilt, soll wie vorgesehen nächstes Jahr im Sommer enden", sagte Ahnen (SPD) am Dienstag der dpa in Mainz. Der Passus im KMK-Beschluss von 1995, wonach die Übergangszeit verlängert werden könnte, wenn sich herausstelle, dass sie "zu großzügig oder zu eng bemessen ist", sei längst überholt.

Ein abgestimmtes Konzept über die Aufgaben, die Zusammensetzung und die Befugnisse des Rates für deutsche Rechtschreibung soll laut KMK im September vorliegen. Sprachentwicklung habe es immer gegeben und werde es in immer geben, sagte Ahnen. Die Rechtschreibreform habe angesichts der vielen Ausnahmen und Neuerungen die Regeln reduziert - und zwar um die Hälfte. In den Schulen habe sich daraufhin herausgestellt: "Die Sprache ist leichter erlernbar geworden." Zudem dürfe Deutschland keinen Sonderweg einschlagen, mahnte Ahnen.

Für Österreich erklärte Bundeskanzler Wolfgang Schüssel in Wien, sein Land werde nicht zu den alten Regeln zurückkehren.

Springer-Unternehmenssprecherin Edda Fels sagte der dpa, bei der Umstellung gehe es nicht um Zwischenlösungen: "Wir kehren zu dem zurück, was bis 1998 für alle verbindlich war." Derzeit würden die letzten Details der technisch-organisatorischen Umstellung geprüft, die spätestens in vier Wochen möglich sein werde.

Anders als Springer und der Spiegel-Verlag will die "Süddeutsche Zeitung" frühestens im Oktober entscheiden, in welchem Umfang sie die neue Rechtschreibung ändert. Zuvor solle mit Kultusministern, Schulbuchverlagen, Nachrichtenagenturen und anderen Verlagshäusern "über Sinn und Unsinn der neuen Regeln" gesprochen haben.

Die Intendanten der öffentlich-rechtlichen ARD-Sender stellten in einer Schaltkonferenz fest, es gebe für sie derzeit keine Veranlassung, von der reformierten Rechtschreibung abzuweichen. Der ARD-Vorsitzende Jobst Plog sagte: "Übereilte Schritte scheinen uns nicht geeignet, die nach dem Vorstoß zweier Verlagshäuser eingetretene Konfusion zu verringern." Auch das ZDF teilte den Beschluss seiner Geschäftsleitung, an der Reform festzuhalten, mit.

Bei Springer werden voraussichtlich nicht alle Zeitungen und Zeitschriften die Umstellung zum selben Zeitpunkt vollziehen, wie Sprecherin Fels ankündigte. Springer und "Spiegel" betonten, man werde sich sinnvollen Weiterentwicklungen der Sprache nicht verschließen, wenn diese allgemein akzeptiert und etwa vom Duden berücksichtigt würden.

Im Oktober wollen sich die Ministerpräsidenten und die deutschen Kultusminister und mit der Rechtschreibreform befassen.

Laut der Chefin des Goethe-Instituts Limbach ist im Ausland eine erhebliche Verunsicherung durch den Vorstoß der Verlage entfacht worden. "Jetzt wird gefragt: Was soll nun gelten?", sagte Limbach dem Online-Angebot tagesschau.de. "Aus der Sicht der Deutschschüler des Goethe-Instituts gibt es seit Einführung des neuen Regelwerkes keine Anhaltspunkte, die besondere Schwierigkeiten im Gebrauch belegen." Korrekturen der Reform seien notwendig, meinen die Mitgliederversammlung und das Präsidium des Goethe-Instituts.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, erwartet keine gravierenden Probleme bei einer möglichen Rückkehr zu den klassischen Rechtschreibregeln. Kraus sagte der "Bild"-Zeitung, ein Stopp der Rechtschreibreform sei durchaus Lehrern und Schülern zumutbar.

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