Kunde bevorzugt individuelle Angebote
Reiseveranstalter wollen ihr Image aufpolieren

Denn die Ansprüche der zunehmend reiseerfahrenen Urlauber haben sich gewandelt, wie Tourismusforscher sagen. Auf streng vorgegebene Anreisetage und Übernachtung in Bettenburgen möchten sich viele nicht mehr einlassen.

dpa WIESBADEN. Sparsame oder Individualisten fahren lieber auf eigene Faust im Auto in die Sonne, statt Flug und Hotel im Reisebüro fest zu buchen. Der Boom der Billigflieger dürfte den Trend zur kurzentschlossenen Reise beschleunigen

Den verstaubten Begriff von der Pauschalreise wollen die Verkäufer des organisierten Urlaubs möglichst schnell vergessen machen. Denn zwar kommt rund die Hälfte aller Reisen mit Hilfe eines Veranstalters zu Stande. Doch dieser Anteil stagniert gegenüber Individualreisen.

Lieber von einer flexiblen "Veranstalterreise" spricht daher Tui - Deutschland-Chef Volker Böttcher. Eine starre Massenabfertigung gebe es schon längst nicht mehr. Peter Fankhauser, Vorstand des Konkurrenten Thomas Cook ("Neckermann"), sagt: "Der Kunde will eine Pauschalreise, aber sie soll um Gottes Willen nicht so heißen." Reisebestandteile sollten individuell zusammengestellt werden können. "Ich trage ja auch keinen pauschalen Anzug. Sondern einen vorfabrizierten Anzug und dazu einen Schlips als persönliche Note."

"Bausteine" lautet eines der Zauberwörter, mit denen spezielle Kundenwünsche besser bedient werden sollen. Urlauber buchen einen Flug und unabhängig davon das Hotel, Ausflüge oder Mietwagen und bauen sich eine Veranstalterreise zusammen - mehr Möglichkeiten zur Kombination, die für den drittgrößten deutschen Touristikverbund Rewe allerdings schon jetzt nichts Neues sind. Dessen Veranstalter Dertour ist als Bausteinspezialist etabliert, wenn auch nicht in Massenzielen am Mittelmeer, sondern in Nischen wie Skandinavien oder Irland. Mehr Individualität und Spontaneität seien seit Jahren als allgemeiner Konsumentenwunsch stärker geworden, sagt Tourimusforscher Horst W. Opaschowski.

Für die Veranstalter bedeutet dies aber einen erheblichen Aufwand, der die Kunden auch mehr kosten dürfte. Denn bei standardisierten Produkten ist die Auslastung von Ferienfliegern und Hotels leichter zu planen, Reisebüros kommen mit weniger Beratung aus. Nötig wären daher komplizierte neue Buchungssysteme. Für mehr Klarheit steht außerdem eine genauere Abgrenzung der Veranstaltermarken an - hier stärker standardisierte Reisen für Sparsame, dort teurere Produkte mit vielen flexiblen Möglichkeiten. Die Mitte dazwischen werde schmaler, erwartet Fankhauser.

Um zusätzliche Kunden zu gewinnen, spielt Tui-Chef Böttcher auch einen Einstieg in neue Geschäftsfelder individuelleren Reisens durch. Kleine Hotels oder Pensionen, die in keinem Katalog stehen, könnten per Internet vermittelt werden. Auch auf die Nachfrage nach Städte- Trips, die oft an den großen Veranstaltern vorbeigehen, hat es TUI noch stärker abgesehen. "Mit dem Auto nach Italien oder Frankreich zu fahren, ist beschwerlich." Hierfür könnten Veranstalter Flugplätze bei Billigfliegern einkaufen.

Der Boom der aufstrebenden Preisdrücker berge aber auch Gefahren für die Touristik, warnt der Präsident des Deutschen Reisebüro- und Reiseveranstalter-Verbands, Klaus Laepple. Wenn Fliegen fast nichts mehr koste, bekämen Kunden normaler Pauschalreisen womöglich das Gefühl, über den Tisch gezogen zu werden.

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