Kunde entscheidet über das Risiko
Vermögensmanager sind kein Garant für Gewinn

Immer mehr wohlhabende Anleger nehmen die Dienste von Vermögensmanagern in Anspruch. Aber die Blankovollmacht für den Profi ist kein Garant gegen hohe Kapitalverluste. Gemanagte Depots mit hohem Aktienanteil verloren in den vergangenen zwölf Monaten nach Erhebung des Finanzdienstes firstfive im Durchschnitt 26,5 % an Wert - mehr als der Deutsche Aktien-Index Dax

Reuters FRANKFURT. "Wenn der Verwalter nur so gut ist wie der Markt, dann kann ich mir genauso gut Index-Aktien kaufen", kritisiert der Bad Homburger Sachverständige Dietmar Vogelsang. Wer sich für ein Komplettangebot entscheidet, sollte vor allem Risiko- und Depotstruktur zu Beginn genau vereinbaren.

Rund 365 000 ?-Millionäre leben nach Schätzung von Merrill Lynch in Deutschland. Die Hauptklientel der Vermögensverwalter. Doch auch Vermögen um 100 000 ? rücken laut Pricewaterhouse Cooper ins Blickfeld der Private Banking Experten. Viele Erben, Existenzgründer und Börsenreiche sehen sich mit komplexen Steuer-, Vorsorge- und Renditezielen überfordert und entscheiden sich für das gemanagte Portfolio. "Es werden eher mehr Vermögensverwalter in Anspruch genommen", bestätigt Vogelsang Aussagen von Privatbankern. Aber auch beim gemanagten Depot trifft der Anleger die wichtigste Entscheidung selbst - die über das Risiko. Auf dem Höhepunkt des Börsenbooms konnte die Strategie nicht riskant genug sein. Verwaltete Depots schmolzen dank solcher Vorgaben bei glücklosen Managern nach der firstfive-Erhebung um bis zu 50 %.

Die Kunden sollten ihren Beratern auf die Finger schauen, raten Experten. Gebühren, Informationen und die Risikoklasse sind für Gutachter Vogelsang die Fußangeln, auf die Kunden bei der Erteilung eines Mandats achten sollten. Die Risikoklasse sollte möglichst individuell ausgehandelt werden. Wenn der Berater die vereinbarte Risikoklasse übertrete, könne sich der Kunde wehren, bestätigt Thomas Bieler, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Die Risikoeinstufung bezieht sich auf die mittel- und langfristigen Anlageziele und variiert zwischen einem ausgeprägten Sicherheitsbewusstsein und der Bereitschaft, zu Gunsten höherer Gewinne auch höhere Verlustrisiken zu tragen.

Beratungsfehler müssen nachgewiesen werden

Sollte es trotz aller Vorsicht dennoch zum Streitfall kommen, macht NRW-Verbraucherschützer Bieler wenig Hoffnung auf Schadenersatz: Beratungsfehler muss der Kunde nachweisen. Bieler empfiehlt deshalb, sich optimal auf einen derartigen Vertrag vorzubereiten. Dazu gehören für ihn Gesprächsprotokolle, Zeugen bei der Mandatsvergabe und Kopien von den Erfassungsbögen der Banken. Banken sind heute gesetzlich verpflichtet, ihre Kunden auf Gefahren in der Geldanlage aufmerksam zu machen und ihre Risikobereitschaft festzuhalten. Wer sich also auf der Höhe der Aktienwelle besonders clever wähnte und das höchste Risiko ankreuzte, hat demnach bei Verlust schlechte Karten: Hat der Vermögensmanager getreu der Vorgabe in heiße Aktien investiert, kann der Kunde nicht nachträglich die Verluste einklagen.

Wichtig sei die Festlegung der Depotstruktur, erklärt Vogelsang: Ein Rentenanteil von 45 % allein sei noch keine Sicherheitsgarantie. Hinter fest verzinslichen Wertpapieren könnten sich hochspekulative Wandelanleihen verstecken. Auch sollte sich der Kunde gut überlegen, ob das Mandat die Aufnahme von Krediten für riskante Derivatgeschäfte einschließen soll. Auch die Kontrolle der Depotauszüge samt Gebühren kann sich lohnen.

Ständige Informationen über Risiken und Verluste sind wichtig

Anleger sollten darauf dringen, ständig über neue Risiken und Verluste von Einzelwerten wie im Gesamtdepot informiert zu werden. "Information heißt, dass der Vermögensverwalter Rechenschaft ablegen muss, warum er trotz Verluste in einem Wert bleibt", sagt Vogelsang. Bei detaillierten Informationen über die Transaktionen lasse sich ein einzelner Misserfolg nicht in der Gesamtperformance verstecken.

Verbraucherschützer Bieler hält die Vermögensverwaltung bei der richtigen Risikoeinstufung jedoch insgesamt für sinnvoll. Die Analysten von firstfive, die im Kundenauftrag 200 Wertpapierdepots beobachten, bestätigen: Die guten professionell verwalteten Depots stehen in der Regel besser da als Privat-Depots. Die fünf besten Verwalter verloren firstfive zu Folge innerhalb eines Jahres in der Risikoklasse "Dynamisch" (80 % Aktien) 2,96 % bis 12,79 %. Besser sah es in Depots mit maximal 60 % Aktien aus: Hier schaffte eine Bank ein leichtes Plus von 2,06 %.

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