Kunden fehlen Standards zur Qualitäts-Beurteilung
Gütesiegel für Herrn Kaiser

Welchem Berater kann der Kunde trauen? Angesichts einer verwirrenden Vielfalt von Anlagemodellen sowie der möglichen Verlustrisiken bei Fehlinvestitionen suchen Privatkunden in erster Linie eine kompetente, neutrale und objektive Vermögensberatung.

DÜSSELDORF. Die Internationale Organisation für Normung (ISO) und mit ihr das Berliner Institut für Normung (DIN) wollen zur Beantwortung dieser schwierigen Frage eigene Überprüfungs-Maßstäbe bilden. Als vertrauensbildende und Qualität sichernde Maßnahme soll in den nächsten drei Jahren eine weltweit gültige ISO-Norm für die Vermögensberatung etabliert werden. In der um Integrität und Vertrauen ringenden Finanzdienstleistungsbranche sorgt das Vorhaben kaum für Aufsehen. Verbraucherschützern geht die geplante Maßnahme indes nicht weit genug.

Volker Pietsch von der Verbraucherzentrale Berlin bringt die Erfahrungen zahlreicher Kunden auf den Punkt: "Die Ausbildungsstand der Vermögensberater ist bei weitem noch nicht da, wo er sein sollte. Es gibt noch viel zu viele Klinkenputzer da draußen, die nicht wenigstens eine dreijährige Ausbildung durchlaufen haben. Und der Bürger hat zu wenig Wissen. Als einfacher Verbraucher kann er nicht feststellen, ob er eine qualifizierte Beratung bekommen hat."



Verbraucherschützer fordern gesetzliche Regelung



Diesem Problem widmet die ISO/TC 222 ihre Arbeit. Hinter dem Kürzel steckt das "Technische Komitee Financial Services" der Internationalen Organisation für Normung, das von der US-amerikanischen Vereinigung der "Certified Financial Planners" initiiert wurde.



Das Komitee wurde im Februar 2001 gegründet, derzeit sind vier Arbeitsgruppen der an dem ehrgeizigen Vorhaben beteiligten Länder dabei, Anforderungen an eine Grundqualifikation von Finanzplanern und Vermögensberatern zu formulieren. Mitwirkende sind neben Deutschland bis jetzt Australien, Frankreich, Großbritannien, Hongkong, Japan, Malaysia, Süd-Korea, USA und Schweden. An der deutschen Arbeitsgruppe, die sich dem Thema Qualifikation widmet, sind außer dem DIN-Institut Vertreter des Verbands der Financial Planners, der Banken, Versicherungen, öffentlichen Stellen, der Forschung und des Verbraucherschutzes beteiligt, allerdings keine der bekannten Finanzdienstleitungsfirmen, wie AWD, MLP, OVB oder DVAG.



Bis zur abschließenden Verständigung auf gemeinsame Normen und deren Einführung werden noch etliche Jahre vergehen. Und selbst dann wird eine ISO-Norm die Beratungen der Finanzplaner und Ausbildungen der Vermögensberater wohl nicht auf einen Schlag einheitlich überprüfbar und für den Kunden optimal werden lassen. Denn die Norm ist als freiwilliges Gütesiegel konzipiert, mit dem sich werben lässt, und nicht als verbindliche oder gar gesetzliche Richtlinie.



Provision statt Beratung im Vordergrund



Doch genau daran hapert es nach Ansicht von Verbraucherschützern wie Volker Pietsch von der Berliner Verbraucherzentrale: "Eine Qualitätsnorm alleine reicht nicht aus. Sie muss auf gesetzliche Rahmenbedingungen treffen, das Berufsbild muss gesetzlich geregelt werden. Sonst kann sich auch in Zukunft jeder Eisenflechter einen Anzug kaufen, ein paar Schulungen mitmachen und wird anschließend als Finanzberater auf die Menschheit losgelassen."



Pietsch glaubt, dass eine in der Finanzdienstleistungsbranche praktizierte Entlohnung, die sich überwiegend auf Provisionseinkünfte stützt, eine verbraucherorientierte Vermögensberatung geradezu ausschließt: "Wie die Papageien plappern viele Berater in erster Linie Schulungsinhalte nach und verkaufen vor allem die provisionsbezogenen Standardprodukte ihrer Arbeitgeber, ohne dem Kunden tatsächlich eine individuelle Beratung zu bieten. Dabei werden natürlich bevorzugt die Produkte angepriesen, die dem Berater die höchste Provision bringen. Denn der handelt ja nach dem Motto: Je höher die Provision, desto weniger muss ich drücken."



Schreiben Sie dem Autor: f.heide@vhb.de

Frank G. Heide
Frank G. Heide
Handelsblatt / Redakteur Auto + Motor
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