Kunden müssen sich auf härtere Vertragsklauseln und mehr Selbstbeteiligung einstellen: Industrieversicherer streichen Leistungen

Kunden müssen sich auf härtere Vertragsklauseln und mehr Selbstbeteiligung einstellen
Industrieversicherer streichen Leistungen

Die Schadenquoten in der Industrieversicherung bleiben hoch, die Kapitalmärkte belasten zusätzlich. Deshalb drängen die Versicherer auf weitere Zugeständnisse ihrer Kunden. In der nächsten Vertragsverlängerungsrunde soll es aber weniger um Preise, sondern mehr um Vertragsbedingungen gehen: zum Beispiel Selbstbehalte.

DÜSSELDORF. Industrie- und Gewerbekunden der Assekuranz müssen sich darauf einstellen, dass auch in der kommenden Vertragsverlängerungsrunde die Preise für Versicherungsschutz steigen und die Bedingungen in den Policen restriktiver werden. "Wenn die Sanierung dieses Jahr endet, dann greift sie viel zu kurz", sagt Arno Junke, Vorstand des Rückversicherers General Cologne Re.

So ist die Schaden-Kosten-Quote in der Industriellen Sachversicherung in Deutschland im vergangenen Jahr nach Zahlen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft von 120 auf 124 Prozent gestiegen. Für jeden Euro Prämie mussten die Industrieversicherer demnach 1,24 Euro für Schäden und Kosten aufwenden. Selbst wenn man die Flutbelastungen herausrechnet, liegt die Schaden- Kosten-Quote noch über 100 Prozent.

Vorstände von Industrieversicherern betonen aber, dass in der kommenden Verhandlungsrunde weniger die Preise im Vordergrund stehen, vielmehr gehe es jetzt primär um die Entrümpelung der Bedingungswerke. "Eine reine Preiserhöhung ist nicht die intelligenteste Art, einen Vertrag zu sanieren, besser ist es zum Beispiel, einen an den cash flow des Kunden angepassten Selbstbehalt zu vereinbaren", sagt Werner Görg, Vorstandschef der Gothaer.

Auch Axel Theis, Vorstand der Allianz Global Risks und verantwortlich für das deutsche Industrieversicherungsgeschäft glaubt: "Wir sind noch nicht am Ende damit, die Vertragswerke zu durchforsten und angemessene Selbstbehalte zu vereinbaren." Seiner Einschätzung nach muss der Marktführer im Industriegeschäft noch rund ein Drittel seines Vertragsportfolios dahingehend überarbeiten.

In der Vergangenheit hatten die Industrieversicherer lange versucht, mit Preisnachlässen Kunden und Marktanteile zu gewinnen . Ob die Prämien ausreichten, Schäden und Kosten zu bezahlen, erschien beinahe nebensächlich; die Prämien wurden an der Börse angelegt, und die Kapitalanlagen warfen genug ab, so dass nach den Schadenzahlungen noch ein ordentlicher Gewinn übrig blieb.

Doch diese Zeiten sind vorbei - die Kapitalmärkte befinden sich seit drei Jahren im Rückwärtsgang. Und die Assekuranz hat die so genannte Versicherungstechnik wieder entdeckt - sprich, auch ohne Geld von der Börse soll das reine Versicherungsgeschäft profitabel arbeiten. Axel Theis und die AGR stehen dabei unter enormen Druck: Sollte die Industriesparte nicht in diesem Jahr eine Schaden-Kosten-Quote unter 100 Prozent schaffen, so steht die gesamte Sparte zur Disposition.

Der Münchener Marktführer hat in seinen Risiko-Zeichnungsrichtlinien daher zum Beispiel festgelegt, dass pro Vertrag ein Selbstbehalt vereinbart werden muss. Die Höhe hängt laut Theis vom Risiko der Vertrages, sprich der Schadenwahrscheinlichkeit ab. Auch Gothaer-Chef Görg erklärt: "Ohne einen angemessen Selbstbehalt, durch den das Risiko gemeinschaftlich vom Kunden und Versicherer getragen wird, sind in Zukunft bestimmte Risiken nicht mehr versicherbar."

Der Hintergrund: Müssen Kunden einen Teil der Schäden selbst bezahlen, lohnt es sich für sie mehr, in Schadenverhütung zu investieren. Nach Ansicht von Allianz-Vorstand Detlev Bremkamp hatten sich Industrie-Policen wegen zu geringer Selbstbehalte "zu regelrechten Wartungsverträgen" entwickelt.

Bei der Entrümpelung der Versicherungsverträge kommt es für die Branche ferner darauf an, Gratis-Versicherungsbausteine zu entfernen. So wurde zum Teil ohne Preisaufschlag vereinbart, bei der Zerstörung von Maschinen diese zum Neuwert zu ersetzen. "Niemand wusste so recht, was der echte Preis für solche Risiken war", kritisiert Arno Junke von der General Cologne Re. Daher will auch Allianz - Mann Theis jeden Baustein seiner Verträge durchforsten und die Preise pro Deckungselement einzeln ermitteln wie etwa für Naturgefahren, Nebenkosten, All-Risk-Policen, Betriebsunterbrechung, Einbruch und Diebstahl, Leitungswasser sowie extended coverage "Wir müssen mehr über unsere Risiken wissen, um sie vernünftig preisen zu können", sagt Theis.

Quelle: Handelsblatt

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