Kunden nehmen das Angebot nicht an
WAP ist auch in der Schweiz ein Misserfolg

Der Internet-Zugang via Mobiltelefon (WAP) entwickelt sich zu einem Flop. Eine wenig informative Werbung, ein langsames System und die komplizierte Bedienung scheinen der Grund dafür zu sein.

dpa-afx BERN. "Bei der praktischen Anwendung hat der Benützer seine liebe Mühe mit dem WAP (Wireless Application Protocol)", räumt DM Burki, Direktor der Swissquote Holding ein. Sein Unternehmen, das Börsentransaktionen via WAP anbietet, habe zahlreiche Kritiken seitens seiner Kunden entgegen nehmen müssen, fügt er hinzu.

"Es ist langsam, kompliziert und mangelt an Kreativität, um wirklich überzeugen zu können", fasst er die Klagen zusammen. Das Resultat sei, dass die Kunden wieder dazu übergangangen seien, für Börsentransaktionen wieder zum klassischen Telefonhörer zu greifen.

Ähnlich tönt es beim Lausanner Unternehmen Mobile News Channel, das seinen Kunden allgemeine Informationen via WAP anbietet. "Die Verkäufe von WAP-Mobiltelefonen sowie deren Benützung sind hinter den Erwartungen zurückgeblieben", erklärt Jean de Wolf, Direktor und Mitbesitzer des Lausanner Start-up.

Die Hersteller der WAP-fähigen Mobiltelefone wollen ihrerseits mit den Verkaufszahlen nicht heraus rücken. Ebenso wenig wollen sie zu den Erfolgsaussichten des WAP Stellung nehmen. Für ihr Schweigen führen sie industrielle und strategische Gründe an.

Ericsson räumt zumindest ein, dass die WAP-fähigen Handys bisher die Erwartungen nicht erfüllt hätten. Der schwedische Hersteller macht jedoch weniger die komplizierte Bedienung der Geräte als vielmehr eine schlecht abgestimmte Werbung der Dienstleistungsanbieter für den relativen Misserfolg verantwortlich.



Breites Publikum ist nicht interessiert

Der US-Hersteller Motorola spricht zwar von guten Absatzzahlen, räumt gleichzeitig aber ein, dass die WAP-Handys das breite Publikum nicht sonderlich interessierten. "WAP wird in erster Linie von Geschäftsleuten benützt", heisst es bei Motorola. Siemens und Nokia wollten sich auf Anfrage nicht äussern.

Die Telekom-Anbieter hüllen sich ebenfalls in vornehmes Schweigen. Weder Swisscom noch Orange wollen mit der Zahl ihrer WAP-Abonnenten heraus rücken. DiAx gibt die Zahl ihrer WAP-Kunden mit 20.000 an. Damit machen sie ganze 3 % der insgesamt 650.000 Handy-Kunden von diAx aus.

Das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) zählte Ende September in der Schweiz insgesamt 4,3 Mio Mobiltelefonie-Abonnente. Zur Anzahl der WAP-Benützer verfügt aber auch das Bakom über keine genauen Angaben.

Um dem WAP wirklich auf die Sprünge zu helfen, muss nach Ansicht von Experten das Informations- und Dienstleistungsangebot erweitert werden.

Jean de Wolf: "Wenn wir das WAP aus dem gegenwärtigen Engpass heraus bringen wollen, müssen wir vor allem lokale Dienste (Restaurants, Hotels, Veranstaltungen, News, lokale Wetterprognosen, Verkehrsmeldungen, Strassenverhältnisse, Fahrpläne usw.) schnell und einfach anbieten können."

Andere Kenner der Branchen vertreten zudem die Ansicht, dass das WAP erst richtig abheben wird, wenn es leichter bedienbar und vor allem schneller geworden ist. Das könnte mit dem System GPRS (General Packet Radio Service), wie es soeben von diAx in Betrieb genommen worden ist, schon bald der Fall sein.

Die Inbetriebnahme des UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) werde die Sache noch weiter beschleunigen, sind Branchenkenner überzeugt. "Wir bleiben jedenfalls zuversichtlich", sagt de Wolf.

Mehr zum Thema Mobile Business im Mobile-Special von Handelsblatt.com

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%