Kunden verlassen in Scharen die Herausforderer
Worldcom-Krise nützt Ex-Monopolisten

Die Krise um Worldcom schüttelt die Branche durcheinander. Großkunden, die funktionierende Datennetze benötigen, setzen inzwischen fast ausschließlich auf Sicherheit - zum Vorteil der früheren Telefonmonopolisten.

BERLIN. Die Krise des US Worldcom Inc. -Telefonkonzerns könnte das endgültige Aus für den Festnetz-Wettbewerb bedeuten. Die Großkunden der Telekommunikationsnetz-Betreiber jedenfalls wandern bereits jetzt in Scharen zu den früheren Monopolisten ab, und zwar weltweit. "Großunternehmen wollen vor allem die Sicherheit, dass ihr Datennetzbetreiber auch nächstes Jahr noch existiert", sagt Christian Hufnagl, Chef der Telekom-Tochter T-Systems GmbH, Frankfurt/M. Ähnlich beurteilt British Telecom die Lage. "International tätige Unternehmen sind auf sichere Datennetze angewiesen", sagt ein Sprecher der Datennetz-Sparte BT-Ignite.

Die Flucht zu den alten Telefongesellschaften hat Anfang des Jahres nach den Pleiten von Energis in Großbritannien und Global Crossing in den USA eingesetzt und mit der Insolvenz von KPN-Qwest einen Schub bekommen. Über die KPN-Qwest-Netze liefen 40 % des europäischen Internet-Verkehrs. Eine Worldcom-Pleite, die viele Finanzmarktanalysten erwarten und etliche Großunternehmen befürchten, könnte nun den weltweiten Internet-Verkehr beeinträchtigen, heißt es bei der Beraterfirma Gartner Group. Denn Worldcom betreibt über seine Tochter UU-Net das größte Internet-Netz in den USA. Laut Gartner laufen 50 % aller weltweit verschickten E-Mails und 70 % der elektronischen Post in den USA über Worldcom. Ein Blackout allerdings ist nicht zu erwarten, so die Gartner-Experten.

Für T-Systems bedeuteten die Pleiten von KPN-Qwest und Global Crossing, dass zunächst für die eigenen Kunden neue Glasfaserstrecken geschaltet werden müssen. Denn dort, wo das eigene globale Netz nicht hinreichte, hatte die Deutsche Telekom Kapazitäten in den Netzen der beiden Unternehmen gemietet. Die Lücken schließt T-Systems jetzt durch Verträge mit den anderen alten Telefongesellschaften, also mit Telefónica für Verkehr nach Spanien und mit AT&T auf den USA-Strecken. "Ich glaube, dass die Preise für Auslandsleitungen bald wieder steigen werden", sagt Hufnagl. Denn die neuen Telekom-Anbieter hätten ihre Großkunden zumeist über niedrige Preise geworben.

Für die Telekom wird damit der Ausbau des eigenen globalen Netzes wichtiger. Um Lücken in ihren jeweiligen Netzen zu schließen, interessieren sich alle alten Telekoms für einzelne Strecken des KPN-Qwest-Netzes. "Trotzdem entsteht kein Bieterwettbewerb", sagt Hufnagl. Kein Unternehmen erhöhe sein Preisgebot, weil niemand wirklich dringend auf die Glasfaser angewiesen sei. Daher haben jetzt die Banken ein Problem: Sie hatten gehofft, mit den Einzelteilen des KPN-Qwest-Netzes mehr erlösen zu können, als mit dem Gesamtnetz.

Laut Hufnagl ist die Marktlage aber so, dass das Gesamtnetz für alle Interessenten zu teuer wäre. Einzelteile würden aber nur dann gekauft, wenn sie billig seien. Damit dürften die Banken auf einem großen Teil der 2 Mrd. $ Schulden von KPN-Qwest letztlich sitzen bleiben.

Trotz des langfristigen Vorteils herrscht weder bei T-Systems noch bei BT-Ignite Freude über die Probleme der Konkurrenten. Wie die gesamte Branche verzeichnet auch T-Systems Umsatzrückgänge im Großkundengeschäft. Grund: Kein Kunden-Unternehmen investiere derzeit in neue Anwendungen, daher miete auch niemand zusätzliche Bandbreite. T-Systems kann die Umsatzrückgänge allerdings durch die klassischen EDV-Dienste und das Geschäft mit dem Outsourcing von Unternehmensnetzen kompensieren: Beides diene der Rationalisierung und damit der Kosten-Ersparnis, so Hufnagl. Er erwartet daher, dass der Umsatz von T-Systems in diesem Jahr leicht wächst und die Verluste der Telekom-Sparte deutlich sinken werden.

Quelle: Handelsblatt

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
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