Kunden wollen vor Ort kaufen
Online-Lebensmittel sind Ladenhüter

Der virtuelle Warenkorb bleibt meistens leer: Der als Wachstumsmarkt gepriesene Lebensmittelverkauf über das Internet ist für viele Handelskonzerne endgültig gescheitert. Zwar bestellen immer mehr Bundesbürger im Netz Bücher, Reisen, Musik-CDs und Kinokarten. Doch Käse, Fleisch und Obst wollen die meisten Kunden direkt an der Ladentheke riechen, tasten und wiegen - nicht auf dem PC-Schirm begutachten und per Mausklick einkaufen.

HB/dpa BERLIN. "Die Träume des Handels waren groß. Doch viele der Großunternehmen sehen das nicht mehr als den Markt an, in den man einsteigen muss", sagt Olaf Roik vom Hauptverband des deutschen Einzelhandels (HDE) in Berlin. Studien zeigten, dass der Online- Lebensmittelverkauf trotz Millioneninvestitionen der Branche einen Anteil von unter 0,5 Prozent am Gesamtumsatz der Nahrungs- und Genussmittel habe.

Die Idee scheint prinzipiell gut: Statt die kostbare Abend- oder Wochenendfreizeit in endlosen Warteschlangen an Supermarktkassen zu verbringen, werden Lebensmittel per Internet bestellt und dann gegen eine Gebühr bequem ins Haus geliefert. Die Anbieter versprechen nicht nur frische und gekühlte Ware, sondern oft auch alle Sonderangebote der Supermärkte.

Während sich Spar, Karstadt und die Bio-Kette Tegut von ihren Online- Lebensmitteln verabschiedet haben, hat ein traditioneller Nonfood- Händler die Führungsrolle beim Lebensmittel-Lieferservice übernommen: Das Versandunternehmen Otto betreibt den otto- supermarkt.de. Bundesweit können 2000 Artikel über das Internet geordert werden. In Hamburg sind auch Frischeartikel im Programm, bald soll eine zweite Großstadt dazukommen.

Otto spricht vier Zielgruppen an: Gut verdienende jüngere Alleinstehende und Paare, Familien mit Kindern, Kunden über 60 zum Teil mit Gehbehinderungen und Betriebe wie Multimedia-Firmen, Kanzleien oder Arzt-Praxen. Durchschnittlich bestellt ein Otto-Kunde nach Konzernangaben Waren im Wert von 73 Euro.

Klassische Handelskonzerne fühlen sich vom Otto-Shop nicht mehr herausgefordert. "Die Logistik ist das große Problem. Der Aufwand rechnet sich einfach nicht", sagt ein Sprecher der Rewe-Gruppe (HL, miniMAL, Penny, toom). Otto sei im Vorteil, weil das Unternehmen auf den konzereigenen Logistiker Hermes zurückgreifen könne.

Tengelmann (Plus, kaisers, A&P) geht seit Jahren in Berlin und München einen anderen Weg: Beim Haustür-Lieferservice wird per Telefon bestellt. Insgesamt 22 000 Stammkunden wälzen zuvor den Tengelmann-Produkt-Katalog und geben pro Einkauf etwa 75 Euro aus. "Wir machen keine Riesengewinne, aber wir arbeiten profitabel", sagt ein Manager. Im nächsten Jahr werde der Service in weiteren Großstädten angeboten.

Lediglich in regionalen Nischenmärkten haben einige Internet- Lebensmittelhändler überlebt. Doit24.de bietet in Berlin und Leipzig etwa 2600 Kunden rund 16 000 Lebensmittel und Getränke an. In Köln hat der Web-Shop netconsum.de rund 8000 Kunden und 4000 Produkte in der Kartei.

Handelsexperten glauben, dass der generelle Misserfolg beim Online-Lebensmittelhandel nicht nur wirtschaftliche Gründe hat. Susan Fournier von der amerikanischen Harvard Business School ist der Ansicht, die Menschen gingen in die Supermärkte, weil das Stöbern und Einkaufen mit dem urwüchsigen Jagd- und Sammelinstinkt verbunden sei.

"Wir lieben es, Essen auszuwählen und zuzubereiten. Das ist eine Art, Liebe und Besorgnis für die Familie zu zeigen", schreibt Fournier in einer Studie. Für viele Frauen mit kleinen Kindern sei der tägliche Einkauf zudem eine Gelegenheit, aus der Wohnung herauszukommen und im Laden um die Ecke einen Schwatz mit Bekannten zu halten.

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