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Kundenpflege am Ring

Nürburgring (dpa) - Der Ferrari auf drei Rädern war die beste Werbung für den Nürburgring. Die Bilder vom ramponierten Dienstwagen des Weltmeisters Michael Schumacher nach dem Crash im Tunnel von Monaco hat die Nachfrage nach Karten für den Großen Preis von Europa erhöht.

Nürburgring (dpa) - Der Ferrari auf drei Rädern war die beste Werbung für den Nürburgring. Die Bilder vom ramponierten Dienstwagen des Weltmeisters Michael Schumacher nach dem Crash im Tunnel von Monaco hat die Nachfrage nach Karten für den Großen Preis von Europa erhöht.

«Wir erwarten, dass Monaco uns noch einen Schub gibt», sagte Nürburgring-Chef Walter Kafitz vor dem Großen Preis vcon Europa. «Die Telefondrähte bei unser Hotline glühen.» Mit einer unfreiwilligen Reklame des «Local Heros» Michael Schumacher kann Kafitz aber nicht immer rechnen. Deshalb hatten er und sein Team schon vor Schumachers Unfall ein Konzept erarbeitet, um die PS-Fans wieder an die Strecke unter der Nürburg zu locken. Kafitz hat erkannt, dass die Formel 1 sich längst nicht mehr von selbst verkauft und sich damit Geld verdienen lässt.

In diesem Jahr wäre der Geschäftsführer der Nürburgring GmbH froh, wenn an dem Pfingstwochenende die Zuschauerzahl von 2003 erreicht wird. Damals waren 239 000 Besucher an die Strecke in der Eifel gekommen, am Renntag bejubelten allein 123 000 Fans den Sieg von Ralf Schumacher. Zusatztribünen werden laut Kafitz auch in diesem Jahr aufgebaut, aber nicht in dem Umfang wie noch vor Jahresfrist.

An die Zahlen des Rekordjahres 2002 mit 350 000 Zuschauern an drei Tagen ist derzeit nicht zu denken. «Die Umstände gegenüber dem Vorjahr haben sich nicht verbessert», sagt Kafitz und meint die schwächelnde Konjunktur in Deutschland. «Die Mentalität der Leute in der Krise ist sparfreudig und nicht ausgabefreudig. Außerdem ist Pfingsten eher ein Familientag.»

Mit drastischen Preisreduzierungen und einem größeren Rahmenprogramm wollen Kafitz und seine Kollegen das Heimatrennen der Schumacher-Brüder attraktiver und erschwinglicher machen - mit dem Segen des allmächtigen Formel-1-Chefs Bernie Ecclestone.

Am Eröffnungstag durften die Fans durch die Boxengasse schlendern und einen Blick in die Werkstätten der Teams werfen. 10 000 Zuschauer nutzten nach Veranstalterangaben die Gelegenheit. Gewinner einer Verlosung wurden von Formel-1-Piloten über die Strecke kutschiert.

Die Betreiber der Rennstrecken sind zur Kundenpflege gezwungen. Ihr größter Kostenfaktor an Formel-1-Wochenenden ist die Gebühr für das Fahrfeld. Die Nürburgring GmbH muss nach Schätzungen rund 15 Millionen Euro an Ecclestone überweisen. Einzige Einnahmenquelle ist der Ticketverkauf. Gelder aus Sponsoring, Merchandising und Hospitality fließen in die Formel 1.

Auf die Formel 1 als Imageträger für den Nürburgring will Kafitz dennoch nicht verzichten. Der Vertrag mit Ecclestone wurde bis 2009 verlängert. «Durch die Formel 1 gehören wir zur Champions League des Motorsports», sagt Kafitz. Auch für die Region sei die Formel 1 wichtig. 60 Millionen Euro werden am Wochenende umgesetzt, 10 Millionen Euro bleiben als Gewinn. Von der Strecke selbst leben direkt oder indirekt rund 3000 Betriebe mit 15 000 Arbeitsplätzen. Seit 1995 flossen dank der Formel 1 rund 100 Millionen Euro an Mehrwertsteuer in die Kassen des Bund und des Landes Rheinland-Pfalz.

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