"Kundenproteste" nach Affäre
Ton in den Arbeitsämtern wird rauer

dpa BERLIN. Nach dem Bekanntwerden geschönter Vermittlungszahlen ist der Ton in den deutschen Arbeitsämtern rauer geworden. Immer mehr Arbeitsvermittler müssen Beschimpfungen, Drohungen oder Sticheleien von wütenden Arbeitslosen über sich ergehen lassen. Manche Arbeitsamtsvermittler erhielten jedoch auch Zuspruch von den Kunden, ergab am Freitag eine dpa-Umfrage.

Die Bundesanstalt für Arbeit (BA) in Nürnberg habe "vereinzelt von verbalen Angriffen" auf die Vermittler gehört, sagte ein Sprecher. Er riet den Mitarbeitern, "ruhig zu bleiben, sich nicht provozieren zu lassen und ihre Arbeit mit uneingeschränktem Engagement weiter zu tun".

"Häufig werden unsere Vermittler erstmal verbal angegangen, bevor überhaupt ein sachliches Gespräch beginnen kann", sagte eine Sprecherin des Landesarbeitsamtes Baden-Württemberg. Beschimpfungen seien zwar schon immer ein Thema in den Amtsstuben gewesen. Doch in dieser Häufung gebe es sie erst, seit der Bundesrechnungshof bei Stichproben in fünf Arbeitsämtern bis zu 70 % falsche Vermittlungen entdeckt hat.

Schuldzuweisungen

Auch im Arbeitsamtsbezirk Berlin-Brandenburg und Sachsen müssen die Vermittler Schuldzuweisungen über sich ergehen lassen. Es gebe deutlich mehr böse Briefe als früher, sagte ein Sprecher in Berlin. Da stehe dann drin: "Das alles haben wir ja schon immer gewusst." Andere wiederum kämen in die Büros und legten den Mitarbeitern Boulevard-Zeitungen mit den entsprechenden Überschriften vor. Von ab und zu geäußerten "Stammtischparolen" sprach der Sprecher des Landesarbeitsamts Sachsen.

Zuvor hatte bereits der Präsident des Landesarbeitsamtes Niedersachsen-Bremen, Reimer Herbst, immer mehr verbale Ausfälle der Arbeitssuchenden festgestellt: "Aus vielen Städten des Landes wird berichtet, dass die Gespräche mit Arbeitssuchenden erst einmal mit Beleidigungen beginnen." Die Mitarbeiter sähen sich demotivierenden Angriffen ausgesetzt. Seit Bekanntwerden der Affäre empfänden viele sich in "öffentlichem Misskredit".

"Der Ton ist anders geworden", sagte ein Sprecher des Landesarbeitsamtes Nordrhein-Westfalen. Die Kunden der Arbeitsämter versuchten ihre Ansprüche fordernder durchzusetzen: "Da wird schon mal mit der Presse gedroht", erklärte er.

Sympathiebekundungen

Es gibt aber auch Zuspruch für die Arbeitsvermittler. "Uns wurde zwar von gelegentlichen schnippischen Bemerkungen in den Arbeitsämtern berichtet, aber umgekehrt gab es auch Sympathiebekundungen für die Beschäftigten, nach dem Motto: Was mit Euch passiert, ist nicht richtig", sagte der Sprecher des Landesarbeitsamtes Rheinland-Pfalz-Saarland. Aus hessischen Arbeitsämtern war zu hören, dass es in Einzelfällen bissige Kommentare, aber auch Verständnis gegeben habe.

In Hamburg "gibt es keine konkreten Beispiele oder Beschwerden seitens der Vermittler", sagte Arbeitsamtssprecher Knut Böhrnsen. Es werde nicht mehr gemeckert als früher, und wenn, dann vor allem über die "zähe Bürokratie". Es gebe aber auch "positive Rückmeldungen". Böhrnsen hat einige auf einer Pinnwand über seinem Schreibtisch gesammelt, darunter Postkarten aus London und Marbella oder Grüße mit "1000 mal Danke" oder "Vielen Dank für die Unterstützung".

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