„Kundenvereinbarung“ mit Optionsbroker auf den Bahamas
Anlagevermittler muss Kunden Disagio erklären

Unerfahrene Anleger müssen nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) über die Folgen eines Disagios für die erzielbare Rendite riskanter Geschäfte von ihrem Vermittler unmissverständlich aufgeklärt werden.

Reuters KARSRUHE. Der BGH entschied zu Gunsten eines Anlegers, der wegen seiner Verluste aus riskanten Warentermin- und Optionsgeschäften gegen den Geschäftsführer einer GmbH auf Schadenersatz geklagt hatte, die solche Geschäfte gewerbsmäßig vermittelt. Der Anleger müsse schriftlich und in auffälliger Form darauf hingewiesen werden, dass ein Abschlag auf den Nennwert der Kapitalanlage (Disagio) das Verhältnis von Chancen und Risiken aus dem Gleichgewicht bringt, hieß es in dem am Dienstag veröffentlichten Urteil des elften Zivilsenats (Az.: XI ZR 385/02).

Der Anleger, ein Softwareentwickler, hatte 1995 mit der GmbH einen Vermittlungsvertrag geschlossen und insgesamt 192.000 Mark (98.000 Euro) investiert. Für jedes der beiden Einzelgeschäfte wurde ihm ein Disagio von 15 Prozent des eingesetzten Kapitals und eine so genannte "Round Turn-Kommission" von 160 Dollar in Rechnung gestellt. Dazu war ihm eine "Kundenvereinbarung" mit einem Optionsbroker auf den Bahamas zur Unterschrift vorgelegt worden, die mehrere Risikoerklärungen enthielt. Nachdem er mit den Anlagen Verlust gemacht hatte, verklagte der Softwareexperte den Geschäftsführer wegen Anlagebetrugs und Untreue, da er über die Folgen des Disagios nicht genügend aufgeklärt worden sei.

Der BGH gab ihm recht. Bei einem Disagio von 15 Prozent hätte der Vermittler ihn deutlich darauf hinweisen müssen, dass Experten einen höheren Kursausschlag als 15 Prozent für nicht realistisch hielten und der Anleger daher aller Wahrscheinlichkeit nach keine Chance auf einen Gewinn habe. Die Risikoerklärungen der GmbH hätten diesen Anforderungen jedoch nicht genügt.

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