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Kuranyi beschert Klinsmann Traum-Einstand

Jürgen Klinsmann ist dank einem „Dreier-Pack“ von Kevin Kuranyi ein Bundestrainer-Einstand nach Maß gelungen. Im ersten Länderspiel unter der Regie der neuen Führungstroika feierte die deutsche Fußball-Nationalmannschaft beim Erzrivalen Österreich ein 3:1 (1:1).

dpa WIEN. Jürgen Klinsmann ist dank einem "Dreier-Pack" von Kevin Kuranyi ein Bundestrainer-Einstand nach Maß gelungen. Im ersten Länderspiel unter der Regie der neuen Führungstroika feierte die deutsche Fußball-Nationalmannschaft beim Erzrivalen Österreich ein 3:1 (1:1).

Somit gelang das ersehnte Erfolgserlebnis zum Start des "Projekt 2006". Wegbereiter für den Prestigeerfolg der zuvor in vier Spielen sieglosen deutschen Mannschaft war vor 37 900 Zuschauern im Wiener Ernst-Happel-Stadion der Stuttgarter Kuranyi. Der 22-Jährige erzielte in der 2., 61. und 73. Minute alle drei Treffer für die deutsche Elf, die zwischenzeitlich durch Martin Amerhauser (10.) den Ausgleich kassiert hatte.

In einem insgesamt sehr engagiert geführten Duell auf hohem Tempo überzeugte die deutsche Mannschaft vornehmlich durch ihre Laufbereitschaft und ihren Einsatzwillen. Gegen die konditionell zunehmend abbauenden Gastgeber war die DFB-Elf nach zerfahrener ersten Halbzeit im zweiten Durchgang auch spielerisch tonangebend. Neben Kuranyi überragte Neu-Kapitän Michael Ballack als zweimaliger Vorlagengeber. Dagegen offenbarte Debütant Frank Fahrenhorst noch viele Unsicherheiten.

56 Tage nach dem unrühmlichen EM-Aus in Portugal präsentierte Klinsmann - notgedrungen - eine Elf mit einem völlig neuen Gesicht. Nach etlichen verletzungsbedingten Absagen von Defensivkräften meldete sich am Spieltag auch noch der Leverkusener Bernd Schneider grippekrank ab und flog noch vor dem Anpfiff wieder nach Hause.

Damit war der Weg frei für gleich vier Profis, die nicht zum Euro- Aufgebot zählten. Neben Fahrenhorst und dem für diese eine Partie reaktivierten Thomas Linke, die in der Innenverteidigung ein keineswegs sattelfestes Gespann bildeten, feierten der Bremer Mittelfeldspieler Tim Borowski und der kurzfristig nachnominierte Schalker Gerald Asamoah nach langer Nationalmannschafts-Abstinenz ihr Länderspiel-Comeback. In den letzten vier Minuten gab auch an seinem 20. Geburtstag England-Legionär Robert Huth (FC Chelsea) sein Debüt.

Für den ersten Paukenschlag aber sorgten zwei altbekannte Gesichter. Ballack nutzte nach nur 96 Sekunden die Orientierungsprobleme in der Austria-Abwehr und passte mustergültig auf Kuranyi, der mit seinem fünften Länderspiel-Tor für einen Auftakt nach Maß sorgte.

Wer jedoch geglaubt hatte, der frühe Treffer wäre der Startschuss für eine deutsche Fußball-Demonstration, musste sich zunächst gedulden. Mit einem fulminanten Schuss vom linken Strafraumeck in den rechten Torwinkel, gegen den Ex-Kapitän Oliver Kahn keine Chance hatte, sorgte der Grazer Amerhauser in der 10. Minute für den Ausgleich. Auch in den Spielanteilen waren die beiden Erzrivalen, die sich nichts schenkten und um jeden Ball kämpften, in der ersten Halbzeit ebenbürtig.

Zwar war im deutschen Team das Bemühen unverkennbar, den von Klinsmann vorgegebenen Tempofußball zu bieten. Doch bedingt durch technische Unzulänglichkeiten Einzelner ging Klinsmanns Gesamt- Konzept erst auf, als bei den Österreichern die Kräfte schwanden. Vor allem Rückkehrer Borowski, der zuletzt vor knapp zwei Jahren in der DFB-Auswahl stand, und Youngster Bastian Schweinsteiger, der unter Bayern Münchens Trainer Felix Magath noch keine Bundesliga-Minute spielen durfte, produzierten zu viele Abspielfehler. Auch der Stuttgarter Philipp Lahm präsentierte sich auf der linken Seite noch weit von seiner Normalform entfernt.

Zu den Lichtblicken im deutschen Team zählte neben Kuranyi und Ballack auch Asamoah. Der Schalker hatte in der 21. Minute mit einem Heber und in der 23. Minute mit einem Kopfball Pech, dass seine Länderspiel-Rückkehr nach 17-monatiger Zwangspause nicht mit einem Tor gekrönt wurde. Die größte Chance zur deutschen Führung entsprang einer österreichischen Produktion. Überrascht vom Kopfball seines Teamkollegen Dietmar Kühbauer in die falsche Richtung fiel Austria- Keeper Thomas Mandl fast mit dem Ball ins eigene Tor.

Klinsmann schaute sich das Treiben seiner Schützlinge 27 Minuten seelenruhig an der Seite seines Assistenten Joachim Löw - Manager Oliver Bierhoff saß auf der Tribüne - von der Trainerbank aus an. Dann hielt es den 40-Jährigen immer seltener auf dem Stuhl, und die zweite Halbzeit verfolgte das Trainergespann fast nur noch stehend, heftig diskutierend und mitunter wild gestikulierend.

Es dauerte aber fast eine Stunde, ehe Klinsmann doch noch Grund zum Jubeln hatte. Nach einer Freistoß-Flanke von Frings köpfte Kuranyi ein. Beim dritten Treffer des Stuttgarters half der unsichere Torhüter Mandl kräftig mit, als er einen weiten Ballack-Pass unterlief.

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