Kurs aus der Krise
Lufthansa-Krisenmanagement zeigt Wirkung

Die Lufthansa erholt sich zusehends von der schweren Krise der internationalen Flugindustrie nach den Anschlägen vom 11. September. Mit 332 Mill. Euro im ersten Halbjahr wies der Luftfahrt-Konzern am Mittwoch einen mehr als verdreifachten operativen Gewinn im Vergleich zum Vorjahr aus, womit er selbst die optimistischste Marktprognose deutlich übertraf.

Reuters FRANKFURT. Der Konzern zeigte sich jedoch eher bescheiden und behielt seine Ergebnisprognose für das Gesamtjahr bei "mindestens" 500 Millionen Euro bei.

Finanzvorstand Karl-Ludwig Kley bekräftigte die Zielsetzung, im kommenden Jahr wieder an die "alte Ergebnisstärke" anknüpfen und operativ eine Mrd. Euro verdienen zu wollen. Auch wolle die Lufthansa in diesem Jahr netto zumindest ein ausgeglichenes Ergebnis erzielen. Branchenexperten zeigten sich über die Zahlen der Lufthansa positiv überrascht und kündigten an, ihre Schätzungen für 2002 erhöhen zu wollen. Die Aktie legte in einem freundlichen Marktumfeld um rund neun Prozent auf 13,23 Euro zu.

Kapazitäts- und Kosteneinsparungen zeigen Wirkung

Vor allem durch Einsparungen erzielte die Lufthansa ihre Gewinnzuwächse im ersten Halbjahr. Zwar steigerte der Konzern auch die Umsätze um knapp fünf Prozent auf fast 8,2 Mrd. Euro und damit im Rahmen der Prognosen. Geringere bereinigte Umsätze sowie weiter rückläufige Personen- und Frachterlöse zeigen nach wie vor Spuren der schwachen Weltkonjunktur und der verunsicherten Lage nach dem 11. September.

Das Kapazitäts- und Kostenmanagement habe den Erfolg ermöglicht und sich als richtigen Kurs erwiesen, teilte Lufthansa-Chef Jürgen Weber mit. Auch habe der Konzern seine Netto-Verbindlichkeiten reduziert und Fortschritte bei der Sanierung der Catering-Tochter LSG Sky-Chef erzielt.

Rückenwind erhielt die Lufthansa zudem von geringeren Treibstoff- und Personalkosten im ersten Halbjahr. Mehr als 96 Prozent des Gewinns verdiente die Lufthansa im zweiten Quartal, nachdem sie in den ersten drei Monaten 2002 ein operatives Ergebnis von zwölf Mill. Euro erzielt hatte.

Unter dem Strich verbuchte die Lufthansa im Halbjahr noch einen Nettoverlust von 27 Mill. Euro nach einem Minus von 43 Mill. Euro im Vorjahr. Je Aktie entspricht dies einem Fehlbetrag von sieben Cent. Anders als 2001 soll am Ende dieses Jahres jedoch wieder ein Überschuss stehen, weshalb auch eine Dividendenzahlung wieder möglich sei, hieß es.

"Konservative Gesamtjahresprognose"

"2002 wird insgesamt ein recht gutes Jahr werden, auch wenn wir noch ein gutes Stück von der Situation vor dem 11. September entfernt sind", sagte Finanzvorstand Kley. Zugleich räumte er ein, dass die Konzernprognose, 2002 bei unveränderten Rahmenbedingungen einen operativen Gewinn von mindestens 500 Mill. Euro erreichen zu wollen, durchaus "konservativ" sei. Konkretere Angaben wollte Kley hierzu nicht machen.

"Die Zahl berücksichtigt, dass wir alle mit einer weltpolitischen Unsicherheit leben müssen", fügte Kley mit Blick auf den Geschäftsausblick und die Möglichkeit erneuter Anschläge hinzu. Insofern bleibe die Lufthansa auch bei der Erweiterung ihrer Kapazitäten und den Investitionen weiter zurückhaltend.

Belastend auf das Konzernergebnis der Lufthansa dürfte sich in diesem Jahr die Touristik-Tochter Thomas Cook auswirken, bei der die Umsatzausfälle durch das Kostenmanagement nicht komplett kompensiert werden könnten, sagte Kley weiter. Auch die Geschäfte von LSG Sky Chefs erholten sich nur langsam, die Tendenz zur Besserung sei aber "klar erkennbar".

Wie es weiter hieß, zeigt die Weltwirtschaft aus Sicht der Lufthansa leichte Erholungstendenzen, obgleich sich das Wachstum in den USA wieder etwas abgeschwächt habe, hieß es. Der Konjunkturaufschwung in Deutschland und Europa lasse dagegen weiter auf sich warten. Insgesamt sehe sich die Lufthansa jedoch strategisch gut aufgestellt und gegen operative Risiken sowie die Konkurrenz gewappnet: "Wer uns in unserem Stammgeschäft angreifen will, muss sich verdammt warm anziehen", sagte Kley.

Analysten raten zum Kauf der Aktie

Analysten zeigten sich überzeugt davon, dass die Lufthansa nun auch im Gesamtjahr 2002 mehr verdienen dürfte, als die von ihr anvisierten 500 Mill. Euro. "Das sind sehr, sehr starke Zahlen", sagte Michael Benedikt von Julius Bär. Das Management der Fluggesellschaft habe gute Arbeit geleistet, und das Ergebnisziel sei nach den Halbjahreszahlen äußerst konservativ.

Benedikt bekräftige seine "Strong Buy"-Empfehlung für die die Lufthansa-Aktie. Auch andere Branchenkenner wie die Investmentbank Merrill Lynch rieten zum Kauf der Papiere und kündigten an, ihre Ergebnisschätzungen für das Gesamtjahr anzuheben. So rechnet Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler 2002 mit einem operativen Gewinn von 700 bis 800 Mill. Euro.

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