Kurs bricht ein
Mobilcom verschiebt Halbjahresbilanz

Das finanziell angeschlagene Mobilfunk-Unternehmen Mobilcom hat die für kommenden Dienstag (13. August) geplante Veröffentlichung seiner Halbjahresbilanz überraschend auf unbestimmte Zeit verschoben.

Reuters BÜDELSDORF. Grund sind nach Angaben vom Freitag noch nicht abschließend feststehende Wertberichtigungen unter anderem für die 1999 erworbene Tochter D-Plus. Die im Auswahlindex Nemax50 notierten Mobilcom-Aktien fielen daraufhin auf ein Jahrestief.

"Die erforderlichen Wertberichtigungen auf Firmenwerte von Tochtergesellschaften können bis zum 13. August nicht abschließend entschieden werden", teilte Mobilcom mit. Wann die Halbjahresbilanz fest stehe, sei noch offen, sagte ein Sprecher. "Der neue Veröffentlichungstermin wird in den nächsten Tagen bekannt gegeben." Die Bilanz werde sicherlich nicht mehr in der kommenden Woche vorgelegt. Mobilcom hatte im Februar auch die Jahresbilanz für 2001 nach dem ursprünglich geplanten Termin vorgelegt.

Analysten erwarten hohen operativen Verlust

Von Reuters befragte Analysten erwarten für das zweite Quartal einen hohen operativen Verlust vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen sowie vor Wertminderungen (Ebitda) von 59 Millionen Euro, nach plus 3,7 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Der Umsatz ist der Umfrage bei neun Analysten zufolge im Vergleich zum Vorjahresquartal um durchschnittlich 23 Prozent auf 514 Millionen Euro gesunken.

Zu den Gründen der aktuell anstehenden Wertberichtigungen machte Mobilcom keine konkreten Angaben. "Grundsätzlich ist es so, dass der Firmenwert den aktuellen Marktbedingungen entsprechen muss", sagte Mobilcom-Sprecher Matthias Quaritsch. Mit welchem Wert D-Plus zuletzt bilanziert wurde, nannte MobilCom nicht. Analysten schätzten am Freitag den Wertberichtigungsbedarf bei D-Plus auf rund 80 Millionen Euro.

D-Plus war nach Angaben eines Sprechers von MobilCom zum 1. Oktober 1999 vom Gemeinschaftsunternehmen Unisource für 25,5 Millionen Euro sowie drei Millionen Mobilcom-Aktien zum Stückpreis von 47 Euro gekauft worden, so dass sich der Gesamtwert der Transaktion auf knapp 166,5 Millionen Euro belief. D-Plus wurde daraufhin als Mobilfunk-Service-Provider in die ein Jahr zuvor erworbene Mobilcom-Tochter Cellway integriert.

Frederick Altmann, Analyst von Hornblower Fischer, vermutet, dass mit der Zusammenlegung von D-Plus und Cellway der Goodwill von D-Plus nun entfalle. Inwieweit auch die Probleme bei der bislang verschobenen Einführung des Mobilfunkstandards GPRS eine Rolle spielen könnten, sei offen. Bislang hätten in der MobilCom-Bilanz noch 163 Millionen Euro an Firmenwerten gestanden, von denen etwa die Hälfte auf D-Plus anzurechnen sei.

Zu welchen anderen Beteiligungen möglicherweise weitere Wertberichtigungen bei dem Büdelsdorfer Unternehmen ins Haus stehen, wollte Unternehmenssprecher Quaritsch keine Angaben machen. "Es wird noch geprüft, ob dies notwendig ist. Bei D-Plus ist es sicher", sagte Quaritsch.

Mobilcom-Aktie fällt auf Jahrestief

Der in den vergangenen Monaten infolge der Querelen um die Zukunft des Büdelsdorfer Unternehmens bereits stark gesunkene Kurs der Mobilcom-Aktie fiel nach Bekanntgabe der Verschiebung zweitweise um 17 Prozent auf ein Jahrestief von 4,50 Euro.

Die Zukunft von Mobilcom gilt als ungewiss, da die France Télécom als derzeit einflussreichster Aktionär noch immer mit Banken über eine Umschuldung von 4,7 Milliarden Euro Verbindlichkeiten verhandelt. Die Frist war Ende Juli um weitere zwei Monate auf Ende September verlängert worden. France Telecom besitzt über seine Tochter Orange 28,5 Prozent der MobilCom-Anteile. Der Gründer und ehemalige Unternehmenschef Gerhard Schmid und dessen Ehefrau halten noch 49,5 Prozent. Über den Verkauf dieser Anteile an France Télécom haben beide Seiten bislang keine Einigkeit erzielt.

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