Kurs der T-Aktie fällt und fällt
Telekom: Wenn die Cash-Cow streikt

Die T-Aktie entwickelt sich zu einem Investment für Masochisten. Der Kurs fällt und fällt, und vermutlich haben inzwischen viele Anleger schlicht Angst, sogar den niedrigen Preis von knapp über zwölf Euro als Einstiegskurs anzusehen.

Seit einem Jahr kommt es für alle Telekommunikationsunternehmen an den Börsen weltweit immer noch schlimmer, auch wenn Branchenbeobachter zwischendurch einmal meinen, dass es tiefer ja kaum noch gehen könne.

Erst waren es die zerschlagenen Internet-Hoffnungen, dann die Rückkehr einer realistischen Betrachtungsweise des UMTS-Mobilfunks, die zu Kursabstürzen führten. Jetzt ist es das klassische inländische Festnetz-Telefongeschäft, das Finanzmarktanalysten mit Misstrauen betrachten. Denn die alte Cash-Cow streikt. Nur noch halb so hohe Gewinne wie vor einem Jahr liefert die Sparte T-Com ab. Viel zu wenig, um die hohen Verluste, geschweige denn auch die Abschreibungen der Schwestergesellschaften ausgleichen zu können. Ausgesprochen schlecht verlief dazu die Finanzmarktkommunikation des Unternehmens: Seit zwei Wochen haben sich die Analysten auf einen Gewinnrückgang um ein Drittel bei der T-Com eingestellt - nur um gestern erfahren zu müssen, dass sich der Gewinn halbiert hat.

Die Telekom nennt als Ursache gerne den Wettbewerb. Langfristig gesehen, ist daran richtig, dass der frühere Monopolist darunter leidet, dass die Preise stark gesunken sind. Allerdings hat der preisbedingte Umsatzrückgang vor allem in den Jahren 1998 bis 2000 stattgefunden; aktuell sinken die Preise kaum noch. Jedoch: Die Telekom hat, um Marktanteile zu sichern und zurückzugewinnen, selbst den Preisdruck erhöht: Ihr Aktiv-plus-Programm, bei dem man für eine höhere Grundgebühr bei den Telefoneinheiten spart, frisst offenbar mehr Umsatz auf, als die erhöhte Grundgebühr einbringt. Die Preise für T-DSL sind auch nach dem Streichen der Gerätesubventionen sehr eng kalkuliert. So viel Vorwärtsverteidigung gegenüber den ziemlich kleinen Wettbewerbern, die zurzeit reihenweise Pleite gehen, hätte die Telekom kaum nötig gehabt.

Dieselben Analysten, die jetzt das Festnetzgeschäft für eine Schwachstelle der Telekom halten, lobten es Anfang dieses Jahres noch als den sicheren Hafen der Profitabilität: Der Wettbewerb lässt nach, alternative Netzbetreiber gelten den Investoren als Phänomen einer zu Ende gehenden Epoche. Mit Blick auf die Zukunft bleiben der Telekom und anderen Ex-Monopolisten wahrscheinlich ihre Quasi-Monopole erhalten. Und sogar kurzfristig ist Besserung für die Telekom in Sicht, nachdem sie die Telefongrundgebühr erhöht hat und immer mehr Kunden auf teurere ISDN-Anschlüsse umsteigen. Trotz des Gewinnrückgangs und stagnierenden Umsatzes bleibt die T-Com also ein solides Geschäft.

Weil allerdings in dem Segment keine großen Wachstumsraten zu erwarten sind, hatte die Telekom 1999 ihre Einkaufstour gestartet. Akquisitionen zahlen sich jedoch immer erst mit Zeitverzögerung aus, im Fall Telekom nicht vor Ende 2004 - wenn alles gut geht. Wenn die Branchenflaute aber noch lange anhält, wenn UMTS sich weiter verzögert, wenn die Telekom in den USA das Wachstum zu teuer bezahlt, dann kann es durchaus sein, dass sie Voicestream wieder aufgeben muss. Dann wäre sie allerdings in Europa immer noch besser aufgestellt als viele Konkurrenten.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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