Kurs nahe 0,83 Dollar
Euro stabilisiert sich leicht

Aussagen von EZB-Präsident Wim Duisenberg und Chefvolkswirt Otmar Issing sowie anderen Notenbankern und Politikern konnten den Euro Händlern zufolge jedoch nicht nachhaltig stützen.

Reuters FRANKFURT. Das Ausbleiben einer Erklärung der G-20 Notenbanker und Finanzminister zum Euro und schwindende Interventions-Erwartungen haben den angeschlagenen Euro am Donnerstag erneut auf ein Rekordtief gedrückt. Der Euro war bereits am Vormittag bis auf 0,8229 $ gefallen und war damit 30 % billiger als bei seiner Einführung am 1. Januar 1999. Ein $ kostete somit knapp 2,38 DM, so viel wie seit 14 Jahren (April 1986) nicht mehr. Vorübergehend konnte sich der Euro technisch bedingt knapp über 83 Cents erholen, gab die leichten Gewinne später jedoch teilweise wieder ab. Händler schlossen weitere Kursverluste nicht aus.

Aussagen von EZB-Präsident Wim Duisenberg und Chefvolkswirt Otmar Issing sowie anderen Notenbankern und Politikern konnten den Euro Händlern zufolge nicht nachhaltig stützen.

Der Euro notierte am Abend mit Kursen um 0,8290 $. Gegen 18.50 Uhr MESZ kostete ein Euro 0,8298/00 $. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittag in Frankfurt mit 0,8252 $ ermittelt. Im Referenzkursverfahren Öffentlicher Banken wurde der Euro mit 0,8287 nach 0,8305 $ auf seinem tiefsten Stand festgestellt. Damit kostete ein $ 2,36 (2,3550) DM. Zum Yen wurde der Euro-Referenzkurs mit 89,55 (89,74) Yen ermittelt.

Duisenberg sagte bei einer Veranstaltung der Internationalen Handelskammer (ICC) in Berlin, die Aussichten für die Unternehmen in der Euro-Zone seien sehr günstig. Das strukturelle und das konjunkturelle Umfeld der Wirtschaft habe sich verbessert. Duisenberg äußerte sich allerdings nicht zum aktuellen Kurs der Gemeinschaftswährung. Über die "sehr kurzfristigen Faktoren, über die in den vergangenen Tagen und Wochen viel geschrieben worden ist" wolle er nicht sprechen, sagte der EZB-Präsident. Diese seien nach seiner Ansicht "vorübergehend". Die Ölpreissteigerungen und die Abschwächung des Euro beieinflussten die jüngste Preisentwicklung. Die gesamtwirtschaftliche Inflation könnte daher länger als erwartet über zwei Prozent bleiben. Nach Worten Issings werden die Preise in der Euro-Zone weiterhin mittelfristig stabil bleiben. Die Renditen langfristiger Anleihen und Umfragen zu Inflationserwartungen wiesen auf ein hohes Maß an Vertrauen in die Fähigkeit der EZB hin, ihr oberstes Ziel stabiler Preise mittelfristig zu erreichen, sagte Issing laut vorab verbreitetem Redetext am Donnerstag in Cambridge.

Die leichte Erholung der Gemeinschaftswährung zum Mittag führten Händler auf technische Faktoren zurück und schlossen neue Verluste nicht aus. Beim Durchbrechen der Marke von 82,85 Cents hätten wieder Käufe eingesetzt, sagte ein Händler. Es habe jedoch keine Anzeichen für eine Intervention der Notenbanken gegeben.

Händler hielten es nach der mangelnden Bereitschaft der G-20 Finanzminister und Notenbanker, den Euro bei ihrem Treffen in Montreal verbal zu unterstützen, für unwahrscheinlich, dass die Zentralbanken am Devisenmarkt intervenieren würden. Es sei zudem nicht damit zu rechnen, dass die EZB ohne die US-Notenbank (Fed) handeln werde, sagte ein Frankfurter Händler. Vor den US-Präsidentschaftswahlen am 7. November sei aber nicht mehr mit einer Beteiligung der Fed an einer Stützungs-Aktion zu rechnen. Daher wird ein Abrutschen des Euro auf unter 80 US-Cents von einigen Händlern für möglich gehalten.

Zur G20 zählen die sieben führenden Industrienationen (die USA, Japan, Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Italien und Kanada) sowie Argentinien, Australien, Brasilien, China, Indien, Indonesien, Südkorea, Mexiko, Russland, Saudi Arabien, Südafrika, die Türkei und die EU mit der Europäischen Zentralbank.

Andere Händler bemerkten dagegen, der Markt sei auf Grund der anhaltenden Angst vor erneuten Interventionen nach wie vor sehr nervös. "Es sagen zwar alle, dass sie nicht dran glauben, aber trotzdem traut sich keiner, massiv Euro zu verkaufen", sagte ein Händler. Die EZB wisse zudem, dass Interventionen besonders effektiv seien, wenn niemand damit rechne. Nachdem die Intervention am 22. September an einem Freitag stattgefunden habe, sei gerade zum Wochenende hin wieder verstärkt mit Interventions-Spekulationen zu rechnen.

Äußerungen von EZB-Ratsmitglied Eugenio Domingo Solans, wonach sich die gesunde wirtschaftliche Lage in Europa "früher oder später" im Euro-Kurs widerspiegele, hatten sich Händlern zufolge kaum auf die Gemeinschaftswährung ausgewirkt. Aussagen von Fabius am Donnerstagmorgen vor einem Parlamentsausschuss in Paris stützten den Euro dagegen kurzzeitig. Der französische Finanzminister hatte erklärt, der Euro könne um mindestens 20 % steigen. EU-Währungskommissar Pedro Solbes unterdessen in einem Zeitungsinterview, die jüngste Euro-Schwäche sei für die Euro-Zone intern nicht so wichtig. "Ein Euro ist ein Euro. Das ist die Realität: Die Abwertung zum $ hat aus interner Sicht keine Bedeutung.

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