Kurs seit Monatsbeginn verdoppelt
MLP-Aktie sahnt ab

Übernahmespekulationen haben den Aktienkurs des Finanzdienstleisters MLP am fünften Tag in Folge massiv in die Höhe getrieben. Der Kurs stieg am Vormittag zeitweise um mehr als 28 Prozent auf 18,68 Euro, nachdem das Papier bereits am Vortag Gewinn in ähnlicher Höhe verbucht hatte.

Reuters FRANKFURT. Am Nachmittag hatte der Anteilsschein wieder etwas eingebüßt, notierte aber noch mit einem imposanten Plus von 14 % bei 16,30 ?. Im Markt hatte es unter anderem Gerüchte gegeben, dass möglicherweise die Citibank Interesse an MLP haben könnte. Ein MLP-Sprecher sagte hingegen: "Wir haben keine Informationen über ein mögliches Übernahmeangebot." Auch gehe MLP nicht aktiv auf einen strategischen Investor zu. Die Citibank kommentierte die Spekulationen nicht. Auch der zur Münchener Rück gehörende Erstversicherer Ergo, der ebenso als möglicher Interessent gehandelt wurde, wollte sich nicht äußern. Der Baufinanzierer BHW erklärte, er habe kein Interesse an MLP. Während einige Analysten eine Übernahme für möglich halten, schlossen andere diese Möglichkeit weitgehend aus und führten den Kursanstieg auf technische Reaktionen zurück.

MLP: Großaktionäre wollen nicht verkaufen

Im Hause MLP wurde unterdessen betont, dass die wichtigsten Anteilseigner weiterhin an ihren Aktienpaketen festhielten. Die Großaktionäre von MLP, Bernhard Termühlen und Manfred Lautenschläger, wollten ihren Anteil von rund 48 % nicht verkaufen, sagte der Unternehmenssprecher weiter. Termühlen hält nach Unternehmensangaben 14,5 % an MLP, Lautenschläger 33,5 %. Die übrigen Anteile befinden sich in Mitarbeiter- beziehungsweise Streubesitz.

Der Finanzdienstleister war lange Zeit ein sehr beliebter Wert bei Investoren. Der Aktienkurs stieg zeitweise bis auf 190 Euro. Der Ruf des Unternehmens wurde zuletzt allerdings durch Presseberichte über eine möglicherweise falsche Bilanzierung angekratzt. Außerdem leidet MLP wie viele andere Unternehmen aus dem Finanzsektor unter den schwachen Aktienmärkten.

Ende vergangener Woche war der Kurs der MLP-Aktie um knapp 50 % auf 7,60 Euro und damit auf den tiefsten Stand seit sechs Jahren eingebrochen. Am vergangenen Freitag hatte das Unternehmen mitgeteilt, dass das Gewinnziel für 2002 angesichts der aktuellen Börsenflaute und anhaltend negativer Presseberichte nicht mehr erreichbar sei. Der Kurseinbruch hatte Spekulationen darüber ausgelöst, ob die Aktie aus dem Dax herausfallen könne. Zu Wochenbeginn hatte der Aktienkurs dann aber wieder deutlich angezogen. Nachdem Händler zunächst technische Reaktionen als Gründe für die Erholung genannt hatten, gab die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, DWS, Mitte der Woche bekannt, MLP-Aktien gekauft zu haben.

Marktkapitalisierung drastisch gesunken

Dennoch ist die Marktkapitalisierung von MLP inzwischen so stark gesunken, dass sich Übernahmespekulationen Händlern zufolge geradezu aufdrängen. Die Marktkapitalisierung, die vor rund acht Monaten noch bei 6,2 Milliarden Euro gelegen hatte, beträgt inzwischen nur noch rund zwei Milliarden Euro. Händler hatten verschiedene mögliche Adressen ausgemacht, die vor allem ein Interesse an dem gut ausgebauten Vertriebsnetz von MLP haben könnten. Investmentbanker schließen aber die Allianz sowie die Großbanken Deutsche Bank und Commerzbank aus.

"Es gibt eine Reihe von Leuten, die an MLP interessiert sein könnten", sagte Versicherungsanalyst Eric Shu von JP Morgan. "Eine Privatbank könnte davon profitieren. MLP ist eine gute Vertriebsplattform und hat die richtige Kundengruppe." Versicherungsanalyst Carsten Zielke von WestLB Panmure sagte dagegen, er halte den jüngsten massiven Kursanstieg eher für eine technische Reaktion. Fondsmanager hätten in den vergangenen Monaten aggressiv MLP-Aktien verkauft. Eine Reihe institutioneller Investoren sei überdies davon ausgegangen, dass der Wert aus dem Dax ausscheiden werde und hätten aus diesem Grund verkauft. Da diese Möglichkeit nun geringer geworden sei, deckten sie sich zu günstigen Konditionen wieder ein. Insgesamt halte er es für unwahrscheinlich, dass Termühlen seine Position bei MLP aufgeben wolle.

Merrill Llynch: MLP-Bewertung mit "Strong Buy"

Die DWS teilte am Freitag erneut mit, dass MLP nach Einschätzung ihrer Experten ein attraktives Investment sei. "Die derzeitigen Aktienkursbewegungen von MLP haben nichts mit dem Unternehmen selbst zu tun", sagte Fondsmanager Henning Gebhardt. Das Geschäftsmodell von MLP "ist extrem erfolgreich". Die Analysten der Investmentbank Merrill Lynch haben unterdessen die MLP-Aktie mit "strong buy" in die Bewertung aufgenommen. Das Kursziel liege mit einem Zeithorizont von zwölf Monaten bei 30 Euro. Die Aktie sei unterbewertet, hieß es.

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