Kurs spricht gegen Verkauf des Freenet-Aktienpakets
Freenet will Festnetzsparte von Mobilcom

Der Internet-Dienstleister Freenet.de drängt seinen Mehrheitsaktionär Mobilcom dazu, ihm dessen Festnetzsparte zu verkaufen. Bei dem von Mobilcom angestrebten Verkauf der Freenet-Anteile rät Spoerr zum Abwarten, da seiner Ansicht nach derzeit kein angemessener Preis dafür erzielt werden kann.

Reuters HAMBURG. Da Mobilcom nicht mehr von akuter Insolvenzgefahr bedroht sei, solle der bereits weitgehend ausgehandelte Verkauf vollzogen werden, sagte Freenet-Chef Eckhard Spoerr der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch in Hamburg. Der schon im Frühjahr vom Mobilcom-Vorstand unterschriebene Vorvertrag stehe noch unter dem Vorbehalt, dass ihm der Aufsichtsrat zustimme. "Selbstverständlich erwarten wir, dass sich der Aufsichtsrat jetzt mit dem Thema zeitnah befasst", sagte Spoerr. Mobilcom hält 76 Prozent an Freenet. Mobilcom macht in seiner Festnetzsparte rund 90 Prozent des Umsatzes mit Freenet.

Spoerr sagte weiter, bisher habe Freenet Rücksicht auf die Verhandlungen mit France Telecom zur Mobilcom-Rettung genommen. Jetzt aber sei der Zeitpunkt gekommen, über den Verkauf des Festnetzgeschäfts zu sprechen.

Der Freenet-Chef bekräftigte die Absicht, bei einer Übernahme des Mobilcom-Festnetzes 25 Millionen Euro in dessen Modernisierung zu investieren. Bei einem Kauf würde Freenet gemessen an den vermittelten Minuten mit dem Konkurrenten Arcor gleichziehen und Platz zwei hinter der Deutschen Telekom einnehmen, sagte Spoerr. Beim Umsatz sei dies nicht so, da Arcor einen höheren Anteil an zahlungskräftigen Geschäftskunden habe, während sich Freenet auf das niederpreisige Endkundengeschäft konzentriere. "Aber wir wären eine ganz starke Nummer im deutschen Telekommunikationsmarkt, und das würde sich auch auf den Aktienkurs und auf das Wertpotenzial von Freenet auswirken", zeigte sich Spoerr zuversichtlich.

France Telecom hatte am vergangenen Wochenende nach wochenlangem Ringen die Verträge zur Übernahme eines großen Teil der Milliardenschulden des Büdelsdorfer Mobilfunkkonzerns unterzeichnet und damit die letzte Bedingung zur Rettung seines einstigen Partners erfüllt. Befreit von der UMTS-Last kann Mobilcom nun als Wiederverkäufer von Handy-Verträgen anderer Mobilfunkanbieter einen Neuanfang machen.

Mobilcom erhält von einem Bankenkonsortium zur Sicherung seiner Liquidität und zur Finanzierung der geplanten Restrukturierung insgesamt 160 Millionen Euro. Um einen Teil dieses Überbrückungskredits zu tilgen, erwägt Mobilcom-Chef Thorsten Grenz den Verkauf der Beteiligung an Freenet.

Dazu sagte Spoerr: "Ich halte es für viel zu früh, das Vorhaben jetzt anzustoßen." Gegen einen Verkauf des Freenet-Aktienpakets zum jetzigen Zeitpunkt spreche der niedrige Aktienkurs. "Freenet ist im Moment sehr günstig bewertet, ein Käufer könnte hier unter Umständen mit einem günstigen Angebot zum Zuge kommen", fügte Spoerr hinzu.

Einen von Grenz erwähnten Paketzuschlag von 50 Prozent auf den Verkauf der gesamten Mehrheitsbeteiligung bezeichnete Spoerr als nicht ausreichend. "Ich wäre da überhaupt nicht zufrieden und würde solch eine Transaktion auch nicht den freien Aktionären empfehlen." Das Wertpotenzial von Freenet würde durch einen voreiligen Verkauf in keiner Weise berücksichtigt, sagte Spoerr.

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