Kurs stürzt ab
France Télécom lässt Mobilcom fallen

Nach monatelangem Tauziehen will sich der halbstaatliche französische Telekom-Konzern France Telecom (FT) einem Zeitungsbericht zufolge in Absprache mit der Regierung in Paris von seiner Minderheitsbeteiligung an dem deutschen Mobilfunkunternehmen Mobilcom trennen.

Reuters PARIS. Die französische Tageszeitung "Le Figaro" (Mittwochausgabe) berichtete, die Entscheidung zur Trennung von Mobilcom sei bei Treffen des mehrheitlich staatlichen Telekom-Konzerns mit Banken und dem Finanzministerium gefallen. Mobilcom-Großaktionär Gerhard Schmid bezeichnete den Bericht als "Falschmeldung". Ein Mobilcom-Sprecher ließ die Zeitungsmeldung unkommentiert. Er rechne jedoch mit "dramatischen Konsequenzen" für das Unternehmen, sofern sich France Telecom tatsächlich zurückziehen sollte, sagte er. Investoren verkauften unterdessen massenhaft Aktien des deutschen Konzerns und lösten einen Kurssturz aus.

Im Tagesverlauf wollte der Verwaltungsrat von France Telecom zusammenkommen, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Am Donnerstag soll dann der FT-Vorstand über das weitere Schicksal von Mobilcom beraten. Der Konzern und Großaktionär Schmid streiten sich seit gut einem halben Jahr öffentlich über die Unternehmensausrichtung, ein Übernahmeangebot und die Höhe von Finanztransfers. France Telecom hält 28,5 % an Mobilcom und versorgte seinen hoch verschuldeten deutschen Partner seit Monaten mit millionenschweren Liquiditätsspritzen.

Schmid: France Télécom zahlt weiter

Über sein Pressebüro ließ Schmid erklären, France Telecom halte seine Zahlungsverpflichtungen gegenüber Mobilcom ein, was gegen einen Absprung von France Telecom und den damit verbundenen Rückzug vom deutschen Markt spreche. Am Dienstag seien erneut 30 Mill. Euro vom Pariser Konzern an das Büdelsdorfer Unternehmen überwiesen worden. "Das tut man nicht, wenn man einen Partner fallen lassen will", erklärte Schmid.

Ein Mobilcom-Sprecher sagte, France Telecom sei bislang stets seinen Zahlungsverpflichtungen nachgekommen. "Wenn France Telecom sich entgegen den jüngsten Erwartungen jedoch tatsächlich zurückziehen sollte, muss man sich ernsthafte Sorgen machen", fügte er hinzu. France Telecom wollte wegen der anstehenden Sitzungen des Verwaltungsrates und des Vorstandes keine Stellungnahme abgeben. Beim französischen Finanzministerium war zunächst kein Kommentar zu erhalten. Der Staat hält rund 55 % an France Telecom.

An der Börse führte der Zeitungsbericht zu einem Ausverkauf von MobilCom-Aktien. Die Papiere büßten zeitweise mehr als 65 % ihres Börsenwerts ein und notierten am Nachmittag auf einem historischen Tiefstand von 1,55 Euro. Mobilcom gehörte an den deutschen Börsen zu den am meisten gehandelten Aktien. Das seit März 1997 am Neuen Markt notierte Unternehmen hatte Mitte 2000 bei einem Allzeithoch von 144 Euro einen Börsenwert von 6,4 Mrd. Euro. Derzeit wird das Unternehmen noch mit rund 86 Mill. Euro bewertet.

Angst für Insolvenz

Ein Aktienhändler sagte, der Markt preise nun die bereits seit längerem bestehenden Ängste über eine Insolvenz von Mobilcom ein. SES-Research-Analyst Klaus Baumann prognostizierte, MobilCom werde "auf jeden Fall" insolvent, falls sich France Telecom zurückziehe. Die Titel von France Telecom drehten im Handelsverlauf gegen den Marktrend ebenfalls ins Minus und wurden mit einem Abschlag von drei Prozent bei 10,42 Euro gehandelt. Die Unternehmensanleihen des Konzerns zogen hingegen deutlich an, da ein Rückzug aus dem deutschen Markt eine Entlastung der Bilanz bedeuten würde.

Unterdessen wandten sich Gewerkschaftsvertreter und der Betriebsrat von Mobilcom an die französischen Arbeitnehmervertreter von France Telecom, um vor dem möglichen Verlust von 5 000 Arbeitsplätzen zu warnen. Notwendig sei das Vertrauen von France Telecom in den deutschen Partner, hieß es in dem Appell. Ein Drittel des Verwaltungsrats von France Telecom ist mit Arbeitnehmervertretern besetzt.

In einem Interview äußerte Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid erneut die Hoffnung auf eine zügige Einigung mit dem französischen Konzern. "Wenn am Donnerstag in Paris die Weichen gestellt werden, gehe ich davon aus, dass wir uns vor Oktober einigen", zitierte "Focus Money" den Mobilcom-Gründer. Der vor wenigen Wochen auf Druck von France Telecom als Vorstandschef entlassene Schmid verlangt bislang erfolglos, dass France Telecom das mit mehr als fünf Mrd. Euro verschuldete Unternehmen vollständig übernimmt. Um eine Abfindung für seinen Minderheitsanteil und damit die Mehrheitsübernahme von Mobilcom durch France Telecom zu erzwingen, hat Schmid bereits mehrfach die Gerichte und die Börsenaufsicht bemüht.

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