Kurs-Talfahrt bei den Technologiewerten hält an
Aktien-Optimisten hoffen auf zusätzliche Zinssenkungen

Die von Gewinnwarnungen ausgehenden Börsengefahren sind noch nicht gebannt. Darin sind sich viele Marktbeobachter einig. Dennoch verfallen die Experten nicht in Skepsis. Häufig sind die aktuellen Einschätzungen sogar von vorsichtigem Optimismus geprägt. Sehr unterschiedlich sind allerdings die Meinungen zu Technologiewerten.

FRANKFURT/M. Die Zinssenkungen der amerikanischen Notenbank in der vergangenen Woche geben den Aktienbörsen keine nachhaltige psychologische Unterstützung - zumindest vorerst nicht. Die erste euphorische Reaktion hat einer neuerlichen Ernüchterung insbesondere an den Börsensegmenten für Wachstumstitel Platz gemacht, die sich in der Freitags-Bilanz niederschlägt: -6,2 % an der Nasdaq, -4,6 % beim Nemax All Share, während sich Dow Jones und Dax mit -2,3 % bzw. +0,1 % besser hielten und bei den Anleihen leichte Gewinne dominierten. Ausschlaggebend für die Korrekturen waren die jüngsten US-Arbeitsmarktdaten, die Börsianer eher negativ interpretierten. Die Begründungen dafür fielen allerdings ganz unterschiedlich aus. Zusätzlich belasteten Gewinnwarnungen.

Große Fragezeichen hinter den Gewinnerwartungen

Nach wie vor herrscht an den Märkten Unsicherheit darüber, ob die Notenbank einen zu harten Konjunktur-Rückschlag verhindern kann und inwieweit eine sinkende Wirtschaftsdynamik bereits in den Kursverlusten abgegolten ist. Dennoch verbreiten viele Analysten in ihren aktuellen und mittelfristig ausgerichteten Ausblicken vorsichtigen Optimismus. Sie argumentieren häufig mit erwarteten weiteren Zinssenkungen der type="unknownISIN" value="Board of Governors of the Federal Reserve System Fed Federal Reserve Board">Fed, denen sich die Europäische Zentralbank mit Zeitverzögerung anschließen sollte.

Zu dieser Gruppe zählen die Commerzbank, Goldman Sachs und Helaba Trust. Zwar meinen die Commerzbanker: "Nicht eingehaltene Gewinnerwartungen bei einigen Unternehmen werden weiterhin für Verunsicherung sorgen." Und eine Leitzinssenkung in USA löse noch keine abrupte Richtungsänderung an den Weltbörsen aus. In Deutschland seien aber unter anderem die konjunkturellen Rahmenbedingungen besser als in Amerika. Vor allem stark gefallene Technologiewerte, etwa Siemens, sind laut Commerzbank jetzt eine gute Anlage. Goldman Sachs sieht durch die Notenbankaktionen das Risiko eines weiter verschlechterten Konjunktausblicks reduziert. Die Experten des Hauses empfehlen daher jetzt stärker Werte aus konjunkturempfindlichen Branchen sowie Bankwerte. Technologietitel seien aber weiterhin der Gefahr negativer Gewinnüberraschungen ausgesetzt.

Sehr hoffnungsfroh gibt sich Helaba Trust. Die US-Zinssenkungen dürften ähnlich wie im Krisenjahr 1998 über das Schlimmste hinweg helfen, heißt es. Außerdem seien die Barreserven der Fonds - eine zweite Parallele zu 1998 - sehr hoch. In der Vergangenheit wurden diese hohen Cashbestände laut Helaba immer wieder schnell investiert, mit stimulierenden Effekten für die Kurse.

Skeptische Marktbeobachter sehen aber insbesondere bei den Wachstumswerten noch kein Ende der Talfahrt. Etwas milder formuliert M.M. Warburg: "Die Bewertung der meisten Sektoren ist trotz der immensen Kursverluste immer noch sehr anspruchsvoll."

Angesichts der Unsicherheit der Anleger bei der Einschätzung der Konjunkturlage dürften die in der laufenden Woche anstehenden Wirtschaftsdaten stark beachtet werden. In Amerika sind die Erzeugerpreise und Einzelhandelsumsätze am Freitag besonders wichtig. Schon heute stehen die deutsche Industrieproduktion und morgen heimische Arbeitsmarktdaten an.

Wichtige Daten aus USA am Freitag

Die Analysten richten ihr Augenmerk außerdem auf Firmenmeldungen, die möglicherweise die Titel der Branche beeinflussen oder sogar auf die gesamte Börse ausstrahlen könnten. Der weltgrößte Aluminium-Produzent Alcoa startet heute mit Quartalsdaten. Am Mittwoch folgen die Internetfirma Yahoo sowie der Handy- und Chipproduzent Motorola. Die Internet-Softwarefirma Ariba präsentiert am Donnerstag neue Zahlen. In Deutschland werden heute Daten zur Industrieproduktion und zum Arbeitsmarkt erwartet. Mit Interesse erwarten Investoren auch den für heute anstehenden Rückblick von Daimler-Chrysler auf das Jahr 2000.

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