Kursanstieg der T-Aktie verhindert Schlimmeres
Europa-Börsen auf breiter Front schwächer

Die europäischen Börsen haben am Dienstag von einem plötzlichen Kursanstieg der Aktie der Deutschen Telekom profitiert und frühere deutliche Verluste wenigstens zum Teil etwas begrenzen können. Der DJ-Stoxx50-Index lag 1,14 Prozent im Minus bei 3037,8 Zählern.

Reuters FRANKFURT/M. Die Telekom-Aktie erhielt Auftrieb durch Spekulationen, dass Konzernchef Ron Sommer zurücktreten könnte. Doch die Stimmung an den Märkten bleibe angeschlagen, hiess es weiter. Daran habe auch eine Rede des US-Präsidenten George W. Bush nichts geändert, in der dieser sich zu den in jüngster Zeit bekannt gewordenen Bilanzmanipulationen äusserte. Auch wenn Bush schnelle Reformen in Aussicht gestellt habe, so werde es doch dauern, bis das Vertrauen der Investoren in die Märkte wieder hergestellt sei, erklärte ein Händler.

Als Negativfaktor erwies sich laut Händlern auch die Rückstufung der Kreditwürdigkeit des Chipausrüsters Alcatel durch die Ratingagentur Moodys auf einen "Junk-Status". Technologie- und Telekomwerte führten den Abwärtstrend an, der durch schwache deutsche Daten zum Arbeitsmarkt und zur Industrieprodukten verstärkt wurde. SAP verloren 3,9 Prozent, während die Titel der britischen Sage gar acht Prozent einbüssten. Siemens fielen nach einer Rücknahme des Kursziels durch einen US-Broker um 4,3 Prozent.

LONDON - Die Börse London schloss schwächer. Der FTSE-100-Index lag 1,27 Prozent im Minus bei 4542 Zählern. Sorgen der Anleger um gefälschte Bilanzen sowie verhaltene Gewinnaussichten drückten Händlern zufolge auf die Stimmung am Markt. Unter Druck standen vor allem Telekom - und Ölwerte. Die Papiere des Mobilfunkriesen Vodafone litten unter der Meldung, wonach die Auslieferung von Mobiltelefon in Japan markant gefallen sei. Vodafone, die mit der Tochtergesellschaft J-Phone in Japan engagiert ist, büsste 3,4 Prozent ein. Cable & Wireless sanken 2,7 Prozent und British Telecom verloren zwei Prozent. Sinkende Rohölpreise setzten die Aktien der Ölkonzerne Shell und BP unter Druck. Deutliche Kursrückgänge wurden auch in den Technologie-, Medien- und Versicherungswerten ausgemacht. Die Aktien der Softwarefirma Sage sanken acht Prozent.

ZÜRICH - Sinkende Notierungen bei den Versicherungen setzten den Schweizer Aktien erneut zu. Börsianern zufolge war der schwache Dollar ein weiterer negativer Faktor. Der SMI schloss 0,59 Prozent tiefer auf 5967 Punkten. Der Entscheid des Bundesrats, den Mindestverzinsungssatz auf drei von vier Prozent zu senken, habe den Markt nur in einem ersten Schritt erfreut. Daher gaben vor allem die Versicherungen ihre in diesem Zusammenhang in der Vorwoche erzielten Gewinne wieder ab. So sanken Rentenanstalt 3,2 Prozent auf 368 sfr. CS Group, mit Winterthur ebenfalls stark in der Beruflichen Vorsorge aktiv, büssten 1,5 Prozent ein auf 46,70 sfr. Auch Baloise und Swiss Re gaben nach, während sich Zurich von früheren Verlusten erholten.

PARIS - An der Börse Paris notierte der CAC-40 Index rund ein Prozent im Minus bei 3819 Punkten. Angeführt wurde der Abwärtstrend von der um neun Prozent nachgebenden Aktie der Catering-Firma Sodexho Alliance, die ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr zurücknahm. Belastet haben auch schwache Telekomtitel wie France Telecom und der Kursverlust bei Alcatel. Alcatel büssten nach der Rückstufung durch die Ratingagentur Moodys vorübergehend um über 12 Prozent ein und gingen 2,2 Prozent tiefer aus dem Handel. Entgegen dem Trend rückten Vivendi Universal um 1,7 Prozent vor.

FRANKFURT - Überwiegend schwache Konjunkturdaten und massive Kursverluste der Technologiewerte belasteten am Dienstag die deutschen Aktienmärkte. Der Deutsche Aktienindex (Dax) verlor 2,1 Prozent auf 4348 Zähler. Die Titel der Deutschen Telekom schwankten dabei vor dem Hintergrund neuer Spekulationen um die Zukunft des Telekom-Chefs Ron Sommer stark. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) korrigierte seine bisherige Wachstumsprognose für 2003 für Deutschland leicht nach unten auf 2,0 Prozent. Auch die Lage auf dem Arbeitsmarkt verschlechterte sich im Juni, was für die Jahreszeit ungewöhnlich ist. Die mit Spannung erwarteten Vorschläge von US-Präsident George W. Bush zur Verschärfung der Strafen für bestimmte Wirtschaftsdelikte wurden von Börsianern zurückhaltend aufgenommen.

BENELUX - Schwache Technologietitel wie Philips und ASML setzten den Benelux-Börsen zu. Die enttäuschend aufgenommenen Prognosen des Computerherstellers Dell sowie Rückstufungen von Chip-Equipment-Herstellern hätten diese Werte belastet, sagten Händler. Philips ermässigten sich um 1,3 Prozent, ASML gaben über fünf Prozent nach. In Amsterdam notierte der AEX-Index 1,1 Prozent tiefer auf 429,30 Punkte, während der Bel20 der Brüsseler Börse ein Prozent auf 2523,04 Zähler verlor. Die Finanzwerte büssten frühe Gewinne ein.

MAILAND - Die italienischen Aktien schlossen unter Führung des in Folge einer Verkaufsempfehlung von Lehman Brothers um drei Prozent schwächeren Banktitels Sanpaolo IMI mit nachgebender Tendenz. Der Mib30-Index verlor 0,4 Prozent auf 27.853 Punkte. Fiat gaben 1,1 Prozent nach. Pirelli legten nach Deckungskäufen 2,9 Prozent zu.

MADRID - An der schwächeren Madrider Börse schlossen die Titel der beiden Grossbanken Banco Bilbao Vizcaya Argentaria und Santander Central Hispano jeweils mit Verlusten von mehr als drei Prozent. Telefonica gaben ebenfalls gut drei Prozent ab nachdem das Unternehmen erklärt hatte, bei einer Rechnungslegung gemäss US-Regeln sei 2001 ein Verlust angefallen. Der Ibex-35 Index sank 1,9 Prozent auf 6997,7 Zähler.

SKANDINAVIEN - An den skandinavischen Börsen sanken die Kurse bei dünnen Umsätzen auf breiter Front. Lediglich ein paar kleinere Werte konnten sich dem Abwärtstrend entziehen. AstraZeneca tendierten fester, da eine Studie ergab, dass das CholestHerol-Mittel des Konzerns besser wirken soll als das des Konkurrenten Pfizer. Nokia und Ericsson , die beide gut zwei Prozent verloren, wollen in der nächsten Woche Zwischenbericht vorlegen und bis dahin werden nach Händlerangaben kaum Aktivitäten in den Titeln erwartet. Der Stoxx Nordic Index fiel 1,6 Prozent.

WIEN - Der Wiener Aktienmarkt schloss nach schwachem Sitzungsverlauf knapp behauptet. Der ATX ging 0,1 Prozent tiefer mit 1229,04 Punkten aus dem Markt. Zu den Gewinnern gehörten VA Tech, die ihre Erholung mit einem Plus von 1,5 Prozent fortsetzten. Austrian Airlines stiegen 1,2 Prozent. AUA teilten mit, ihr Aktienrückkaufprogramm am Dienstag abgeschlossen zu haben. Tiefer waren BWT, die zwei Prozent verloren.

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