Kursanstieg um 3/4 Cents
Euro hat vorerst Rekordtief der letzten Nacht überwunden

Am Morgen stieg der Euro um 3/4 Cents. Investoren erwarten, dass sich Duisenberg posititiv zur Euro-Unterstützung äußern wird.

Reuters FRANKFURT. Der Euro hat sich am Donnerstag im Vorfeld des Ratstreffens der Europäischen Zentralbank (EZB) im Frühhandel bei Kursen nahe 0,84 $ und damit rund 3/4 Cents über seinem in der Nacht markierten Rekordtief von 0,8324 $ eingependelt. Händlern zufolge warteten die Investoren, ob sich EZB-Chef Wim Duisenberg am Donnerstag nach der EZB-Ratssitzung zum Euro äußern wird. Auf der Pressekonferenz müsse Duisenberg deutlich machen, dass die EZB den Euro sehr wohl am Devisenmarkt stützen könne. Äußerungen von US-Finanzminister Lawrence Summers, wonach die USA die Sorgen der USA wegen des angeschlagenen Euro teilten, hätten das Risiko erneuter Interventionen der G-7-Zentralbanken wieder in das Bewusstsein der Akteure gerückt. Der Euro notierte gegen 09.25 Uhr MESZ mit 0,8418/21 nach einer letzten Notiz am Vorabend in New York von 0,8386/90 $. Die US-Währung kostete 107,76/86 (107,83/91) Yen.

Analysten erwarten stabile Leitzinsen

Trotz der dramatischen Kursverluste des Euro vom Vortag erwarten die meisten Analysten von der Ratstagung der EZB unveränderte Leitzinsen. Die Finanzmärkte blicken weniger auf den Zinsbeschluss selbst, sondern warten gespannt auf die Pressekonferenz mit dem seit Tagen unter Druck stehenden EZB-Chef Wim Duisenberg ab 14.30 Uhr MESZ. Falls die EZB - wie erstmals am 22. September - wieder gemeinsam mit den anderen Notenbanken der sieben führenden Industrienationen (G-7) intervenieren sollte, könnte dies zumindest vorübergehend den Druck auf Duisenberg mildern.

EZB-Chef Duisenberg steht unter Kritik

Der EZB-Chef wird seit Wochenbeginn scharf angegriffen, da er Devisenhändlern und Volkswirten zufolge in einem Zeitungsinterview signalisiert hatte, die EZB werde im Falle von Kursverlusten wegen der Nahost-Krise nicht zu Gunsten des Euro intervenieren. Duisenberg werde erklären müssen, ob er die Möglichkeit einer weiteren Intervention tatsächlich für unwahrscheinlich halte, oder ob ihm einfach ein Fehler unterlaufen sei, sagten Analysten.

Diskussion um Euro-Intervention

Die Möglichkeit erneuter Devisenmarkt-Eingriffe der Notenbanken sei den Akteuren am Markt nach den Äußerungen von US-Finanzminister Summers offenbar wieder deutlicher geworden, sagten Händler. Summers hatte erklärt, ein starker Dollar sei im nationalen Interesse der USA. Zugleich bekräftigte er jedoch am Mittwochabend bei einer Konferenz in New York, die USA teilten die Besorgnis Europas um den angeschlagenen Euro. Die US-Position sei im Übrigen in der Erklärung der Siebenergruppe der führenden Industrienationen (G-7) enthalten. Darin werde auch auf die Risiken, die ein schwacher Euro für die Weltwirtschaft darstellt, eingegangen. Er lehnte es jedoch ab, Fragen nach der Bereitschaft der USA zu erneuten Interventionen zur Stützung des Euro zu beantworten.

Nach den Worten des Gouverneurs der Bank von Japan, Masaru Hayami, wird die Siebenergruppe der führenden Industrienationen (G-7) angemessen am Devisenmarkt reagieren, wenn dies erforderlich ist. Vor der Presse in Tokio sagte Hayami am Donnerstag zu dem in der Nacht markierten Rekordtief des Euro von 0,8324 $, an der Haltung der G-7 habe sich nichts geändert.

Händler beachten auch Ifo-Geschäftsklimaindex

Händlern zufolge dürfte der Markt jedoch auch dem Ifo-Geschäftsklimaindex, dessen Veröffentlichung das Ifo aus technischen Gründen auf frühestens 14.00 von 10.00 Uhr verschoben hat, Beachtung schenken. Nach Prognosen von Volkswirten hat sich der Ifo-Geschäftsklimaindex für Westdeutschland im September zum vierten Mal in Folge verschlechtert. Im Durchschnitt erwarten sie einen leichten Rückgang auf 98,6 von 99,0 Punkten im August. Mögliche Aufschlüsse über die Einschätzung der Konjunktur in den USA und die Zinspolitik der Fed könnte nach Ansicht von Händlern die für 15.00 Uhr MESZ geplante Rede von US-Notenbankpräsident Alan Greenspan bei einer Konferenz des CATO-Institutes zum Thema "Währungspolitik in der New Economy" liefern.

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