Kursanstiege sind laut Händlern liquiditätsgetrieben
Dax: Hoffnung auf EZB-Zinssenkung beflügelt

Institutionelle Anleger sorgten laut Händlern mit ihren Käufen weiterhin für Kurszuwächse am deutschen Aktienmarkt. Keiner könne es sich leisten, bei steigenden Kursen nicht investiert zu sein, hieß es zur Begründung. Besonders gefragt waren Lufthansa und Commerzbank. Adidas bildeten das Schlusslicht.

HB FRANKFURT/M. Die deutschen Aktienkurse scheint derzeit auf ihrem Weg nach oben nichts stoppen zu können. Nur kurz währten zu Sitzungsbeginn die Gewinnmitnahmen, dann schwenkte der Deutsche Aktienindex (Dax) wieder auf die Gewinnerstraße ein. Bis zum Handelsschluss notierte das Börsenbarometer bei guten Umsätzen mit 4811,82 Punkten (+2,3 %).

Obwohl sich viele Marktteilnehmer angesichts der steigenden Kurse zunächst ratlos zeigten, hatten sie doch bald einige Begründungen für die vielen Pluszeichen parat: Gute deutsche Konjunkturdaten hätten dem Dax geholfen, hieß es. Zum einen seien die Importpreise stärker gefallen als erwartet und zum zweiten sei der Anstieg der Industrieproduktion im August nach revidierten Angaben der Bundesbank höher ausgefallen als noch vor zwei Wochen berichtet. Hinzu kämen Hoffnungen, die Europäische Zentralbank werde an diesem Donnerstag die Zinsen senken. Und nicht zuletzt lenkten weiterhin Fonds ihre freie Liquidität zurück in den Markt. Auch wenn einige Fondsmanager von den steigenden Kursen nicht wirklich überzeugt seien, müssten sie dennoch mit kaufen, um beim Aufschwung dabei zu bleiben, erklärte ein Händler.

Befürchtungen eines Marktteilnehmers, die Börse laufe heiß und werde zum Selbstläufer, da immer mehr Anleger investierten und damit für weitere Kursaufschläge sorgten, bestätigten sich indes nicht. Am Nachmittag bröckelte der Dax bereits wieder etwas ab, stabilisierte sich aber deutlich oberhalb des Schlussstandes vom Vortag.

Angeführt wurden die Kursgewinner lange Zeit von den Lufthansa -Aktien. Händler sagten, die Verlängerung der Haftungsgarantien für Fluggesellschaften durch die Bundesregierung verleihe den Papieren Auftrieb. Die Bundesregierung hatte mitgeteilt, diese Garantien nach den Terroranschlägen in den USA um einen weiteren Monat verlängern zu wollen. "Ein bisschen merkwürdig ist das schon: die Verluste werden immer größer und der Kurs steigt", äußerte sich Edgar Wilczek von Concord Effekten. Allerdings dürfte die Lufthansa nach den Konsolidierungen der Fluggesellschaften die Nummer eins in Europa sein, fügte er hinzu. Auch Commerzbank legten überdurchschnittlich zu. "Die schwimmen im Strom mit", sagte ein Parketthändler schulterzuckend. Dass die Aktie sich besser als der Markt entwickele, liege wohl daran, dass sie zuvor stark geprügelt worden sei.

Gesucht waren weiterhin die Aktien der Siemens -Familie und der Telekom . Letztere profitiere von guten Nachrichten ihrer europäischen Wettbewerber, hieß es. So hatte Orange mitgeteilt, die eigenen Prognosen übertreffen zu wollen. Sonera hatte gute Zahlen bekannt gegeben und Lob von Analysten bekommen. Auch die Versicherungen Allianz und Münchener Rück zeigten sich fester. Die Allianz Allianz-Tochter Lebensversicherungs-AG hatte als gut interpretierte Zahlen vorgelegt.

Zu den Verlierern gehörten Hypo-Vereinsbank . Das Institut gibt heute Neunmonatszahlen bekannt. Adidas verbuchten die größten Verluste. Der Handel wurde sogar kurz wegen hoher Volatilität unterbrochen. Ein Frankfurter Privat-Bankhaus habe große Pakete dieser Aktie verkauft, hieß es im Markt.

Die Aktien der zweiten Reihe hinkten den großen Werten hinterher. Der M-Dax verbesserte sich gerade mal um 0,2 % auf 4200,82 Punkte. Dürr legten nach Neunmonatszahlen zu. Bei Pro-Sieben-Sat-1 hatte der gemeldete Umsatz lediglich am unteren Rand der Erwartungen gelegen, die Aktie drehte am Abend ins Minus. Die Software AG dagegen hatte den Markt sowohl vom Umsatz als auch vom Ergebnis her enttäuscht, auch dieser Wert gab nach.

An den Regionalbörsen zeigten sich zur Kasse lediglich die Werte in München schwächer. Bremen schloss unverändert, Düsseldorf freundlich und Stuttgart fest. An den restlichen Handelsplätzen war die Tendenz uneinheitlich.

Quelle: Heike Herbertz
Petra Hoffknecht
Handelsblatt / Redakteurin
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