Kursausschläge sind programmiert
Strukturreform der Aktienindizes wirft Schatten

Noch sind es genau neun Tage, bis am 21. Juni nach Börsenschluss die Strukturreform für die Aktienindizes der Deutschen Börse wirksam wird. Dann werden alle Indextitel nach ihrem Streubesitzanteil gewichtet. Doch das große Ereignis wirft bereits seine Schatten voraus und dürfte auch für Privatanleger nicht uninteressant sein. Experten glauben, dass die erwartete Neugewichtung bereits im Vorfeld für Kursausschläge sorgen wird.

scc FRANKFURT/M. "Die Gewichtung vieler Einzeltitel ändert sich deutlich", sind sich die Analysten von Commerzbank Securities in einer gerade veröffentlichten Studie sicher. In Dax, MDax, Smax und Nemax werden Aktien, deren Gewicht sich erhöht, tendenziell an Wert zulegen. Größte Bedeutung kommt natürlich dem Deutschen Aktienindex (Dax) zu. Siemens, Deutsche Bank und Eon werden von den Commerzbank-Analysten wegen ihres besonders hohen Anteils an frei handelbaren Aktien als Gewinner der Regelung betrachtet, Deutsche Telekom, Münchener Rück und BMW wegen ihres geringen Free Floats als Verlierer. Die gleichen Namen wurden kürzlich bereits in einer Einschätzung der Deutschen Bank genannt. Damit würde Siemens auch die Allianz als schwerste Aktie im Dax auf Platz zwei verdrängen. Gleichzeitig würden die zehn größten Titel unter den Top 30 ihr Gewicht weiter erhöhen.

Die Konsequenz daraus: Aktienfonds, die den Dax nachbilden, passen sich an die veränderten Indexgewichte an und schichten ihre Pakete entsprechend um. Die Commerzbank-Analysten empfehlen deshalb spekulativen Anlegern den Aufbau von Long-/Short-Strategien. Will heißen: Index-Nachfragegewinner, bei denen die Einarbeitungszeit der Indexanpassung vergleichsweise lang ist, wie beispielsweise bei Eon, Adidas-Salomon oder Bayer sollten gegen eine Shortposition im Dax-Future oder eine Shortposition von Index-Verlierern gestellt werden.

Ähnlich gestaltet sich die Situation bei den 70 im MDax gelisteten Werten. Die Deutsche Börse, Continental und Merck werden als Gewinner der Neugewichtung genannt, Beiersdorf, AMB Generali und BHW Holding als Verlierer. Da der durchschnittliche Free Float im MDax aber mit etwa 48,5 % deutlich unter dem im Dax mit ca. 72 % liegt, nimmt auch die relative Bedeutung des MDax zum Dax ab, schreiben die Commerzbank-Analysten.

Noch niedriger als im MDax liegt der durchschnittliche Free Float im Nemax 50 (43 %). Von der Neugewichtung könnten hier vor allem Singulus, BB Biotech und Aixtron profitieren, während Comdirect, Medion und Mobilcom wegen ihres geringen Anteils an frei handelbaren Aktien Kurseinbußen befürchten müssen, heißt es. Allerdings werden im Nemax Indexgewichte über 10 % auf diese Grenze gekappt, wovon Qiagen (14,9 %), T-Online (12 %) und BB Biotech (11,5 %) betroffen sind. Trotzdem weisen die Top 5 im Nemax 50 dann noch einen Anteil von 45 % auf (vorher 43 %).

Quelle: Handelsblatt

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