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Kurse argentinischer Staatsanleihen brechen ein

Analysten rechnen bereits mit einem Zahlungsausfall und mit einer Abwertung des argentinischen Peso. Der Aktienmarkt gewann hingegen dazu.

FRANKFURT/M. Die Finanzmärkte haben auf die Zuspitzung der Krise in Argentinien zunächst mit weiteren Verkäufen von Anleihen des Landes reagiert. Analysten schließen einen Zahlungsausfall Argentiniens nicht länger aus. "Die Wahrscheinlichkeit hat sich erhöht", sagt Mauro Toldo, Rentenanalyst bei der DZ-Bank.

Die im Dezember des Jahres 2008 fällige Dollaranleihe des krisengeschüttelten Landes, die am Mittwoch nach dem Rücktritt von Wirtschaftsminister Domingo Cavallo bereits um 300 Basispunkte auf 28 % gefallen war, sackte am Donnerstag weiter ab. Der Tiefpunkt lag bei 26,5 %. Am späten Nachmittag lag der Kurs dann wieder bei 28,25 %, was einer Rendite von etwa 46,2% entspricht.

Trotz der angespannten Lage war Argentinien am Mittwoch noch der Verpflichtung zur Zahlung der Zinsen auf diese Dollaranleihe nachgekommen. "Die Kurse argentinischer Staatsanleihen können sich in absehbarer Zeit noch einmal halbieren", sagt Jürgen Odenius, Rentenanalyst bei Commerzbank Securities in London. Die Unsicherheit sei gewachsen. "Das in rauer See treibende Schiff hat keinen Steuermann mehr", begründet Peter West von BBVA Securities in London die Nervosität der Märkte.

Beim Finanzhaus J.P. Morgan wird davon gesprochen, dass Argentinien im ersten Quartal des kommenden Jahres ein Schuldenmoratorium ausrufen wird. Bei der befristeten Stundung von Schulden werden alle Zins- und Tilgungsleistungen eingefroren und auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Auch das Finanzhaus Goldman Sachs verweist auf die existierenden Risiken: "Argentinien bleibt in unserem Modell-Portfolio stark untergewichtet." Die derzeitigen Kurse würden das Risiko der Zahlungsunfähigkeit noch nicht reflektieren. Daher raten die Analysten zur Zurückhaltung.

An den Märkten wird erwartet, dass Argentinien die Anbindung des Pesos an den US-Dollar aufgeben wird und es dann zu einer starken Abwertung der Währung kommt. "Dies ist das wahrscheinlichste Szenario", sagt Nicolas Schlotthauer, Rentenexperte bei der DGZ-Dekabank. Auch Commerzbank - Experte Odenius hält eine starke Abwertung für sehr wahrscheinlich. Für Joaquin Cottani von Lehman Brothers liegt die Chance, dass die Anbindung des Pesos an die US-Währung aufrechterhalten bleibt, bei nur noch 35 %.

Die erwartete Abwertung des Pesos hat wohl auch den Aktienmarkt in Buenos Aires beeinflusst. Dort zogen die Kurse im Anfangsgeschäft weiter kräftig an. Der Merval-Index lag nach einer Handelsstunde um mehr als 8 % höher. Aktien von Exportgesellschaften wiesen die größten Kursgewinne auf.

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