Kurse der Staatsanleihen stiegen nach BoJ-Entscheidung auf Rekordniveau
Bank of Japan kämpft gegen Deflation

Die japanische Notenbank (BoJ) will im Zuge einer deutlichen Abkehr ihrer bisherigen Geldpolitik den Geschäftsbanken mehr Liquidität bereitstellen, um der schwachen Konjunktur und den sinkenden Verbraucherpreisen entgegen zu wirken.

Die japanische Notenbank (BoJ) will mit einer drastisch geänderten Geldpolitik die Wirtschaft des Landes wieder beleben und die Deflation abwenden. Die BoJ werde künftig nicht mehr den Zins für Tagesgeld vorgeben, sondern stattdessen das Volumen der Guthaben der Geschäftsbanken bei der Notenbank steuern, teilte die BoJ am Montag im Anschluss an ihre Sitzung in Tokio mit. Durch den Kauf von japanischen Staatsanleihen will die Bank ausreichend Liquidität bereitstellen. Nach Einschätzung von Analysten kehrt die BoJ damit de-facto zu ihrer Null-Zinspolitik zurück, die sie im August 2000 gegen den Willen der Regierung beendet hatte.

Die Kurse der japanischen Staatsanleihen stiegen im Anschluss an die BoJ-Entscheidung auf ein Rekordniveau. Der Yen fiel zum Dollar zeitweise auf ein neues 22-Monatstief von 123,61 Yen.

In der Praxis will die BoJ die bei ihr gehaltenen täglichen Guthaben der Geschäftsbanken auf 5 Bill. von bisher 4 Bill. Yen erhöhen. Die Guthaben der Geschäftsbanken bei der Zentralbank bilden zusammen mit dem Bargeldumlauf die Basis für die Kreditvergabe und das Geldmengenwachstum. Die BoJ geht davon aus, dass der entscheidende Satz für Tagesgeld von derzeit 0,15 % künftig gegen Null fällt .

Geldpolitische Lockerung wegen Verschlechterung der Wirtschaft

"Japans Wirtschaft hat es nicht geschafft, auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zurück zu kehren, und jetzt droht ihr eine erneute Verschlechterung", warnte die BoJ. Vor diesem Hintergrund sei eine drastischere geldpolitische Lockerung notwendig als unter normalen Umständen. BoJ-Chef Masaru Hayami bekräftigte, es gebe zunehmende Anzeichen für eine weitere Verlangsamung der japanischen Wirtschaft und bezeichnete den Schritt als eine quantitative Lockerung. "Wir werden die Tagesgeldsätze jetzt dem Markt überlassen, da wir jetzt das Volumen steuern. Also kann man unsere Maßnahmen als eine Art quantitative Lockerung interpretieren." sagte Hayami.

Ihre neue geldpolitische Haltung will die BoJ den Angaben zufolge so lange beibehalten, bis sich der Verbraucherpreisindex, der in den vergangenen zwei Jahren gesunken war, wieder nahe bei oder über Null stabilisiert. Im vergangen Jahr war der Verbraucherpreisindex um 0,7 % gesunken. "Das ist zwar per se kein Inflationsziel, verpflichtet die Bank aber zu einer sehr langen Periode billigen Geldes", sagte James Malcolm von JP Morgan.

Analysten äußerten sich insgesamt verhalten optimistisch über den Politikwechsel der BoJ. "Entscheidend ist, dass die Notenbank wieder auf 0 % beim Tagesgeld zurück gegangen ist und zwar mit unkonventionellen Mitteln", sagte Vincent Musumeci, von ABM Amro in Tokio. Unklar sei aber, welche Auswirkungen die neue Politik auf die Realwirtschaft des Landes haben werde. Die sinkenden Verbraucherpreise resultieren aus einer schwachen Nachfrage, betonte ein Analyst. Deshalb bleibe abzuwarten, ob eine größere Liquiditätsbereitstellung ausreichend sei für eine Wiederbelebung der Nachfrage.

Zehnjähriger Bond kletterte auf Rekordhoch

Vor der Bekanntgabe des Zinsentscheids hatte der 225 Werte umfassende Nikkei Index den Handel mit 0,34 % im Minus bei 12 191 Punkten beendet. Noch am Montag hatten Regierungsvertreter eine deutliche geldpolitische Lockerung angemahnt. Der richtungweisende zehnjährige Bond kletterte nach der Ankündigung auf ein Rekordhoch von 140,25 %.

Die japanische Notenbank hatte erst Ende Februar den Zielsatz für Tagesgeld von 0,25 auf 0,15 % gesenkt. Im August vergangenen Jahres hatte die BoJ ihre 18 Monate dauernde Nullzinspolitik gegen den Willen der Regierung beendet, da sich die japanische Wirtschaft erstmals seit Jahren von ihrer Rezession deutlich erholt hatte. Der Yen fiel zeitweise auf ein neues 22-Monatstief von 123,61 Yen und notierte zuletzt wieder etwas fester.

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