Kurse von Infineon, ST Microelectronics und ASM Lithography fallen schier ins Bodenlose
Halbleiteraktien: Auch auf Rekord-Tiefständen noch zu teuer

Seit langem warten in der Halbleiter-Branche Firmen und Anleger vergeblich auf die Trendwende. Die Nachfrage nach den Bauteilen für Personal-Computer, Handys und Unterhaltungselektronik bleibt flau. Investoren steigen aus.

FRANKFURT/M. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Immer wieder hat Ulrich Schumacher, Chef von Infineon Technologies erklärt, sein Halbleiter-Konzern sei optimal auf den erwarteten Aufschwung der Chippreise vorbereitet. Nur: Der Aufschwung kommt nicht.

Jetzt reißt immer mehr Investoren der Geduldsfaden. Sie verkaufen Halbleiter-Aktien wie Infineon, ST Microelectronics, ASM Lithography und Royal Philips - einst die Stars der Hightech-Euphorie. Die Kurse fallen schier ins Bodenlose, Infineon erreichten am Dienstag ein neues Allzeit-Tief. Sogar der notorische Optimist Schumacher überraschte vergangene Woche mit neuen Tönen: Er könne keine Erholung im nächsten Jahr absehen, und die nächsten ein oder zwei Quartale "bleiben schwierig", sagte er.

Bei so viel Pessimismus könnte man fast schon wieder positiv denken: So langsam müssten alle negativen Nachrichten in den Aktienkursen enthalten sein - oder? Leider noch nicht ganz, sagt Anlagestratege Ben Funnell von der Investmentbank Morgan Stanley. Er hat eine neue Formel für das "faire" Kurs-Umsatz-Verhältnis von Halbleiteraktien entwickelt und rät: "Halbleiteraktien muss man derzeit nicht im Depot haben." Die Kurs-Umsatz-Ziffer verwenden fast alle Halbleiter-Analysten, weil das geläufigere Kurs-Gewinn-Verhältnis wegen der extremen Gewinnschwankungen der Branche kaum anwendbar ist.

Funnell hält etwa ST Microelectronics trotz des brutalen Kurseinbruchs für zu teuer. Die Aktie kostete gestern das 2,3-fache des Umsatzes, weit über dem "fairen" Wert von 1,7. Auch die anderen europäischen Branchenwerte erscheinen noch nicht billig, mit Ausnahme von ASM Lithography.

Nicht nur Morgan Stanley ist vorsichtig. "Halbleiter-Konzerne brauchen eine längere Phase, in der es richtig schlecht läuft", sagt Abhijit Chakrabortti, Chefstratege bei JP Morgan. Die massiven Überkapazitäten der Branche müssten erst durch Fusionen und Übernahmen verschwinden, bevor die Gewinne wieder steigen können. Doch offenbar sei der Druck noch nicht hoch genug. "Sobald sich die Chippreise nur ein bisschen erholen, werden Fusionsverhandlungen sofort abgebrochen", erinnert Chakrabortti an mehrere gescheiterte Konsolidierungsversuche. Auch Analyst Nicolas Gaudois von der Deutschen Bank sieht schwarz: Er senkte diese Woche seine 2003-Wachstumsprognose für die Branche - von 13 % auf nur noch zwei bis sechs Prozent.

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