Kurseinbruch der Telekom belastet den Deutschen Aktienmarkt
Dax kann Kursgewinne der Nasdaq nicht nachmachen

Belastet vom Kurseinbruch der Deutschen Telekom, notierte der Deutsche Aktienindex zum Schluß fast 1 Prozent tiefer.

Reuters FRANKFURT. Die deutschen Aktienwerte haben die Kursgewinne an der US-Technologiebörse Nasdaq Händlern zufolge nur halbherzig nachvollzogen und erneut tiefer geschlossen. Der Deutsche Aktienindex (DAX), belastet von einem Kurseinbruch der Deutschen Telekom, notierte zum Ende der Sitzung 0,77 % tiefer bei 6 200,71 Zählern, während das Börsenbarometer der US-Technologiebörse Nasdaq Composite am Abend (MEZ) wider Erwarten 1,21 % im Plus bei 2 360 Zählern lag. Aufgrund von Gewinnwarnungen einiger großer US-Unternehmen, darunter Lucent Technology und Telekomkonzern AT&T hatten Händler mit weiteren Kursabstrichen gerechnet. Die Drehung der Nasdaq ins Plus deute auf einen Ausverkauf an der US-Technologiebörse hin, erklärte sich ein Händler den Stimmungsumschwung.

Nach dem Kurseinbruch der Nasdaq am Mittwoch um über 7 % dürfe man die positive Tendenz der US-Technologiebörse nicht überbewerten, sagte Lars Schwartau, Händler bei der Berenberg Bank. Der Kursanstieg am US-Technologiesegment sei zu gering, um die deutschen Anleger wieder zu Käufen am Standardwertemarkt zu bewegen. Eine Händlerin sagte, dass insbesondere die institutionellen Anleger ungeachtet der US-Vorgaben den Jahresbeginn abwarten wollten.

Etwas empfänglicher für die US-Vorgaben präsentierte sich den Angaben von Händlern zufolge der angeschlagene Neue Markt. Der Blue-Chip-Index hatte am Nachmittag ein neues Jahrestief bei 2 666,49 Punkten erreicht, erholte sich aber im Sog der verbesserten Vorgaben aus den USA auf 0,23 % unter Vortagesschluss bei 2 752 Zählern. Der alle Technologiewerte umfassende Nemax All Share schloss die Sitzung nach volatilem Handelsverlauf 0,57 % tiefer bei 2 661,19 Zähler.

Aktienverkäufe aus steuerlichen Gründen

Zum Jahresende wird nach Ansicht einiger Börsianer das Marktgeschehen von Aktienverkäufen aus steuerlichen Gründen mitbestimmt. Investoren wollten ihre Spekulationsverluste mit ihrer Steuerschuld des laufenden Jahres verrechnen oder auf das kommende Jahr übertragen, hieß es. Dabei würden vornehmlich einzelne Technologietitel abgestoßen und die Erlöse auf dem Rentenmarkt geparkt, sagte ein Händler.

Nach Ansicht von Rainer Gildhuis, Händler der WGZ Bank, könnte frisches Geld an den Märkten im Januar zu "explosiven Kurssteigerungen" führen, die jedoch von temporärer Natur sein werden dürften. Erfahrungsgemäß folge einem Markteinbruch eine langatmige Seitwärtsbewegung, sagte er. Am Neuen Markt wird es nach Ansicht eines Händlerns vermutlich noch mindestens zehn Jahre dauern, bis die Indexstände des ersten Jahresquartal wieder erreicht würden.

Gewinnwarnung bei AT&T drückt den Telekomwert

Die Gewinnwarnung des US-Telefonkonzerns AT&T drückten die Deutsche Telekom auf ihren tiefsten Stand seit fast zwei Jahren, wie Händler sagten. Deutschlands "Volksaktie" verlor knapp 6 % auf 32,96 Euro und büßte damit mehr als zwei Drittel ihres Wertes im Vergleich zum Jahreshoch von 104,90 Euro Anfang März ein. Das Abrutschen der T-Aktie unter die Marke von 33 Euro könnte eine Neuverhandlung der geplanten Übernahme des US-Mobilfunkanbieters Voicestream bedeuten, was Händlern zufolge zusätzlichen Druck auf die T-Aktie ausübte. Zudem sei angeblich ein großer Investor aus dem Wert ausgestiegen, hieß es. AT&T hatte am Mittwoch nach US-Börsenschluss die Umsatz- und Gewinn-Prognose für das vierte Quartal 2000 reduziert und zugleich erstmals in der rund 100-jährigen Firmengeschichte die Dividende gekürzt.

Auch der US-Telekomausrüster Lucent hatte am Mittwoch eine Gewinnwarnung abgegeben, worauf nach Angaben von Händlern in Frankfurt unter anderem SAP mit einem zwischenzeitlichen Minus von fast 6 % erlitten. Das Papier erholte sich jedoch im späten Handel und schloss die Sitzung 1,11 % tiefer bei 146 Euro.



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