Kursentwicklung widerspricht Mythos vom Crash-Monat Oktober
November könnte der Börse Tristesse bringen

In diesem Jahr hat sich besonders deutlich gezeigt, dass der Oktober keineswegs fallende Kurse bringen muss. Aktienstrategen rechnen jedoch damit, dass der vor allem liquiditätsgetriebenen Erholung der vergangenen Wochen ein erneuter Rückschlag droht. Danach könnten längerfristig orientierte Anleger das Steuer wieder herumreißen.

ant FRANKFURT/M. Die Regel vom Crash-Monat Oktober gehört in die Mottenkiste der Börsenweisheiten. Das hat nicht erst die Kurserholung der vergangenen Wochen gezeigt, in denen sich der Deutsche Aktienindex Dax um mehr als 5 % verbesserte, während er im bisherigen Jahresdurchschnitt mehr als ein Fünftel verlor. Darin spiegelt sich nach Ansicht von Aktienexperten zwar in erster Linie die Reaktion auf die durch die Terroranschläge ausgelöste Kriegsangst.

Aber auch im gesamten letzten Jahrzehnt war der Oktober nur in Ausnahmefällen ein wirklich schlechter Börsenmonat: Abgesehen von dem Crash im Oktober 1997, in dem allein die deutschen Standardwerte ein Zehntel ihres Wertes verloren, war die Entwicklung lediglich in den Jahren 1991 und 1995 negativ.

Saisonale Kursverluste seien statistisch nur in den Monaten August und September feststellbar, sagt Gerhard Grebe, Aktienstratege von der Bank Julius Bär. "Dann kommen die Anleger aus den Sommerferien zurück und müssen ihr Szenario korrigieren." Hinzu komme im September für gewöhnlich noch Abgabedruck aus Amerika, der die Aktienmärkte kurzfristig belaste. Viele US-Fonds beenden ihr Geschäftsjahr zum 30. September. Aus steuerlichen Gründen realisieren sie dann auch ihre Verluste, um sie mit den Gewinnen zu verrechnen. In einer von Grebe angestellten Langzeitbeobachtung, die die monatliche Kursentwicklung der Dax-Werte aus den Jahren 1990 bis 2000 vergleicht, verlor der Dax im August durchschnittlich 3,4 % und im September 4 %. Alle anderen Monate einschließlich des durch den Börsencrash von 1929 in Verruf geratenen Oktobers wiesen im Beobachtungszeitraum unter dem Strich eine positive Entwicklung auf.

Dass der September von reger Verkaufstätigkeit institutioneller und privater Anleger geprägt ist, belegt auch die Orderbuchstatistik der Deutschen Börse. Zwar schmälerte der Kursverfall in der Zeit nach den Terroranschläge die Aktienumsätze. Dennoch lag der an deutschen Börsen mit Aktien erzielte Umsatz im September mit 97,4 Mrd. Euro um mehr als 10 Mrd. Euro über denen der Urlaubsmonate Juli und August. Wie die Deutsche Börse am Donnerstag mitteilte, ging der Umsatz im Oktober trotz der Kurserholung wieder um etwa 8 % zurück.

Viele Marktteilnehmer werten den Kursverfall in der Zeit um den 11. September als Überreaktion. "Die Märkte haben in dieser Zeit weltweit nahezu alle denkbaren politischen Risiken eingepreist", sagt Grebe. Deswegen hält es der Julius-Bär-Experte für unwahrscheinlich, dass der Dax in absehbarer Zeit wieder auf diese Tiefststände fällt. "Aber die Zeiten des Bärenmarktes sind noch nicht vorbei", warnt er. Die Anleger legten nach der langen Baisse keine große Risikoneigung an den Tag, sondern nähmen Gewinne rasch mit.

Auch Achim Matzke, technischer Analyst bei der Commerzbank, geht davon aus, dass der Erholung im Oktober eine Konsolidierungsphase im November folgen wird. "Vorerst dürften die Bonds den Aktien die Show stehlen", prognostiziert er.

Unisono mit den Aktienstrategen von der West LB geht aber auch Matzke davon aus, dass die Politik der Notenbanker mittelfristig eine deutlich positive Wirkung auf die Entwicklung an den Aktienmärkten haben wird.

Das Rückschlagspotenzial der kommenden Wochen für die deutschen Standardwerte beziffert Grebe auf zehn bis 15 %. "Dann erst werden wieder langfristig orientierte Anleger einsteigen und den Dax bis zum Jahresende auf 4 500 bis 4 700 Punkte treiben", lautet seine Prognose. Optimistischer sind die Analysten von Consors Capital. Sie gehen davon aus, dass der Dax seine Kurserholung ungebrochen in Richtung 5 000 bis 5 100 Punkte fortsetzen wird.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%