Kursgewinn ging zu schnell
Astra-Zeneca sucht neue Kassenschlager

Mit der Aktie ging es zuletzt steil bergauf. Doch die starke Konkurrenz durch billige Nachahmerprodukte macht dem britischen Pharmakonzern zu schaffen.

LONDON. Der britische Pharmakonzern Astra-Zeneca hat seinen Aktionären lange Zeit starke Nerven abverlangt. Doch seit Anfang des Jahres taugt die Nummer zwei auf dem europäischen Markt auch wieder für positive Nachrichten. Nach guten Zahlen für das erste Quartal, die selbst optimistische Analysten überrascht hatten, glückte Anfang Mai auch noch die lang ersehnte Zulassung des neuen Krebsmedikaments Iressa für den US-Markt. Der Aktienkurs war nicht mehr zu halten. Seit Anfang des Jahres hat er um rund 40 % auf zeitweilig über 2500 Pence zugelegt.

Der rasante Kursgewinn ging allerdings einigen Analysten zu schnell. Mehrere Investmentbanken stuften das Papier vor kurzem von "kaufen" auf "halten" herunter. "Schließlich kämpft Astra-Zeneca trotz der guten Nachrichten weiterhin mit großen Problemen wie der Markteinführung neuer Produkte", begründet Michael King von WestLB Panmure in London seine Neubewertung. Waren noch vor wenigen Wochen die Optimisten in der Übermacht, sind es jetzt wieder die Pessimisten. Laut Bloomberg-Statistik empfehlen im Moment nur noch 18 Analysten die Aktie von Astra-Zeneca zum Kauf, während 21 zum Verkaufen und 18 zum Halten raten.

Die professionellen Beobachter sorgt vor allem, dass im vergangenen Jahr gleich für mehrere Astra Zeneca-Produkte - der Patentschutz abgelaufen ist, darunter neben dem Blutdrucksenker Zestril auch Losec/Prilosec - der größte Verkaufsschlager der Briten, ein Medikament gegen Magengeschwüre und Sodbrennen. Beide Produkte haben nun Nachahmer-Konkurrenz durch so genannte Generika bekommen; die Preise geraten unter Druck. Die Folgen sind für Astra-Zeneca schmerzhaft. Der Umsatz mit Losec/Prilosec brach im ersten Quartal 2003 um fast die Hälfte ein.

Die Manager um Konzernchef Tom McKillop stehen nun unter großem Druck, Ersatz auf den Markt zu bringen. Neue Blockbuster, so heißen die Verkaufsschlager im Jargon, müssen her. Doch der Erfolg von Neuentwicklungen ist ungewiss. Beispiel Nexium, Nachfolger der Magen-Pille Losec/Prilosec: "Hier ist der Verkauf zwar äußerst erfolgreich angelaufen, aber ob das Medikament ein ähnlicher Kassenschlager wird wie der Vorgänger, ist völlig ungewiss", sagt James Culverwell, Analyst bei Merrill Lynch.

Dabei sehen die jüngsten Quartalszahlen von Astra-Zeneca hoffnungsvoll aus. Die Briten haben ihren Umsatz entgegen allen Erwartungen währungsbereinigt um 4 % auf 4,73 Mrd. Dollar gesteigert, der Gewinn fiel lediglich um 3 %, und das Unternehmen bekräftigte seine Prognose für das laufende Jahr. Der Losec/Prilosec-Nachfolger Nexium machte sich besonders gut. Sein Umsatz stieg von 356 Mill. Dollar auf 835 Mill. Dollar. Doch WestLB-Analyst King warnt vor Euphorie: "Bisher ist nur das erste Prilosec-Generikum auf dem Markt. Die weiteren werden zu noch schärferer Konkurrenz führen."

Neben dem neuen Magen-Medikament ruhen die Hoffnungen von Astra-Zeneca vor allem auf dem ebenfalls neuen Cholesterinsenker Crestor. Er soll dem Konzern einen weiteren großen Wachstumsmarkt erschließen. Denn weltweit gaben die Menschen im vergangenen Jahr rund 19 Mrd. Dollar für Blutfett-Medikamente aus, Tendenz steigend. Doch die Markteinführung von Crestor hat sich immer wieder verzögert. Und Astra-Zeneca sieht sich großer Konkurrenz gegenüber. Die Schwergewichte Pfizer und Merck haben den Markt faktisch bereits untereinander aufgeteilt.

Chaotisch verlief auch die Markteinführung des Lungenkrebs-Präparates Iressa. Nach Todesfällen unter Patienten in Japan war der Umsatz mit dem Medikament im vergangenen Jahr dort um die Hälfte eingebrochen. Die Freude über die schnelle Zulassung in den USA ist deshalb getrübt. Trotz der vielen Probleme sieht Analyst Culverwell die Aktie mittelfristig positiv: "Astra-Zeneca hat eine Menge spektakulärer neuer Produkte in der Pipeline und wird vielen Konkurrenten voraus sein." Ungeachtet der Kursgewinne hält der Analyst daher an seiner Kaufen-Empfehlung fest; sein Kursziel lautet: 3 000 Pence.

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