Kursrally
Kommentar: Die Börsen holen nur auf

Die Aktienkurse stürmen von einem Hoch zum nächsten. Abgesehen von wenigen Verirrungen, bewies die Börse stets gute Frühindikator-Qualitäten. Doch diesmal steckt der Teufel im Detail.

Die Aktienkurse stürmen von einem Hoch zum nächsten. Wer darauf setzt, dass die Märkte immer Recht haben, frohlockt. Denn danach sollte sich die Konjunktur bald erholen. Abgesehen von wenigen Verirrungen, bewies die Börse stets gute Frühindikator-Qualitäten - zumindest bessere als die fast aller Volkswirte und Konjunkturbarometer. Doch diesmal steckt der Teufel im Detail.

Die Ausgangsbasis, von der aus der Deutsche Aktienindex in nur drei Monaten 50 Prozent an Wert gewann, war außergewöhnlich tief. Der Irak-Krieg mit den anfangs unabsehbaren Folgen hatte die Märkte in einer Weise in den Abgrund geschickt, die allen herkömmlichen Bewertungsrastern widersprach. Seit der ersten Hälfte der siebziger Jahre war die Aversion gegenüber Aktien nicht mehr so hoch und die Bewertung der Aktien gegenüber Anleihen nicht mehr so niedrig wie im März. Möglich wurde das, weil Investoren nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 und dem Platzen der Technologieblase ohnehin geschockt waren.

Diese hoffentlich einmaligen Faktoren gilt es beim derzeitigen Börsenboom zu berücksichtigen. Denn die Märkte kehren lediglich zur Normalität zurück, ohne dass sie damit schon einen Konjunkturaufschwung vorwegnehmen. Dazu besteht auch kein Anlass. Denn dass einige Frühindikatoren und reale Wirtschaftsdaten zulegen, hat einen einfachen Grund: Sie erholen sich nur von den außergewöhnlich niedrigen Werten, auf die sie fielen, als Stimmung und Auftragslage im Vorfeld des Irak-Kriegs miserabel waren.

Die Luft für weitere und nachhaltige Kurszuwächse wird aber dünner. Rückschläge wird es geben, wenn die Unternehmen die Erwartungen nicht erfüllen. Enttäuschende Aussagen von Nokia, Motorola oder Daimler-Chrysler ignorierte die Börse bislang. Darauf zu setzen, dass dies bei künftigen Gewinnwarnungen so bleibt, ist fahrlässig - ebenso wie die Spekulation, dass sich die verhalten positive Ertragsentwicklung aus dem ersten Quartal fortsetzt. Denn diese resultierte lediglich aus Kostensenkungen.

Voraussetzung für eine Konjunkturwende sind anziehende Investitionen und höherer Konsum. Solange Überkapazitäten, Preisdumping und sinkende Kaufkraft infolge immer höherer Arbeitslosigkeit die Preise drücken, ist eine nachhaltige Erholung nicht in Sicht. Die Börsen haben also keinen Grund, ihren Sturm und Drang noch lange fortzusetzen.

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