Kursrückgang an den Börsen
Mobilcom lockt weniger Kunden

Gedämpfte Stimmung bei Mobilcom: Die Büdelsdorfer Telekommunikationsfirma hat bei der Akquisition neuer Handy- Kunden einen Einbruch erlitten. Die Börse reagierte mit einem Kursrückgang.

lip HAMBURG. Die am Neuen Markt notierte Mobilcom AG bekommt den Gegenwind im Mobilfunkgeschäft immer kräftiger zu spüren. Der Büdelsdorfer Telekommunikationskonzern lockte im 3. Quartal nur 50 000 neue Handynutzer an. Im Vorquartal waren es hingegen noch 390 000 Kunden.

Einige Analysten waren von dieser Entwicklung enttäuscht. Christoph Vogt, Wertpapierspezialist bei der Hamburger Privatbank M.M.Warburg, war von mindestens 100 000 Neukunden ausgegangen. Werner Stäblein von der Frankfurter BHF-Bank rechnete sogar mit 150 000. Er stufte die Mobilcom-Aktie deshalb weiter auf "Verkaufen" ein. Der Aktienkurs sank daraufhin zeitweise um fast 4 % auf 20,58 Euro.

Auch im 4. Quartal dürfte Mobilcom ihren gegenwärtigen Trend in der Mobilfunksparte nicht umkehren. Denn die Akquisition von Neukunden werde auf dem Niveau des vorangegangenen Quartals verharren. Dies ließ Mobilcom-Finanzvorstand Thorsten Grenz auf einer Analysten-Telefonkonferenz durchblicken.

Als Gründe für den rückläufigen Kundenzuwachs nannte ein Mobilcom-Sprecher das gedrosselte Marktwachstum sowie die gekürzten Handy-Subventionen. "Wir wollen nicht um jeden Preis wachsen, sondern unser Geschäft auf Profitabilität ausrichten", so der Firmensprecher. Das Unternehmen halte deshalb weiterhin daran fest, im 4. Quartal ein positives Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) im Stammgeschäft zu erzielen. Dazu zählen Mobilfunk, Festnetz, Internet und sonstige Dienste.

Im 3. Quartal kletterte das Ebitda-Ergebnis ohne Anlaufkosten für den neuen Mobilfunkstandard UMTS auf 6,81 (4,7) Mill. Euro. Dennoch räumte ein Mobilcom-Sprecher auf Anfrage des Handelsblatts ein, dass im gesamten Geschäftsjahr 2001 wohl "kein positives Ebitda-Ergebnis im Stammgeschäft" erzielt werde.

Das Ebitda-Ergebnis inklusive der UMTS-Kosten wurde für das 3. Quartal mit minus 6,83 Mill. Euro angegeben, während es im Vorquartal bei 3,66 Mill. Euro lag. Gründe hierfür seien die verstärkten Ausgaben für den UMTS-Netzaufbau sowie der höhere Personalaufwand für IT-Fachpersonal.

In den ersten neun Monaten 2001 erzielte Mobilcom bei einem Umsatz von 2,01 Mrd. Euro ein Ebitda von minus 37,96 Mill. Euro. "Mobilcom hat beim Umsatz unsere Erwartungen enttäuscht. Wir waren von 2,04 Mrd. Euro ausgegangen", sagte M.M.Warburg-Analyst Vogt. An der Börse hatte man sogar mit 2,08 Mrd. Euro gerechnet.

Nur geringe Auswirkungen auf das Konzernergebnis in 2001 wird der Aufbau der Mobilbank haben, deren Start vom Herbst diesen Jahres auf Anfang 2002 verschoben wurde. "Die Anlaufverluste bewegen sich im einstelligen Millionen-Euro-Bereich", erklärte ein Firmensprecher. Die Mobilbank überdenkt derzeit ihr Geschäftskonzept. Das Gemeinschaftsunternehmen mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) sollte ursprünglich unter anderem den Aktienhandel über das Handy ermöglichen. Doch die Flaute an den internationalen Börsen verspricht hieraus derzeit wenig Umsätze.

Keine Bewegung ist auch in der ursprünglich bereits für Anfang dieses Jahres beabsichtigten Übernahme des Konkurrenten Hutchison Telekom GmbH in Münster gekommen. Es werde weiterhin an einem Konzept gearbeitet, um die Tochter der britischen Orange plc. zu übernehmen. Die France-Telecom-Mobilfunktochter Orange ist außerdem mit 28 % an Mobilcom beteiligt. Mobilcom wolle für Hutchison nicht die Verschuldung erhöhen oder seine bisherige andererseits durch die Ausgabe neuer Aktien verwässern, so ein Sprecher.

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