Kursrutsch bei Finanzwerten belastet
Wenig Hoffnung für den Dax

Die Furcht der Anleger vor weiteren Abschreibungen hat Händlern zufolge den Finanzwerten im Deutschen Aktienindex am vorletzten Handelstag des Jahres massiv zugesetzt und den Index deutlich unter die Marke von 3000 Punkten gedrückt.

Reuters FRANKFURT. Deutschlands wichtigstes Börsenbarometer schloss am Freitag 5,36 Prozent tiefer bei 2840 Punkten und hat damit in dieser Woche über sechs Prozent seines Wertes eingebüßt. Nun gebe es kaum noch Hoffnung, dass der Dax das Jahr oberhalb der psychologisch wichtigen 3000-Punkte-Marke beende, sagte ein Aktienhändler. Am kommenden Montag, dem letzten Handelstag des Jahres, wird an der Börse nur bis 14 Uhr (MEZ) gehandelt.

Im Mittelpunkt eines umsatzschwachen Handels standen die starken Kursverluste der Finanzwerte, allen voran der Allianz und Münchener Rück, die 8,25 Prozent beziehungsweise 5,99 Prozent verloren und den Dax am stärksten belasteten. "Die Allianz hat ihr Beteiligungsportfolio zuletzt Mitte des Jahres bei rund 4300 Punkten im Dax angepasst. Hier kommt jetzt wieder die alte Furcht vor Abschreibungen auf", erklärte ein Aktienhändler den Kursrutsch.

Unterdessen schlossen die Papiere des Touristikkonzerns Tui rund ein Prozent niedriger bei 15,75 Euro, hielten sich damit aber deutlich besser als der Gesamtmarkt. Tui hat das Deutschland-Geschäft seiner Tochter Preussag Energie für knapp eine Milliarde Euro an den französischen Energiekonzern Gaz de France verkauft. Damit dürfte sich der Erlös des Gesamtunternehmens - das Auslandsgeschäft steht noch zur Veräußerung - deutlich über den Erwartungen von Branchenkennern einpendeln.

Steigender Euro belastet Exportwirtschaft

Entgegen der Entwicklung an den deutschen Aktienmärkten legte der Euro weiter zu und stieg zeitweise bis auf 1,0419 Dollar - den höchsten Stand seit rund drei Jahren. Börsianer machten die Euro-Stärke auch für die Aktienkursverluste der exportorientierten Dax-Werte verantwortlich. So verbilligten sich die Titel der Automobilhersteller BMW, Volkswagen und DaimlerChrysler um jeweils knapp fünf Prozent.

Auf den Kursen lastete Händlern zufolge auch die schwache Entwicklung der US-Börsen. Bis zum Handelsschluss in Frankfurt gab der Dow-Jones-Index für die Standardwerte 1,45 Prozent und die Technologiebörse Nasdaq 1,34 Prozent nach. Händler in den USA und Deutschland sagten, der drohende Irak-Krieg führe an den Börsen zu anhaltenden Verkäufen. Negativ sei zudem der Streit der USA mit Nordkorea um dessen Atomwaffenprogramm.

Finanzwerte stark im Minus

In Frankfurt drückten in erster Linie die Finanzwerte den Dax unter die Marke von 3000 Punkten. Neben den Versicherern büßte die Aktie des Finanzdienstleisters MLP 8,6 Prozent auf 9,25 Euro ein. Die Anleger des Heidelberger Unternehmens mussten in diesem Jahr nunmehr Kursverluste von knapp 90 Prozent hinnehmen.

Wenig besser erging es am Freitag den Titeln der Deutschen Bank, die sich um knapp sieben Prozent verbilligten. Auch die Banken zählten 2002 zusammen mit den Technologiewerten zu den schwächsten Aktien im Dax. Sie verloren teilweise mehr als die Hälfte ihres Börsenwertes und damit noch mehr als der Dax, der seit Anfang Januar fast 45 Prozent verloren hat.

Händler verwiesen jedoch darauf, dass die Kursbewegungen am Freitag bei Umsätzen von lediglich einem Drittel des normalen Geschäfts zustanden gekommen seien. "Wir sehen Kursbewegungen ohne Nachrichten und damit auch ohne große Aussagekraft", fasste ein Händler die Lage zusammen. Ab kommendem Donnerstag, dem ersten Handelstag im neuen Jahr, dürfte dann wieder Schwung in den Markt kommen.

Metro hop, Morphosys top

Das Einzelhandelsunternehmen Metro büßte mehr als sechs Prozent seines Börsenwertes ein. Am Donnerstag hatte der US-Konkurrent Wal-Mart wegen eines unerwartet schwachen Weihnachtsgeschäftes seine Umsatzprognose für Dezember gesenkt.

Derweil stiegen am Neuen Markt erneut die Anteilsscheine von Morphosys um rund 52 Prozent auf 10,23 Euro. Bereits am Montag hatte das Papier 41 Prozent zugelegt, weil Morphosys mit dem britischen Konkurrenten Cambridge Antibody Technology einen Rechtsstreit mit einem Vergleich beendet hatte.

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