Kursschwankungen nach beiden Seiten
Wall Street nervös nach offener US-Wahl

Die Wall Street hat am Mittwoch nervös auf das offene Rennen um die US-Präsidentschaft zwischen dem Demokraten Al Gore und dem Republikaner George W. Bush reagiert.

dpa NEW YORK. Die Aktienkurse wiesen im Tagesverlauf Kursschwankungen nach beiden Seiten auf. Der Dow-Jones-Index lag gegen Mittag mit 10.996,93 Zählern um 44,75 Punkte oder 0,41 % höher. Der Standard & Poor's-500-Index fiel um 5,94 Zähler oder 0,42 % auf 1.425,93 Punkte. Der mit Technologieaktien bestückte NASDAQ-Index kam unter die Räder und gab um 79,69 Zähler oder 2,33 % auf 3 336,10 Punkte nach. Chip-, Computer- und Internetaktien waren schwächer.

Christine Callies von der Investmentbank Merrill Lynch sieht nach den minimalen Stimmenunterschieden zwischen Gore und Bush und den hauchdünnen Mehrheiten der Republikaner im Kongress die Notwendigkeit für eine "Regierung der Kompromisse und des Ausgleichs". Sie glaubt nicht, dass Bush im Falle eines Wahlsiegs mit seinem Billionen-Steuersenkungs- oder Gore bei einem Einzug ins Weiße Haus mit seinen Sozialreformplänen durchkommen wird. Dies gab sie in einem Interview im Bloomberg-Börsen-TV zu verstehen.

Pharma-, Biotechnologie- und Krankenversicherungswerte wie Merck, Bristol-Myers Sqibb, Pfizer und Johnson & Johnson wiesen deutliche Kursgewinne auf. Ölaktien wie Chevron und ExxonMobil sowie Rüstungswerte Boeing waren gesucht. Sie würden von einem Bush-Wahlsieg von Bush profitieren. Das gleiche galt für Zigarettenaktien wie Philip Morris und RJR Reynolds. Sie legten zu, weil Bush möglicherweise bei den Raucherklagen kompromissbereiter wäre als Gore.

Gore hatte die Öl-, Pharma- und Krankenversicherungsunternehmen während des Wahlkampfes scharf angegriffen. Er würde währscheinlich versuchen, die Arzneimittelpreise zu drücken und die Bezahlung der Krankenkassen reduzieren.

Microsoft -Aktien legten ebenfalls leicht zu. Der weltgrößte Softwarekonzern hofft auf einen Bush-Wahlsieg. Bush würde wahrscheinlich in der laufenden Kartellklage nicht so aggressiv gegen Microsoft vorgehen wie Gore. Finanzwerte wie Citigroup, Chase Manhattan und J.P. Morgan waren schwächer.

Der Rentenmarkt tendierte etwas höher. Er hofft auf einen Wahlsieg Gores. Der US-Vizepräsident will die hohen US-Haushaltsüberschüsse vor allem für den Abbau der Staatsschulden und für die Sanierung des Rentensystems verwenden.

Dagegen hätte Bush mit seinen umfangreichen Steuersenkungsplänen weniger Geld für den Schuldenabbau übrig. Er würde die Wirtschaft damit auch ankurbeln und möglicherweise Inflationsgefahren verursachen, argumentieren die Rentenhändler. Dadurch würde der Spielraum der Notenbank für mögliche zukünftige Zinssenkungen eingeengt. Die Notenbank braucht sich aber nach Ansicht von Callies in den kommenden sechs Monaten "nicht zu bewegen", das heißt sie braucht keine Leitzinssenkungen durchzuführen.

Sowohl Gore als auch Bush wollen eine Fortsetzung des seit 1991 laufenden US-Wirtschaftsaufschwungs. Bush ist wahrscheinlich weniger als Gore zu einer Teilnahme an Devisenmarktinterventionen zu Gunsten des Euro bereit. Der Stimmenunterschied in Florida war so gering, dass eine nochmalige Auszählung der Stimmen erfolgen muss. Die Neuauszählung wird entscheiden, wer von den beiden Politikern ins Weiße einziehen darf.

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