Kurssprünge bei US-Anleihen
Analysten glauben an drastische Zinssenkung

Die Eröffnung des US-Aktienmarkts und Spekulationen über eine aggressive außerplanmäßige Fed-Zinssenkung dürfte zum Wochenstart das Geschehen an den US-Kreditmärkten bestimmen. Nach den Terroranschlägen in New York und Washington hatten die Treasuries bereits in der vergangenen Woche teilweise deutliche Kurssprünge verbucht, als Anleger in relativ sichere Anlageformen umschichteten.

Reuters NEW YORK. Viele Investoren schätzten die Wahrscheinlichkeit hoch ein, dass die US-Notenbank Fed die Zinsen zum achten Mal in diesem Jahr senken wird, um die Wirtschaft anzukurbeln und den Märkten Vertrauen einzuflößen. "Die Fed muss ein mutiges psychologisches Signal setzen", sagte Richard Gilhooly von BNP Paribas in New York.

Einige Analysten hielten sogar eine äußerst aggressive Zinssenkung für möglich. "Ich glaube, es wäre für die Fed am besten, direkt einen sehr aggressiven Schritt zu gehen - sagen wir 100 Basispunkte - und die Zinsen dort während der Erholungsphase zu belassen", sagte Gilhooly. Die meisten anderen Analysten hielten eine Zinssenkung um 50 Basispunkte für wahrscheinlicher. Zinsfutures signalisieren derzeit, dass der Markt zu Jahresende im Durchschnitt einen US-Schlüsselzins von 2,80 Prozent erwartet. Derzeit beträgt der Leitzins 3,5 Prozent.

"Insbesondere mit Blick auf die zu erwartenden Turbulenzen an den amerikanischen Aktienmärkten schätzen wir die Wahrscheinlichkeit für eine weitere Zinssenkung der Fed in der kommenden Woche als weiterhin hoch ein", schrieben die Analysten der HSBC Trinkhaus & Burkhardt. Eine Zinssenkung direkt zu Wochenbeginn hält jedoch John Kadich, Bondanalyst bei der Gelber Group, für weniger wahrscheinlich. "Die Fed wird erst sicherstellen wollen, dass das System (der Aktienmärkte) mit der Liquidität und den Turbulenzen einer plötzlichen Zinssenkung klarkommen würde", sagte Kadich.

Auch der sich verdüsternde Konjunkturausblick in den USA könnte den Treasuries nach Ansicht der Analysten zu Kursgewinnen verhelfen. Eine zunehmende Zahl von Experten rechnet damit, dass die Terroranschläge die ohnehin lahmende US-Wirtschaft in eine Rezession stürzen werden. JP Morgan Securities rechnet mit einem Rückgang des US-Bruttoinlandsprodukts (BIP) im dritten und vierten Quartal 2001 sowie im ersten Quartal des kommenden Jahres. Zuvor hatten bereits die Deutsche Bank und die Ratingagentur Standard & Poor's eine Rezession in den USA für das zweite Halbjahr 2001 vorhergesagt.

Bereits in der vergangenen Woche hatten kurzfristige US-Staatsanleihen wegen der Spekulationen über baldige Zinssenkungen Kurssprünge verzeichnet. Zudem stiegen die Sorgen um militärische Vergeltungsschläge der USA, die die Investoren in besonders sichere Anlageformen wie kurzfristige Anleihen trieben. Viele Händler wollten vor allem abwarten, wie sich der US-Aktienmarkt entwickle. Nach der tagelangen Aussetzung des Aktienhandels rechnen die meisten Aktienexperten mit Kurseinbrüchen an der Wall Street zur Handelseröffnung am Montag.

Am Freitag war die zweijährige Anleihe mit 101-13/32 Zählern aus dem Handel gegangen. Auf diesem Niveau rentierte sie mit 2,88 Prozent - der niedrigste Stand seitdem die Anleihe 1972 erstmals ausgegeben worden war. Zehnjährige Papiere schlossen auf 103-15/32 Punkten und einer Rendite von 4,56 Prozent, 30-jährige Titel auf 100-9/32 Punkten und einer Rendite von 5,35 Prozent.

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