Kurssturz ausgelöst
MLP wird angepeilte Gewinnziele verfehlen

Der Finanzdienstleister MLP sieht sein Ertragsziel für 2002 angesichts der negativen Presse und der schlechten Börsenstimmung in unerreichbare Ferne gerückt. Der Ausverkauf der Aktie setzte sich am Freitagabend in rasantem Tempo fort.

Reuters HEIDELBERG. MLP hat seine Gewinnerwartungen für 2002 zurückgenommen und musste nach eigenen Angaben den Negativ-Schlagzeilen um seine Geschäftspraktiken Tribut zollen.

Das Ziel, das Ergebnis vor Steuern im laufenden Jahr wieder um 30 Prozent auf 195 (2001: 150,7) Millionen Euro zu steigern, sei aus heutiger Sicht in unerreichbare Ferne gerückt, teilte MLP am Abend mit. Nach einer ersten Auswertung habe der Gewinn vor Steuern im ersten Halbjahr allenfalls den Vorjahreswert von 53,7 Millionen Euro erreicht. Analysten hatten eine Revision der Prognosen erwartet. Dennoch fiel die Aktie am Abend weiter ab und unterschritt mit Abschlägen von fast 45 Prozent deutlich die Marke von zehn Euro.

Neugeschäft im zweiten Quartal eingebrochen

Das Neugeschäft in der Lebens- und Krankenversicherung habe in den ersten sechs Monaten noch um rund 15 Prozent zugenommen, teilte MLP weiter mit. Im zweiten Quartal hat es sich offenbar deutlich verlangsamt. Nach den ersten drei Monaten hatte der Versicherungs- und Finanzvermittler noch von einem Zuwachs von 26 Prozent berichtet. Das Ergebnis vor Steuern hatte mit 24,5 Millionen Euro noch um 32 Prozent über dem Niveau des Vorjahres gelegen.

MLP-Chef Bernhard Termühlen begründete den Einbruch mit dem anhaltenden Beschuss eines Anlegermagazins und mit der schwachen Verfassung der Aktienmärkte, die sich vor allem auf das Geschäft mit fondsgebundenen Lebensversicherungen auswirkt. Das Münchener Magazin "Börse Online" wirft MLP seit Monaten Unstimmigkeiten in der Bilanz vor, die das Unternehmen stets kategorisch bestritt.

Bereits vor der Prognosekorrektur hatte MLP eingeräumt, dass die Medienberichte dem Unternehmen die Neugeschäfts-Akquise erschwerten. "Die negativen Schlagzeilen und polemischen Angriffe wirken sich natürlich auf die Gewinnung von Neukunden aus", sagte ein MLP-Sprecher. Die Berater müssten mehr Überzeugungsarbeit leisten, um Abschlüsse zu machen. Die Vorwürfe wögen dabei schwerer als die Lage an den Börsen, sagte Termühlen in einem Interview. Es könne jedoch keine Rede davon sein, dass das Neugeschäft zum Erliegen gekommen sei. "Auch in den letzten Wochen lag (es) über dem Vorjahresniveau."

MLP-Aktie verlor gegenüber Höchststand 95 Prozent

Die MLP-Aktie stürzte nach der Prognosekorrektur weiter ab, nachdem sie angesichts der Spekulationen um eine bevor stehende Verschlechterung der Gewinnaussichten bereits am Nachmittag 28 Prozent gefallen war. Am frühen Abend lag das Papier mit zeitweise 8,50 Euro um 45 Prozent unter dem Schlusskurs vom Donnerstag. Binnen zwei Tagen verlor MLP damit die Hälfte seines Wertes. Seit dem Rekordhoch bei 190 Euro im Oktober 2000 hat die Aktie über 95 Prozent verloren. Die geschrumpfte Marktkapitalisierung könnte auch zum Aus von MLP im Deutschen Aktienindex Dax führen. Der Unternehmenswert liegt nach Reuters-Berechnungen noch bei knapp unter eine Milliarde Euro.

Bereits am Mittwoch hatte Termühlen in einem Brief an seine Mitarbeiter Probleme eingeräumt: "Natürlich ist es in Zeiten wie diesen nicht mehr so einfach, Kunden zu gewinnen", hieß es in dem vom Vorstandschef und vom Aufsichtsratsvorsitzenden Manfred Lautenschläger unterzeichneten Schreiben, das Reuters vorliegt. Wann sich die Situation für das Unternehmen ändern werde, sei schwierig abzuschätzen, sagte Termühlen. Die bestehenden Kunden erwiesen sich als sehr loyal, hieß es.

Analyst: Spekulanten profitieren vom Kurssturz

Analysten und Aktienhändler hatten bereits zuvor vermutet, dass MLP seine Ziele nicht halten könne. Analyst Volker Kudszus von der WestLB Panmure sagte, die ständigen Negativmeldungen könnten das Wachstum dämpfen. Zudem werde die Aktie "kaputtgeredet". "Es sollen sich auch Leute daran bereichern, die Aktie unter Druck zu bringen." Anleger können mit Verkaufsoptionen bei fallenden Kursen Gewinne einstreichen. Die Investmentbank reduzierte unterdessen den fairen Wert für die Aktie auf 22 Euro von 39 Euro, behielt ihre Kaufempfehlung aber bei. Mittelfristig erwarten die Analysten nur noch ein Wachstum von 15 statt von 26 Prozent.

Die am Mittwoch vom Anlegermagazin "Börse Online" ans Licht gebrachte Praxis, einen Teil künftiger Provisionsansprüche zu verkaufen, sei zwar weder Bilanzfälschung noch wirtschaftlich unsinnig, sagte ein Analyst. "Aber man hätte das sagen müssen", kritisierte er.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) vermutet feindliche Übernahmepläne hinter den Vorwürfen. "MLP wird weich geschossen", sagte DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker dem Berliner "Tagesspiegel" (Samstagausgabe). Wenn der Kurs noch weiter falle, könne es ein ausländischer Investor günstig übernehmen, sagte Hocker.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%