Kurssturz nach schlechten Quartalszahlen
Ericsson erschüttert Telekom-Branche

Mit seinem Quartalsbericht zerschlug der schwedische Telekomausrüster die letzten Hoffnungen auf eine baldige Erholung der Branche. Ericsson wird erneut Tausende Stellen streichen.

hst STOCKHOLM. Mit einem dramatischen Einbruch des Aktienkurses startete der schwedische Telekomausrüster Ericsson in die neue Woche und machte alle Hoffnungen auf eine baldige Erholung der Branche zunichte. Ein Quartalsverlust, der deutlich höher ausfällt als erwartet, der Abbau von insgesamt 20 000 Stellen bis Ende 2003 sowie eine Neuemission mit einem Volumen von 30 Mrd. Kronen (umgerechnet 3,3 Mrd. Euro) ließen den Kurs der Ericsson-Aktie an der Stockholmer Börse um bis zu 25 % fallen. Die Aktie notierte mit ihrem niedrigsten Kurs seit fünf Jahren. Die Titel von Nokia, Siemens und Alcatel gerieten in den Abwärtssog und gaben deutlich nach.

Hintergrund der dramatischen Entwicklung bei Schwedens größtem Konzern ist die andauernde Krise bei den wichtigen Auftraggebern der Telekommunikationsbranche. Die Telekomunternehmen, die sich durch den Erwerb teurer UMTS-Lizenzen stark verschuldet haben, reduzieren ihre Investitionen in den Ausbau der Netze deutlich. Hinzu kommen konjunkturelle Schwierigkeiten. Ericsson-Chef Kurt Hellström erklärte am Montag in Stockholm, dass er nicht mehr vor 2003 mit einer Erholung der Branche rechne. Sein Unternehmen weist einen Vorsteuerverlust für das erste Quartal von 5,4 Mrd. Kronen aus. Auch für das Gesamtjahr gehen die Schweden jetzt von roten Zahlen aus.

Mit seinem Ergebnis schneidet Ericsson noch schlechter ab als die übrigen großen Telekommunikationsunternehmen, die in den vergangenen Wochen reihenweise Umsatz- und Gewinnwarnungen ausgesprochen hatten. Nokia aus Finnland und die kanadische Nortel schockierten die Anleger bereits mit pessimistischeren Prognosen vor allem für den Netzwerk-Bereich. Am Montag kündigte der US-Netzausrüster Lucent den Abbau von 6 000 weiteren Stellen an.

Doch bei den Schweden ist die Krise dramatischer, da der Konzern nach der Auslagerung seiner Handy-Sparte den weit überwiegenden Teil des Umsatzes mit Mobilfunk-Netzwerken macht.

Dieser Bereich sorgte im ersten Quartal des laufenden Jahres für ein Minus von 2,9 Mrd. Kronen und einen Umsatzrückgang von 26 %. Schlimmer noch ist das Minus von 40 % in den Auftragsbüchern. Der Ericsson-Chef prognostizierte den Rückgang im Netzwerkbereich in diesem Jahr auf mehr als 10 %.

Um die Krise besser in den Griff bekommen zu können, will Ericsson weitere 17 000 Arbeitsplätze bis Ende kommenden Jahres streichen. 3 000 Mitarbeiter mussten in diesem Jahr bereits gehen. "Ericsson wird ein Konzern mit rund 65 000 Mitarbeitern werden", erklärte Hellström. Im vergangenen Jahr hatte Ericsson bereits 22 000 Stellen gestrichen. Einziger Lichtpunkt in Ericssons Quartalsbericht: Das einstige Sorgenkind, die Handy-Sparte, die mittlerweile in einem Joint Venture mit Sony aufgegangen ist, schreibt nach mehreren Quartalsverlusten keine roten Zahlen mehr.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%