Kursverfall der T-Aktie
Aktionärsschützer schießen sich auf Sommer ein

Bundesfinanzminister Hans Eichel soll handeln, fordern Vertreter der Kleinaktionäre. Er müsse personelle Alternativen zu Telekom-Chef Ron Sommer prüfen.

Aktionärsschützer fordern nach Telekom-Kurssturz Handeln von Eichel - SdK: Personelle Alternativen zu Sommer und Treueaktien prüfen = afp FRANKFURT/MAIN. Angesichts des anhaltenden Kursverfalls der T-Aktie haben Aktionärsschützer Bundesfinanzminster Hans Eichel (SPD) zum Handeln aufgefordert. Es müssten personelle Alternativen zu Telekom-Chef Ron Sommer geprüft werden, sagte Reinhild Keitel von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) am Freitag in Frankfurt am Main der Nachrichtenagentur AFP. "Es stellt sich die Frage, ob derjenige, der die Probleme der Telekom geschaffen hat, diese auch lösen kann. " Die SdK erneuerte die Forderung an Eichel, den gebeutelten Anlegern "als Kompensation für die Kursverluste" aus dem Bundesbesitz zusätzliche Treueaktien zu überlassen. Die T-Aktie war am Freitag erstmals unter 15 Euro gestürzt. Zwischenzeitlich notierte das Papier nur noch bei 14,81 Euro. Damit hielt sich die Aktie nur noch knapp über dem Stand des ersten Börsengangs im November 1996, als Privatanleger in der Frühzeichner-Phase 28 Mark (14,32 Euro) pro Wertpapier zahlen mussten. "Als Anleger kann man sich wirklich nur betrogen vorkommen", sagte Keitel. Zwar spielten bei den derzeitigen Kursverlusten "sicherlich Markteinflüsse eine Rolle"; es gebe aber "ganz gravierende hausgemachte Probleme" bei der Telekom. Keitel warf Sommer vor, den Einstieg bei dem US-Mobilfunkanbieter VoiceStream zu teuer erkauft zu haben. "Es wurde ein Drittel des damaligen Wertes der Telekom bezahlt für ein Unternehmen, das ein reiner Zukunftswert ist." Der Rückfluss von T-Aktien, die an die ehemaligen VoiceStream-Aktionäre gingen, sei dann von Sommer "nicht zu regulieren" geweisen. "Es ist klar, dass Großaktionäre nicht auf Dauer an deutschen Telekom-Aktien interessiert sind, und viele amerikanische Kleinaktionäre wollen auch keine deutschen Aktien im Depot." Wenn als Alternative zu Sommer eine "überzeugende Figur gefunden würde, würde das helfen", sagte Keitel. Zwar habe Sommer, der seit Mitte 1995 an der Spitze des Bonner Konzerns steht, "aus einer Behörde ein relativ modernes Unternehmen gemacht"; bei VoiceStream habe der Manager dann aber "entscheidende Fehler gemacht, obwohl keinesfalls sicher ist, ob sich das auszahlt". Auch bei der Auktion der UMTS-Mobilfunklizenzen im vergangenen Jahr habe Sommer sich verkalkuliert: "Die Preise sind auch durch das Bieterverhalten der Telekom so hoch getrieben worden." Der Bonner Konzern habe geglaubt, durch hohe Gebote "andere Wettbewerber fernhalten zu können" und am Ende selbst mehr als 16 Milliarden Mark (über acht Milliarden Euro) für seine Lizenz zahlen müssen. Die Aktionärsschützerin sah aber auch Eichel in der Schuld der Anleger. Der Minister habe aus dem zweiten und dem dritten Börsengängen der Telekom kassiert und das daraus erlöste Geld nicht dem Unternehmen überlassen. "Das ist, was so verbittert", sagte Keitel, "sonst wäre für die Telekom jetzt alles leichter verkraftbar".

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