Kursverluste bei US-Junkbonds bis Jahresende auf 15 Prozent
Schrottanleihen stehen vor dem schlechtesten Jahr aller Zeiten

Insolvenzen und Bilanzskandale halten Investoren davon ab, in amerikanische Junkbonds zu investieren. Die Kurse der renditestarken aber bonitätsschwachen "Schrottanleihen" sind neun Prozent gefallen und könnten das Jahr mit einem Minus von 15 Prozent abschließen, zeigen Daten von Merrill Lynch & Co. Damit wäre 2002 das schlechteste Jahr seit die Investmentbank 1986 ihren Junk Bond Index aufgelegt hat.

Bloomberg NEW YORK. Pleiten bei Unternehmen wie WorldCom, Adelphia Communications, Kmart und Global Crossing haben die Ausfallrate bei Junkbonds erhöht. Im ersten Halbjahr konnten Unternehmensanleihen im Volumen von 76 Mrd. Dollar nicht bedient werden, berichtet Moody's Investors Service. Dort gelten Anleihen unterhalb "Baa3" als schrottreif. Die Ratingagentur Standard & Poor's legt die Bewertungsgrenze bei "BBB-" fest.

"Das sieht nicht gut aus", beschreibt Jerry Paul, Geschäftsführer von Quixote Capital Management LLC, die Lage. "Wir nähern uns den dunklen Tagen der Jahre 1998 und 1990", als die Russlandkrise und die US-Rezession den Anleihemarkt empfindlich geschwächt haben.

Zwanzig Jahre nachdem Michael Milken mit Anleihen unbescholtener Emittenten ein Vermögen machte, fällt es vielen Unternehmen schwer, ihre Anleihen zu bedienen und weitere aufzulegen. Die Talfahrt der Aktienbörsen hat die Aktiva zusammenschrumpfen lassen. Kostspielige Expansionen kamen erschwerend hinzu. Vor diesem Hintergrund befürchten die Investoren, dass weitere Insolvenzen die Geschäftswelt erschüttern werden.

Im Juli waren Junkbonds die drittschlechteste Kapitalanlage im festverzinslichen Bereich. Der Merrill Lynch High Yield Master Index verlor 3,9 Prozent. Die Benchmark umfasst Ramschanleihen im Volumen von mindestens 100 Mill. Dollar und kommt auf eine Marktkapitalisierung von etwa 369 Mrd. Dollar.

Hochzins- besser als Staatsanleihen

Hochzinsanleihen schnitten besser ab als Staatsanleihen aus Schwellenmärkten, deren Kurse im Juli durchschnittlich 7,6 Prozent gefallen sind. Wandelanleihen verzeichneten einen Verlust von 5,4 Prozent. Spitzenreiter waren die US-Treasuries, sie konnten 2,3 Prozent zulegen. In den elf Jahren bis 1997 verzeichneten Junkbonds ein Plus von durchschnittlich zwölf Prozent. Danach fielen die Kursgewinne auf jährlich 1,2 Prozent zurück, wie der High Yield Master Index zeigt.

Weil die Renditen von Anleihen der Stufe Investment Grade teilweise auf über zehn Prozent gestiegen sind, greifen immer mehr Fondsmanager auf diese Kategorie zurück, beobachtet Curt Mitchell von Loomis Sayles & Co. in Chicago. Er verwaltet Anleihen im Volumen von drei Mrd. Dollar, davon entfallen 600 Mill. Dollar auf Junkbonds. Gefragt sind die Papiere von AOL Time Warner. Die Rendite der Anleihe mit 6 7/8 Prozent Verzinsung und Fälligkeit 2012 liegt rund 570 Basispunkte über den Treasuries bei 10,3 Prozent. "Das Risiko ist relativ gering, trotzdem werden diese Papiere fast schon wie Hochzinsanleihen gehandelt", sagt Mitchell.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%