Kursverluste nach Übernahmespekulationen um Wella sollten Anleger nicht abschrecken
Die Henkel-Aktie hat noch Potenzial

Kleine Meldung - große Wirkung. Mit der knapp 7 %igen Beteiligung am Darmstädter Wella-Konzern hat die Henkel KGaA die Spekulationen um eine Übernahme des Darmstädter Haarpflege- und Kosmetikunternehmen erneut angeheizt. Nachdem der Düsseldorfer Konsumgüterhersteller Henkel Ende vergangenen Jahres von den Märkten intensiv als möglicher Interessent für Wella gehandelt wurde, ist gegenwärtig Procter & Gamble der heiße Kandidat. Wella würde zu beiden Unternehmen gut passen, und deswegen rechnet manch ein Marktteilnehmer auch schon mit einer Übernahmeschlacht - vorausgesetzt, die Eigentümer-Familien von Wella wollen wirklich verkaufen.

Die Spekulationen rund um Wella und Henkel belasten die Aktie des Düsseldorfer Konzerns zur Zeit deutlich, sollten aber nicht den Blick dafür verschließen, dass Henkel ein erfolgreich gemanagtes Unternehmen ist, dessen Aktie nach Ansicht vieler Analysten unterbewertet ist. Eine zweistellige Ergebnissteigerung in allen Geschäftsbereichen konnte das 9,66 Mrd. Euro schwere Unternehmen im vergangenen Jahr erzielen, der Jahresüberschuss lag trotz der im Jahr 2001 verkauften Chemiesparte Cognis und dem Joint-Venture Henkel-Ecolab fast auf Vorjahresniveau. Und im Gegensatz zu anderen Unternehmenslenkern ist Henkel-Chef Ulrich Lehner auch bereit, eine Prognose für das laufende Jahr abzugeben: Der Konzern will das betriebliche Ergebnis im hohen einstelligen Prozentbereich steigern.

Der Erfolg von Henkel im vergangene Jahr ist auch auf das 2001 initiierte Restrukturierungsprogramm zurückzuführen, in dessen Rahmen das Unternehmen 2200 Stellen gestrichen und 65 Mill. Euro eingespart hat. Außerdem hat sich der Konzern durch den Verkauf von Cognis und Henkel-Ecolab fokussiert auf die drei strategischen Geschäftsfelder Wasch- und Reinigungsmittel, Kosmetik und Körperpflege sowie Klebstoffe, Dichtstoffe und Oberflächentechnik. Zwar hat Henkel im vergangenen Jahr seine Prognosen zweimal nach unten korrigieren müssen, dennoch zeigt die nach Meinung vieler Analysten in der vergangenen Woche vorgelegte Jahresbilanz, dass der Konzern mit seiner neuen Struktur auf den richtigen Weg ist, sich im hart umkämpften Konsumgütermarkt zu behaupten.

Das Aushängeschild Persil hat es trotz schwacher Konsumkonjunktur geschafft, weltweit doppelt so stark wie der Markt zu wachsen und sich damit auch gegen den wichtigsten Herausforderer Ariel (P&G) zu behaupten. Laut AC Nielsen in Deutschland ist Henkel der einzige Hersteller von Markenprodukten, der auch gegenüber den Handelsmarken Marktanteile gewinnt. Bei der Haarkosmetik konnte Henkel, vor allem getrieben durch Styling-Produkte und Colorationen, immerhin noch leicht über dem Markt wachsen. Eine schwere Position haben die Düsseldorfer dagegen zur Zeit im Bereich Körperpflege, wo die Marke Fa von den Wettbewerbern Nivea (Beiersdorf) und Dove (Unilever) in die Zange genommen wird. Handelsmarken und Sonderangebote vor allem in Bereich der Duschbäder haben der Marke zusätzlich zugesetzt. Hier will das Unternehmen mit einem Relaunch der Marke Fa gegenhalten. Insgesamt hat Henkel nach Ansicht von Analysten mit der Entwicklung im vergangenen Jahr aber gezeigt, dass das Unternehmen gut positioniert ist und konjukturell deutlich resistenter dasteht als mancher Mitbewerber.

Durch die Minderheitsbeteiligung an Wella hat sich Henkel jetzt zudem in die strategisch günstige Position gebracht, bei jedwedem Bieterverfahren um die Darmstädter eine wichtige Rolle zu spielen. Sollte Procter & Gamble tatsächlich ein Angebot für Wella abgeben, kann Henkel verhindern, dass die Minderheitsaktionäre herausgedrängt werden (Squeeze-Out) und so eine 100%ige Übernahme verhindern, die Procter & Gamble eigentlich grundsätzlich bei Akquisitionen anstrebt. Die Düsseldorfer könnten sich dann später überlegen, ob sie sich von P&G ihren Anteile versilbern lassen oder im Gegenzug vielleicht gegen Aktivitäten von P&G in den USA tauschen.

Dass Henkel selbst bei Wella ein Übernahmeangebot abgibt, wird durch die Minderheitsbeteiligung nicht wahrscheinlicher. Zwar kann das Unternehmen nach Aussage von Finanzvorstand Jochen Krautter theoretisch durch Kapitalerhöhungen und den Verkauf von US-Beteiligungen 7 Mrd. Euro für die Akquisition aufbringen, aber schließlich muss bei Akquisitionen auch der Preis stimmen. Um wenn Henkel bereits im vergangenen Herbst nicht über ein Angebot von 5,3 Mrd. Euro hinausgegangen ist, wieso sollten das Unternehmen jetzt - angesichts der gestärkten Wella-Aktie - mehr auf den Tisch legen? Wichtig für Henkel ist, dass die Gesellschaft bei einer möglichen Übernahme von Wella nicht völlig aus den Spiel ist. Was die Henkel-Aktie anbelangt, so sind einige Analysten der Ansicht, das sie sich wegen der neuen Besitzkonstellation schon bald wieder erholen könnte. Gestern Nachmittag lagen die Vorzugsaktien des Düsseldorfer Konzerns wieder leicht im Plus.

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